Bilder im Kopf

Wenn man ein Buch liest, hat man eine bestimmte Vorstellung, wie das Beschriebene ausgesehen hat. Optische Eindrücke von außen scheinen aber stärker als die eigenen Bilder zu sein. Seit der Jackson-Verfilmung vom Herrn der Ringe sind die Bilder dieses Films in den Köpfen der Tolkien-Leser und prägen die Vorstellung auch vom Buch.
Und das funktioniert bei guten wie bei schlechten Bebilderungen.

Ein Teil dessen, was die, nennen wir sie belegorientierte Fraktion der Markt-Fraktion immer vorwirft, ist, dass sie beim Besucher ein falsches Bild „so war es im Mittelalter“ nicht nur nebenbei, sondern teilweise bewusst und gewollt erzeugen.

Aber auch für die belegorientierte Fraktion ist das mit den Bildern im Kopf ein Problem.
Wenn ich mich z. B. mit einer Wikinger-Hängerock-Klamotte in ein Museum stelle, erkläre ich Besuchern sehr gern, auf welcher Basis dieses Kleidungsstück entstanden ist: dass man die Form aus einigen kleinen Fragmenten und einigen sehr schematischen Abbildungen rekonstruiert und dass es nur eine von mehreren möglichen Versionen ist.
Aber ich denke, selbst wenn der Besucher aufmerksam zuhört, wird das Bild stärker sein als die Erklärung, und die Vorstellung „so sah eine wikingerin aus“ in seinem Kopf hängen bleiben.

Eine Lösung dieses Dilemmas? Habe ich auch nicht, und ich denke, es ist keine Antwort, auf Rekonstruktionen komplett zu verzichten oder andererseits sich irgendwas zusammenzubasteln nach dem Motto „man weiß es ja eh nicht genau, also kann ich machen, was ich will“…. Auf jeden Fall lohnt es, mal über die Problematik nachzudenken…

3 Gedanken zu „Bilder im Kopf“

  1. Geschichte ist immer unscharf Der erste Kontakt mit Geschichte in der Schule suggeriert oft noch es handele sich um „Fakten“ – später stellt sich heraus, dass es doch immer nur die herrschende Lehrmeinung ist, die mehr oder weniger belegt ist mit mehr oder weniger vertrauenswürdigen Quellen.

    Gestört hat mich an der Schul-Geschichte aber auch, dass ich wenig über das „normale“ Leben jenseits der großen Politik und Schlachten gelernt habe. Hier setzt die Darstellung einen wichtigen Kontrapunkt. Die Genauigkeit und Belegbarkeit der Darstellung tritt für mich deshalb ein wenig in den Hintergrund. Hängen bleibt eher, dass Menschen aller Epochen nicht nur geniale Erfinder waren, sondern immer auch das Design ihrer Alltags- und Kultgegenstände im Auge hatten.

  2. Ich denke mal, das Problem ist einfach, dass Mode zu keiner Zeit Uniform war – aus einem Teil-Fundstück das Kleidungsstück abzuleiten ist schon relativ „abenteuerlich“, daraus die Mode für eine ganze Stadt oder Zeitepoche abzuleiten – kein Kommentar. Ich stelle mir gerade vor, man leitet von Elvis oder Kiss im Bühnenkostüm die Mode des 20. Jahrhunderts ab…

    Herzliche Grüße Maike (die gerade daran arbeitet, ihre Marktkleidung etwas authentischer zu gestalten, ohne dabei zu übertreiben – Handspindel ist ja okay, aber entweder wohnt ein Webstuhl in meiner Wohnung oder ich 😉 )

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