Kopfputz und Haartracht, Teil I

Dieses Thema trage ich schon länger mit mr herum und plante auch schon länger, darüber zu bloggen: Was trug die Wikingerin des 10 Jahrhunderts auf dem Kopf? Nun, auch inspiriert von Borres Hörnerhelm-Artikel, fang ich einfach mal an.

Auf Märkten sieht man viele Frauen, die ihr Haar einfach offen tragen, und viele Frauen, die Kopftuch tragen. Kopftuch?

Kapitel 1: Vom Nutzen der Kopfbedeckung

Zunächst einmal muss festgehalten werden: Kopfbedeckungen – also Kopftücher, Hüte, Hauben, Kappen und Mützen – sind praktisch. Sie wurden und werden zu allen Zeiten und an allen Orten getragen, zum Schutz gegen Regen, Kälte, Sonnenstich und Schmutz (und Hiebe, soweit es um Helme geht, die lassen wir jetzt aber bei den Frauen erst mal außen vor). Gerade bei den üblichen Arbeiten einer Haus- und Hof-Frau (also Hausarbeit, Handwerk, Ackerbau, Viehhaltung) empfiehlt es sich oft, die Haare einzupacken, damit z. B. keine Haare ins Essen fallen und andererseits die Haare nicht schmutzig werden, z. B. beim Kuhmelken.

In meiner Kindheit war eine Frau mit Kopftuch nicht mit „Muslima“ assoziiert (so was gabs bei uns in der Provinz damals noch nicht), sondern mit „Bäuerin“ und „Putzfrau“ – was oft gleichbedeutend war, denn die Nebenerwerbslandwirtfrauen im Umland meiner Heimatstadt melkten morgens die Kühe und sammelten die Eier ein, um danach in Stadthaushalte putzen zu gehen, und die Stadtfrauen kauften ihnen dann gleich die Eier ab.

Was lernen wir daraus für die heidnische Wikingerin um 950? Nicht viel. Ein in der heute üblichen Weise (unter dem Kinn oder im Nacken) geknotetes Kopftuch ist archäologisch und in alten Quellen meines Wissens nicht nachgewiesen. Ich halte es aber für so wahrscheinlich, dass ich das Tragen von Kopftüchern nicht als schlimmen Anachronismus in Borres Sinn ansehen würde.

7 Gedanken zu „Kopfputz und Haartracht, Teil I“

  1. Melkten? Oder muss es „molken“ heißen? Ach, wir Stadtkinder wissen mal wieder nicht Bescheid. Unsere damalige Putzfrau hätte ich allerdings auch nicht fragen können, die hätte in breiten Schwäbisch „g’melkt“ gesagt. Bestimmt.

    1. Entgegen meinem Sprachempfinden: Melkten ist die perfekte Variante, molken ist veraltet, aber ebenfalls möglich.

      Zu den Tüchern: Was hat es eigentlich mit dem Gerücht auf sich, dass verheiratete Frauen ein Kopftuch trugen? Und wenn keine Kopfbedeckung: War es … ich sag mal … Pflicht, die Haare bspw. zu flechten, oder konnte man die auch offen tragen?

    2. Ob etwas Pflicht war … oder… @Lunula: Tschuldigung, ein Anfall von Bloggorhoe. Etwas länglich, mein Kommentar. Eigentlich eher Dein Auftritt.

      @DantesMuse:
      Man weiss einfach zu wenig, um eine so gestellte Frage nach Sitte und Kultur zu beantworten, zumal es zeitgenössische Literatur der Skandinavier, wenn man pingelig ist, nicht gibt. Die Sagas etc. sind ja meist 200-300 Jahre nach der Wikingerzeit entstanden. Außerdem, was ich mir selber öfters klar machen muss, erstreckt sich die „Wikingerzeit“ über 250 Jahre und halb Europa. Es hat lokale Sitten und Gebräuche gegeben. Eine Bewohnerin Birkas von 850 sah anders aus als eine Frau aus Haithabu um 1000.

      Die Sache mit den verheirateten Frauen dürfte wohl eher eine Extrapolation aus dem hohen oder späten Mittelalter sein. Unter der Voraussetzung, dass die Kopftücher unbelegt sind, macht eine diesbezügliche Aussage zu verheirateten Frauen keinen Sinn.

      Hier aber noch ein Link zu zeitgenössischen Frauendarstellungen (hmm, die Guldgubber sind aber wohl aus der Vendel-Zeit..). Dass komplizierte Haartrachten existierten, kann man erkennen. Einige Darstellungen sind freilich so sehr stilisiert, dass man auch Kopftücher reininterpretieren könnte *sigh*. Und, ehrlich gesagt, es fällt mir schwer, diese Darstellungen mit den Wikingerinnen des Jahres 2005 in Verbindung zu bringen. Immerhin, hier gibt es mal die Rekonstruktion eines stark gefältelten Untergewands (Klicken auf „Rynkveckad särk“).

    3. Menno…. …das wollte ich doch alles in Teil 2 bis x bloggen! Na, wer solche qualifizierten Kommentatoren hat, braucht ja selber nix mehr zu schreiben… ;ö)
      aber ich glaub, für Teil 2 fällt mir trotzdem noch was ein.

  2. Ich bin mir sicher… das dir, liebe Lunula, auch weiterhin und ohne akuten Anfall von Bloggorhoe immer wieder was einfallen wird, womit du die geneigte Leserschaft erfreuen wirst… Mach einfach weiter wie bisher:-) Die Kommentare sind neckisch;-)

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