Abt. Ideologie. Das musste schon lange mal raus.

Ich sehe die heutige umgangssprachliche (!) Verwendung von „Ideologie“ besonders als Kampfbegriff zur Denunziation des Politischen einerseits (diese Denunziation ist charakteristisch für rechtspopulistische Kontexte) und/oder andererseits als Begriff zur naiven oder absichtlichen Verschleierung des eigenen handlungsbegründenden Wertesystems, das insofern als „natürlich“ empfunden oder hingestellt wird; z.B. die tief internalisierte neoliberale Anschauung, dass eine auszuweitende marktwirtschaftliche Selbststeuerung notwendige Voraussetzung von Demokratie und Effizienz ist und der Staat daher zurückzudrängen ist.
Habermas sagt bzgl. der Sicht auf „Technik und Wissenschaft als Ideologie“ (Frankfurt, 1968; folgendes Zitat aus Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 3, Artikel „Ideologie“, S. 165f): „Technik und Wissenschaft entstehen und rechtfertigen sich aus der Kritik an traditionellen Herrschaftslegitimationen, sind also insofern ‚weniger ideologisch‘ als alle vorangegangenen Ideologien, andererseits aber unwiderstehlicher und weitreichender als diese, weil sie mit der Eliminierung praktisch-politischer Fragen das emanzipatorische Gestaltungsinteresse als solches treffen und eine allgemeine Entpolitisierung herbeizuführen drohen“.
Wieder etwas runtergezogen ist „Ideologie“ als umgangssprachliches Wort ziemlich leer (auch daher ein nützlicher Kampfbegriff), was auch daher kommt, dass die Bedeutungen historisch wie aktuell sehr divergieren. O.g. Artikel zum Begriff ist lesbar, spannend und hat auch nur 39 Seiten. 🙂