Die Geschichte vom Keller voller ASBACH.

Mein Vater war der Herr Doktor gewesen. So ein richtiger Doktor mit Praxis und Herzkrankheiten und Diabetes und ganz vielen alten Damen und Herren. Als Dank und aus Respekt und weil es sich gehörte, bekam er an Weihnachten ordentlich was geschenkt. Z.B. zu groß geratenen griechischen Nippes von Herrn Polipatellis, der aber immer in Ehren gehalten wurde. Ältere Damen mit schmalerer Rente schenkten in der Regel edle Deutsche Spätlese für 1 DM pro Flasche. Allerallerhöchstens, wenn man die Inflation einbezieht. Obwohl diese Flaschen nur sehr selten getrunken wurden, bin ich erst seit Kurzem wieder in der Lage, Deutschen Weißwein zu trinken. Die Vorstellung lässt immer noch die Haare zu Berge stehen.

In den nächsten Jahrzehnten vernichtete mein Vater das riesige Spätleselager im Keller Stück für Stück bzw. Flasche für Flasche. In der Toilette. Gegen Ende seines Lebens vermutete er, dass auch der typische Sherry-Goût von Tokajer und Söhnlein Brillant nicht im Sinne des Erfinders gewesen sei….

Als Vater mit über 90 nach einem unklaren „neurologischen Syndrom“ schlau und ganz freiwllig beschlossen hatte, mir von der großen Stadt in das kleine Städtchen zu folgen, blieb ein riesiges leeres Haus übrig. Leer? Ha! Randvoll mit Dingen! Der Keller gut gefüllt mit Fusel, denn nur der Wein hatte bisher als Kanalrattenkiller gedient. Das Lustigste war noch die Plastikflasche „Two Years Old“ Whisky – 25 Jahre gelagert. Freunde namen ihn lachend mit, erzählten aber später nie davon. Das Haus war nur noch etwas für Doityourselfler – der neue Besitzer kaufte es mit Inhalt, da er gerne die verbliebenen Möbel haben wollte. Ich veranstaltete daher zum Abschluss eine Mitnehmparty – jeder konnte sich aus dem Haus mitnehmen was er wollte, außer es klebte ein roter Zettel dran. Der Keller wurde intensiv begutachtet. Etwas reichere Patienten hatten lieber Hochprozentiges geschenkt. Sünner Korn war beliebt gewesen – besonders aber ASBACH.

GANZ VIELE FLASCHEN ASBACH.

Ich meine, wer säuft sein dem Jahr 2000 noch Asbach? 25 Jahre nach Praxisaufgabe war er außerdem nicht besser geworden. Weit gefehlt! Ein Pärchen auf der Mitnehmparty war tief in die Schützenbröderschaft involviert. ER war als diesjähriger Schützenkönig vorgesehen oder war es schon. Jedenfalls muss der Schützenkönig die Schützenkönigparty organisieren, was insbesondere heißt, den Sprit für alle zu bezahlen. Und dann ein ganzes Lager voller 25-Jahre altem Original ASBACH. Umsonst! Helle Begeisterung! Gefühlt hing ihr Kofferraum 20 cm tiefer, als sie fuhren.

Human Spezl wurde erzählt, dass der ASBACH bei den Schützenbrödern gut angekommen sei. Allein, ich glaube es nicht. Eher hat SARS-CoV-2 oder der Zombievirus dort seinen Ausgang genommen.

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