Archiv der Kategorie: Here comes the ReEnActress

Urlaub im Frühmittelalter

Genau, man kann im Frühmittelalter sogar Urlaub machen. Letztes Jahr waren Borre und Lunula ja in der Normandie, siehe z. B. hier. Dieses Jahr waren wir im Ribe Vikingecenter.

Ribe gilt als älteste Stadt Dänemarks: erste archäologische Siedlungsfunde seit 700, Erwähnung in Annalen als Stadt um 800. Funde kann man im Museum Ribes Vikinger bewundern. Dort findet sich auch das Modell des Marktplatzes, den es ab ca. 750 gegeben hat:

Das Vikingecenter ist ein archäologisches Freilichtmuseum, in dem unter anderem der Marktplatz nachgebaut worden ist (allerdings nicht an historischer Stelle und viel kleiner als das Original). Und in diesem Freilichtmuseum sind Reenactors und -actresses willkommen, die es über die Sommermonate „bevölkern“.

Hier ein Bild vom Marktplatz, gesehen von oben (das wäre auch auf dem Modell oben):

Quer durch den Marktplatz verlaufen Wege aus Holzbohlen :

Und dort verbrachten wir also dieses Jahr unseren Sommerurlaub. 12 Tage wohnten wir im Vikingecenter, zeigten und erklärten dem Publikum das Wikingerleben 😉 und lernten sehr nette neue Leute kennen – und davor und danach mussten wir natürlich noch einige Tage durch Norddeutschland und Dänemark fahren und – ratetmal: Museen gucken. Für solche wie uns ein Traumurlaub *irre kicher* ….

Es hat großen Spaß gemacht! Hier noch zwei kleine Impressionen: einmal unsere Markt-Parzelle bei Sonnenschein (ja doch, den gab es auch im August, aber halt nicht tagelang am Stück!):

Geregnet hat es auch. Aber unser Zelt war dicht, das Vorzelt hielt auch gut stand und war so gut abgespannt, dass das Wasser gut ablaufen konnte, wie man hier sieht:

– und weder hat der Regen Herrn Borre von der Arbeit abgehalten (Tunika! Kappnähte! Von Hand!), noch Konstantin von seiner guten Laune.

Lager-Nachlese I: Sprang in Eindhoven

Stöhn. Ich weiß ja, ich blogge viel zu wenig. Aber einer der Gründe ist derzeit wirklich, dass einfach die Mittelalter-Saison in vollem Gange ist und ich deshelb kaum mal Zeit habe, all die schönen Erlebnisse zu verarbeiten. Naja. Könnt mir schlimmere Probleme vorstellen.
Aber nur mal so als Überblick:

  • Himmelfahrt und das zugehörige Wochenende waren wir in Groß-Pinnow,
  • Pfingsten (als Tagesbesucher) in Eindhoven,
  • das Wochenende nach Pfingsten in Neustadt-Glewe,
  • den Sonntag danach (also letzten Sonntag) als Tagesbesucher in Berlin-Blankenburg.

Und die Bilanz bis jetzt ist sehr positiv: Spaß gehabt, tolle neue Leute kennengelernt, viel Interessantes gesehen.

Um meine geneigten LeserInnen an Letzterem teilhaben zu lassen, kommen hier mal ein paar Bilder vom Wikingerfest im Historischen Freilichtmuseum Eindhoven. Da war eine Frau, die Sprang vorführte. Selten genug, aber bis jetzt habe ich das nur in Form einfarbiger zarter Netze, fast wie Spitzen, gesehen. Das hier war anders, sehr groß, sehr dick, sehr bunt:

Hinten sieht man einen großen Sprang-Rahmen, im Vordergrund ein nach meiner Schätzung etwa 5 Meter langes dünnes Bündel, das einmal ein festes Sprang-Band werden soll. Hier die Künstlerin bei der Arbeit:

Dabei musste sie immer vom einen Ende des Bandes zum anderen laufen – und natürlich, wie immer bei Sprang, ja nicht zur falschen Zeit loslassen….
Sie arbeitet übrigens bei einem anderen niederländischen Museum, das eine Moorleiche (deutlich älter als Wikingerzeit, so 300 n. Chr.) zeigt, bei der ein solches dichtgewebtes Sprang-Band gefunden wurde. Vielleicht fällt mir auch wieder ein, wie das Museum heißt.

Und wer noch nicht weiß, was Sprang ist, hier und hier gibt es Informationen (englisch).

Nachtrag

Hier noch die versprochene Information: Die Moorleiche, die mit einem Sprang-Gürtel erwürgt wurde, heißt „Das Mädchen von Yde“ und wird normalerweise ausgestellt im Drents Museum Assen (Achtung, die Seite ist nicht barrierefrei und plugin-verseucht). Zur Zeit ist sie aber verreist: es läuft eine Wanderausstellung mit Namen „The Mysterious Bog People“, so weit ich etwas gefunden habe, wohl in den USA und Kanada, und das Mädchen von Yde kommt erst 2007 wieder nach Hause.

In letzter Zeit habe ich auch einiges über Moorleichen gelesen, vielleicht dazu später mal mehr (Im Winter? *irrekicher*).

Slawen – Darstellung und Recherche

Ich habe am Anfang dieses Blogs, nämlich hier und hier, schon mal beschrieben, wie ich überhaupt auf die Idee mit dem Reenacten gekommen bin und was für Kriterien bei der Entscheidung, wen ich denn nun darstellen wollte, eine Rolle spielten.
[Bei dieser Gelegenheit ist mir übrigens auch aufgefallen, dass ich meinen zweiten Bloggeburtstag verpennt habe. Aber sonst hats ja auch keiner gemerkt. Seufz.]

Mehr habe ich dann zu diesem Thema eigentlich nicht mehr geschrieben, obwohl es spannend ist. Aber viele Motive und Entscheidungen macht man sich ja selber nicht so ganz klar, und einiges ergibt sich auch einfach so.

Das Resultat meiner anfänglichen Überlegungen war jedenfalls, dass ich nun schon seit etwas über zwei Jahren eine Wikingerin darstelle. Die Darstellung von Wikingerinnen hat viele Vorzüge:

  • es gibt – im Vergleich zu anderen Zeiten, Regionen und Gruppen – sehr viele und gut dokumentierte Funde,
  • diese Funde geben ein gutes Bild über das Aussehen zumindest von wohlhabenden Wikingerinnen, so dass die Gestaltung „typischer“ Gewandung relativ einfach ist (Schürze, Broschen etc.),
  • außerdem haben diese Funde auch den Vorteil, dass man viel über Handwerk der Wikingerzeit weiß, so dass es relativ einfach ist, etwas zu finden, was man vorführen bzw. herstellen kann (z. B. Brettchenweben).

Diese Vorteile leuchten allerdings vielen anderen Leuten auch ein und führen dann dazu, dass in Deutschland inzwischen vermutlich mehr Wikinger-Reenactors und -actresses herumlaufen als sich jemals „echte“ Wikinger gleichzeitig auf dem entsprechenden Gebiet aufgehalten haben…

Relativ früh in meiner „Karriere“, nämlich im August 2003 schon, war ich in Wolin und las über die Hafenstadt Wolin im Frühmittelalter. Ich fand die Berichte faszinierend von einer Stadt, in der Slawen, Wikinger und Franken, Heiden und Christen friedlich zusammen wohnten und Handel trieben (zumindest haben das die zeitgenössischen arabischen Reiseschriftsteller behauptet), und außerdem lag Wolin geographisch und gefühlsmäßig näher als z. B. Birka oder Haithabu.

Mein Entschluss stand also fest: Ich stelle eine Frau aus Wolin im 10. Jahrhundert dar!

Wikingerklamotte ist da erst mal in Ordnung, denn in Wolin hat man nciht nur fleißig Handel z. B. mit Birka getrieben, sondern dort haben auch Wikinger gelebt. Also die üblichen Wikingerkleider und -schürzen angefertigt und den Schmuck auch wikingerzeitlich ausgesucht. Meine Schmuckstücke sind Repliken im Jellinge- und Borrestil, wie sie im 10. Jahrhundert von Wikingerinnen im Ostseeraum getragen wurden. Passt.

Dazu habe ich mir aber auch schon recht bald und dann immer wieder Schmuckrepliken aus dem slawischen Raum zugelegt. Am wichtigsten natürlich die Lunula-Anhänger, die typisch slawisch sind und denen ich meinen Blognamen verdanke (siehe das Bildchen in der Titelzeile dieses Blogs), dann wunderschöne Glasperlen aus Staraja Ladoga und einige Schläfenringe.

Hm. Aber da kam ich dann ins Grübeln. Kann ich denn so einfach eine Lunula an eine Wikinger-Glasperlenkette hängen? Gab es das, ich meine, eine Slawo-Wikingerin sozusagen?

(Fortsetzung folgt… irgendwann…)

Uiuiui…

morgen gehts los! Ich bin schon ganz aufgeregt, das erste richtige Lager im Jahr! Einen klitzekleinen Markt haben wir ja schon vor drei Wochen besucht, aber da konnten wir nach einigen Stunden wieder heim in die warme Wohnung fahren. Aber jetzt über Ostern wirds ernst: von Karfreitag bis Ostermontag im derzeit recht kühlen Nordostdeutschland… Auf jeden Fall viiiel wollene Sachen einpacken.
Leider ist mein schöner neuer Wollmantel nicht rechtzeitig fertig geworden. Aber vielleicht kann ich ja dran weiternähen, während ich ihn trage? *grübel*
Na, Hauptsache, die Saison fängt wieder an.

Zurück aus Eu (Teil II): Frauenolympiade – Dabei sein ist alles!

Teil I ist hier zu finden.

Es ist gar nicht so einfach, von einem Mittelalterlager zu berichten, auch nicht von einem sehr ereignisreichen. Der „Alltag“ ist eigentlich der Hauptgrund, auf so ein Lager zu fahren, nimmt auch die meiste Zeit in Anspruch, ist aber sehr schwer zu beschreiben, zumindest so, dass die Leser auch was davon haben. Mit Alltag meine ich das Lagerleben, also kochen, essen, mit anderen Darstellern rumalbern, handwerkeln, mit Besuchern reden, Handwerk und Tagwerk vorführen und erklären… Richtg gut zu berichten ist dann doch eher von speziellen Ereignissen.

So berichte ich hier über ein ganz spezielles Event in Eu, von dem sich gut bloggen lässt: Der Frauenolympiade!

Sie bestand in einem Fünfkampf, in dem Mittelalterfrauen die für diesen „Beruf“ notwendigen Fertigkeiten unter Beweis stellen sollten. Ganz ernstgemeint war die Sache nicht, und einige haben das sehr kreativ ausgelebt, dazu später. Zunächst das Feld der Teilnehmerinnen:

Man beachte die tiefverschleierte, hochschwangere Templerin in der Mitte!

Zum ersten Wettbewerb: Ein Apfel musste geschält werden. Dabei kam es darauf an, ein möglichst langes zusammenhängendes Stück Schale zu produzieren.

(also ich ess die immer mit Schale…) Aber schnell zur nächsten Herausforderung: Bratpfannenweitwurf! Hier präsentiert die Spielleiterin das Sportgerät, rechts davon steht die Jury, links die charmante französische Übersetzerin:

Hier die fantastischen siamesischen Zwillinge aus Schweden beim Werfen:

Es gab da noch eine andere Teilnehmerin, die zwar sehr kurz warf, es aber schaffte, dass sich der Pfannenstiel bei der Landung senkrecht in den Boden bohrte :-))

Dritte Disziplin: Wassertragen. Zwei Kugeltöpfe randvoll mit Wasser mussten über eine Strecke bis zum Wehrturm und wieder zurück getragen und dann in einen Eimer entleert werden. Dabei kam es nicht auf Tempo an, sondern darauf, möglichst wenig zu verschütten. Übrigens ganz schön knifflig, das mit dem Umschütten von zwei Töpfen, die man nicht abstellen kann!

Im Hintergrund ist eine Cheerleaderin zu erkennen…
Das Wassertragen hatte etwas Längen, weil aus Gründen der Vergleichbarkeit alle nacheinander mit dem selben Gerät antreten mussten. Aber nach einer gewissen Wartezeit ging es dann zur vierten Disziplin: Es ging darum, einen (angenommenen Ehe-) Mann wüst zu beschimpfen und mit einer eisernen Schöpfkelle zu bewerfen. Der Mann war zum eigenen Schutz schwer gerüstet. Punkte gab es für Treffer mit der Kelle und fürs Beeindrucken des Ritters. Hier eine Kelle im Flug:

Letzte Disziplin: Kampftrinken! Auf Kommando musste möglichst schnell ein Becher Mede geleert werden. Für die Bemitleidenswerten, die Mede (lecker!) noch nicht kennen: Ein Vorprodukt von Met, so ähnlich wie Federweißer bei Wein, nur halt mit Honig – hat wenig Alkohol und moussiert etwas – was natürlich das schnelle Runterkippen erschwert. Ausgesehen hat das dann so:

Danach erfolgte dann die Auswertung der mit Punkten markierten Kerbhölzer. Gewonnen hat übrigens eine Wikingerin (ich nicht).
Hier noch eine kurze Aufzählung der absolut sehenswerten heiteren und bedauerlichen Showeinlagen (einige davon könnt Ihr hier bewundern):
Die Woll-Cheerleaing-Girls. Die siamesischen Zwillinge. Die überraschende Niederkunft der großen Templerin mitten in der Olympiade (und die überraschende Klärung der Vaterschaft). Die Anrufung der Jury wg. Zweifel am Geschlecht der beiden verschleierten Teilnehmerinnen und der folgende Geschlechts-Test. Der brave Knappe, der dem arg bedrängten Ritter zu Hilfe eilte, was fast zu Blutvergießen geführt hätte…

Alles in allem ein Riesenspäß. Bin nächstes Mal hoffentlich wieder dabei (auch wenn ich eine miserable Werferin bin.. ich muss bis dahin noch üben…)

Umfrage für Reenactors, Reenactresses und ihre FreundInnen

Die Uni Saarbrücken hat das ehrgeizige Projekt einer wissenschaftlichen Untersuchung über erlebbare Geschichte gestartet. An der Online-Umfrage dürfen (sollen) alle Leute teilnehmen, die der Szene im weitesten Sinne angehören, von LARP bis Museumsleute, sowie auch reine „Konsumenten“ dieser Veranstaltungen.

Ich habe teilgenommen und fände es gut, wenn viele teilnehmen würden, die Interesse an historisch anspruchsvoller Darstellung äußern – dann hätten wir mal eine einigermaßen empirische Grundlage dafür, dass nicht alle Leute nur mit Ypsilonen angeredet werden wollen…. 😉

Hier ist der Link zur Online-Umfrage (Java einschalten)

Tannenberg 2005 – Matsch fun!

Also, erst mal für Nicht-Eingewei(c)hte:
Die Burg Tannenberg gehört zur Gemeinde Nentershausen und liegt in der Gegend von Bad Hersfeld (Hessen). Hat mit der Schlacht von Tannenberg nix zu tun, die war woanders.
Traditionell (dieses Jahr zum zehnten Mal) findet am Wochenende um dem 3. Oktober dort ein Mittelalterlager statt, das nur an einem Tag für Publikum geöffnet ist, an den anderen Tagen ist „Familientreffen“…
Oben auf dem Berg ist eine Burg(ruine), die u. a. von den Einnahmen solcher Veranstaltungen liebevoll renoviert wird. Der Berg selber ist steil und bewaldet. Unterhalb gibt es eine Senke mit einer großen Wiese. Dort stehen dann die ganzen Lagerzelte. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, in der Burg und in nahegelegenen Ferienbungalows (unsportlich!) zu übernachten.

Tannenberg ist toll. Wie anders wäre zu erklären, dass dort immer so viele Leute hingehen, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass es regnet und kalt ist, um die Jahreszeit und in der Gegend nahe bei 100% liegt und der Boden aus rotbraunem Lehm besteht, der sich bei solchem Wetter rasch in eine Schlammwüste verwandelt und Kleidung und Zelte mit nicht auswaschbaren rotbraunen Rändern (bekannt als Tannenberger Schlammborte) ziert.

Und, wie war es diesmal?

Großartig war es. Es entsprach in allem der Tradition: Nette Leute, freundliche Orga, weicher Bodenbelag…

Aber der Reihe nach. Wir reisten Donnerstag nachmittag an, es war wechselnd wolkig mit sonnigen Abschnitten, fing aber sofort zu regnen an, als wir abgeladen hatten und Borre den Knörr wegfuhr (da der Platz begrenzt ist, müssen Fahrzeuge immer sofort nach dem Abladen wieder weg). Leider hatte man bis kurz vor unserer Ankunft die Wiese offenbar noch genutzt. Bevor es ans Aufbauen ging, musste nämlich noch eine erkleck(er)liche Anzahl von Kuhfladen weggeschippt werden (Loch buddeln, Kuhfladen rein, zuschippen, festtreten). Es waren seeehr viele Kuhfladen. Dank an die Kölner, die uns noch einen zusätzlichen Spaten liehen!
Der Freitag war dann sehr nett und gemütlich, tolles Wetter, es schien sogar zeitweise die Sonne. Nach und nach füllte sich der Platz, und auch die Letzten unseres Lagers trudelten ein und bauten auf.
Von Freitag Nacht bis Samstag Nacht regnete es dann allerdings ohn‘ Unterlass. Die traditionelle Schlammwüste fand also wieder statt, und auch das bald verteilte Stroh konnte nur bedingt helfen.
Das war aber nicht soo schlimm, immerhin hatten wir jede Menge Regendach, unter dem es sich gemütlich sitzen ließ.

Für Samstag um 14 Uhr hatte ich ein Treffen zum Nadelbinden angekündigt (an der Vogtei aka Grillhütte), und tatsächlich kamen trotz des Sauwetters zwei motivierte Menschen, die es lernen wollten. Nochmal dickes Lob an Melanie und Nesti!

Sonntag (der Publikumstag) und Montag war das Wetter dann wieder regenfrei. Allerdings hatte der Boden bereits so gelitten, dass leider nicht allzu viel Publikum kam. Schade.
Nun ja, alles in allem war es ein sehr gelungenes Tannenberg, vor allem dank der reizenden Gesellschaft, in der wir uns befanden. Und es wird noch nicht einmal das letzte Event dieses Jahr gewesen sein (dazu vielleicht bald mehr).

Zurück aus Eu (Teil I)

Tja, was soll ich sagen? Spitze wars. Schade, dass das Mobloggen nicht geklappt hat. War wohl der französische Provider nicht in der Lage.
Borre hat hier ja schon einiges erzählt – und wird sicher noch mehr erzählen. Und einige andere Leute haben auch schon Bilder ins Netz gestellt.

Deshalb sehe ich hier meine Blogistinnenpflicht darin, einen Teil vorzuziehen, den ich eigentlich erst bringen wollte, nachdem ich ganz viel von den vielen schönen Dingen erzählt hätte, die wir den ganzen Tag (von 11:30 bis 20 bzw. an Wochenenden 22 Uhr!) getan und den Besuchern vorgeführt haben, mit viel Liebe zum (authentischen) Detail…

Aber nun hat Polle eine tolle Bildergalerie ins Netz gestellt, und ich muss unbedingt drauf verlinken, weil sie so klasse ist und weil Polle zum Glück zwei gesellschaftliche Ereignisse „covert“, die ich nicht bzw. schlecht dokumentiert habe.

Die Galerie beginnt mit der Parade der Darsteller durch die Stadt Eu, in deren Verlauf an verschiedenen Stellen für Zeremonien angehalten wurde, insbesondere um die Verleihung des Herzogtums der Normandie an den Wikinger Rollo im Jahre 911 nachzuspielen (die Details zu Rollo überlass ich aber gern Borre, wennn er mag.) Danach kommen einige stimmungsvolle Bilder vom Lager.
Und dann… tja, es ist mir etwas peinlich, und die Leserinnen, denen immer die unauthentischen Details im Hintergrund auffallen, werden mal wieder … aber es muss sein *zusammenreiß*.

Also. Etwa in der Mitte der Veranstaltung gab man (nach Feierabend sozusagen) einen großen Grillabend für alle Darsteller, Mitwirkende und HelferInnen – und um die netten Leute von Eu zu überraschen, war auf Reenactorseite das Motto „Herr der Ringe“ ausgegeben worden.

Tja. Da hatten wir nun den Salat. Viele seehr ernsthafte Reenactors können ja noch den Staub von ihrer LARP-Kiste klopfen und die Elfenohren oder Ork-Keulen rausholen, aber was macht eine arme kleine ReEnActress, die ganz ohne Umwege zum authentischen Mittelalter gekommen ist? Schon lustig, da kämpft man jahrelang gegen das Vorurteil, Mittelalter und Fantasy seien irgendwie das gleiche und nun das… *gespielteverzweiflung*

Okay, ich hab mich dann als Hobbitin (Hobbiteuse?) verkleidet (unzureichend, da authentische Hobbitfüße nicht mehr aufzutreiben waren), aber das tut hier nichts zur Sache. Schaut Euch lieber mal an, was die anderen sich für tolle Sachen haben einfallen lassen, z. B. die Zwergin mit dem coolen BH oder die Ents (und es gibt DOCH Entfrauen!) oder die gruseligen Ringgeister. Es gab auch ganz Originelle, die gingen als Finger mit Ring, und besonders gefallen haben mir die beiden Königsstatuen vom Großen Fluss.
Der Abend kannte noch andere Freuden, die im Leben von Reenactors und im Zeitalter des Dosenpfands eher selten sind: genüssliches Getränkedosenzermatschen! Besonders effektvoll mit Holzschuh… (hallo Maddy!)

Also, denkt bitte nicht, dass wir die ganze Zeit so ausgesehen haben, aber lehnt Euch zurück und genießt die Show.

Noch ein Schmankerl zum Schluss für Freunde mittelalterlicher Kunst: Auf der genannten Galerieseite ist auch die Kathedrale von Amiens zu bewundern. Die Statuen und Mauern werden derzeit nachts angestrahlt, und zwar in genau den bunten Farben, die man in Resten der Bemalung daran gefunden hat. Ich war nicht dabei, aber sieht schon beeindruckend aus.

(Und keine Sorge, von mir kommen auch noch Bilder…)

Öh!

Juhu, die Anmeldebestätigung für Eu ist da! Normandie, wir kommen!
Naja, ganz so schnell geht es nicht, wir fahren am 10. August. Aber ich weiß schon, dass die Zeit schnell vergehen wird. Bei all dem, was ich bis dahin noch fertig kriegen wollte *stöhn*.