Nadelbinden – wie es weiterging (also Teil 2)

Von der Mütze zum Kaffeewärmer

Nun hatte ich bei einer netten Frau auf einem Ökomarkt Wolle erworben, die handgesponnen, handgezwirnt und mit Birkenblättern wunderbar handgefärbt war (ein schönes Goldgelb). Dann mit großer Begeisterung eine Mütze genadelbindet, die Borre zum Geburtstag kriegen sollte.

Und natürlich habe ich sie brav ein bisschen zu groß gemacht, das steht nämlich in allen Anleitungen. Nadelbindesachen sollten immer gefilzt werden, das macht sie wetterbeständiger, formbeständiger und gleichmäßiger. Und dabei gehen sie noch ein wenig ein. So weit die Theorie.

Die Praxis sieht so aus. Man beachte vor allem die schöne Form, am unteren Ende wird es etwas gerader, damit die Mütze sich schön um den Kopf schmiegt:

Nach dem Filzen war die Mütze leider eher größer geworden als kleiner, und was noch schlimmer ist, sie hat einiges an Form verloren und läuft jetzt nach unten weit aus, so dass sie um den Kopf rum nicht mehr anliegt.

Lasst Euch bei Gelegenheit mal von Borre erklären, was ein tea cosy ist. Seufz.

Nachtrag: Die nette Frau vom Ökomarkt meinte, es könne daran liegen, dass die Wolle bereits beim Färben mal in (fast) kochendem Wasser gelegen habe und deshalb nicht mehr einläuft. Aber warum hat sich das Ding nur so verformt???

(to be continued)

10 Gedanken zu „Nadelbinden – wie es weiterging (also Teil 2)“

  1. tea cosy Also ein „tea cosy“ ist bestes britisches Englisch und heißt „Teekannenwärmer“.

    Es gibt auch einen wikingischen Schwertknauftyp, der tea cosy heißt, ganz ähnlich ist und z.B. bei Paul Binns zu haben ist
    Die unausgeleierte Mütze ist also die deutlich mehr „tea cosy“ige.
    Voll ab geht es natürlich bei Cofi-Cosi (natürlich down under), dem verschärften tea cosy shopper.

    1. Kaffeewärmer Ich meinte mit dem Bezug zum Kaffeewärmer hauptsächlich die Größe und Unförmigkeit, weniger die Form. Du hast natürlich recht: ein richtiger Tee- oder Kaffeewärmer läuft nach unten gerade aus, wie auch die schönen Bilder aus Australien beweisen.
      Das Modell der wärmenden Manschette um die Kanne war mir dagegen noch nicht bekannt. Könnte man sicher auch mit Nadelbindung herstellen.

  2. Zugband? Ob man wohl ein geflochtenes Zugband durch den ‚Saum‘ ziehen kann? So wie diese Bänder die Fäustlinge verbinden…durch die Ärmel gezogen…weisst was ich meine?:)
    Und dann unterm Kinn zusammenbinden…mit ner Schleife!

    1. kleinkinderhandschuhfestbinder @zucker: klar kenne ich die dinger, habe sie als kleinkind selber getragen und als großkind für verwandte kleinkinder sogar hergestellt.
      vielleicht könnte man tatsächlich unsichtbar ein engeres stoffband reinnähen oder so. das durchziehen einer kordel lehne ich in diesem fall eher ab, da das resultat vermutlich aussähe wie eine umhäkelte klorolle. ;o))

    1. Fischernetze …gibt es meines Wissens schon seit der Jungsteinzeit. Habe aber gerade keine verlässliche Quelle zur Hand. Alternativ gab es Reusen aus geflochtenen Körben.
      Nadelbindung hat aber mit Fischernetzen gar nichts zu tun. Der erwünschte Effekt beim Nadelbinden ist wie z. B. auch beim Köper-Weben (kuck Dir mal Deine Jeans an), Stricken und Häkeln, dass das Endprodukt (statistisch) überall eine Dicke von mehr als einem Faden hat, so dass ein möglichst dichtes Textil entsteht. Das will man bei Fischernetzen gerade nicht.
      Aus der Wikingerzeit sind mehrere verschiedene Knüpf- und Flechttechniken für Fischernetze, aber auch für andere Gebrauchsgegenstände (z. B. Taschen) überliefert. Die Literatur hierzu ist aber eher spärlich, und es gibt kaum Reenactresses, die sich damit beschäftigen. Mach ich vielleicht später mal – jetzt ist erst mal Nadelbinden, Nähen und Filzen (seufz, dazu bald mehr) angesagt.

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