Nyksund

Nyksund war ein Fischerstädtchen an der Nordwestspitze von Västeralen. Wie alte Photos zeigen: Ein betriebiger Ort noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, wurde Nyksund im Rahmen kommunaler Zusammenlegungen Anfang der siebziger Jahre aufgegeben – der Hafen war wohl auch zu klein geworden für modernere Schiffe. Der Ort verfiel, Photos aus dieser Zeit zeigen verfallende, langsam schief stehende Gebäude. Eine Geisterstadt. Nur der alte Schmied habe sich angeblich geweigert, Nyksund zu verlassen.

Anfang der achziger Jahre besuchte Karl-Heinz Nickel auf einer Lofotenrundreise den Ort. Karl-Heinz Nickel war ein deutscher Sozialpädagoge, erlag dem verfallenden Ort und entwickelte mit der QuaBS und der Uni Berlin das Projekt Nyksund. Im Rahmen von erlebnispädagogischen Maßnahmen haben hunderte von Jugendlichen daran mitgewirkt, Nyksund wieder aufzubauen.

Das Projekt Nyksund bzw. QaBS wurde 1988 der erste Träger des Europäischen Umweltpreises „Kulturelles Erbe“, den Karl-Heinz Nickel entgegenahm. Die StudentInnenschaft an der Math.-Nat. Fakultät der Uni Köln veranstaltete damals eine Ringvorläsung zu verschiedenen Themen neuer sozialer Bewegungen. Wir luden Karl-Heinz Nickel ein, über das Projekt zu berichten. Sein Vortrag war leider schlecht besucht – schade, denn er war sehr interessant und Karl-Heinz Nickel konnte den Funken seiner Begeisterung überspringen lassen. Wir, die wir als Teil der stundentischen Organisation die Ringvorläsung organisiert hatten, sind heute verstreut und z.T. schon tot. Damals träumten wir alle (ein wenig?) den Traum, eines Tages Nyksund zu besuchen. Ich weiß nicht, ob irgend jemand tatsächlich dort war. Udo nicht und der ist nicht mehr. Klaus vielleicht. Am ehesten Klaus, der so ernsthaft war. Ich habe oft an Nyksund gedacht.

Und jetzt war ich doch auf den Lofoten. Wir sind also nach Nyksund gefahren. Als ganz normale Besucher mit Mietwagen. Einige gemütliche schöne Stunden. So hat sich das Hobby „Living History“, das die Idee zu einer Lofotenreise entzündete, mit der alten Geschichte berührt.

Das Projekt Nyksund schlief nach ca. 10 Jahren ein. Karl-Heinz Nickel blieb und half, dass Nyksund nicht wieder verschwand. Er starb 2001 bei einem Erdrutsch.

Heute ist Nyksund ein kleiner Ort am Rande des großen Ozeans, der wohl hauptsächlich vom Tourismus lebt. Es scheint zu gelingen, dass die wiederaufgebauten Hafenhäuser erhalten bleiben und nicht durch hässliche „Fischerhaus-Ferienhäuser“ ersetzt werden. Vielleicht wäre der Preis „Cultural Heritage“ auch heute noch berechtigt.

Es gibt auch ein lohnendes Museum, das vom alten Nyksund bis 1972 berichtet. Von der neuen Geschichte und Karl-Heinz Nickel berichtet es nicht. Diese ist wohl noch zu neu, obwohl auch schon wieder in Gefahr vergessen zu werden.

Essen gehen und gemütlich sein muss man unbedingt in der Holmvik Brygge. Kein Latte-Macciato-Schnullibulli, sondern Bodenständigeres serviert vom Düsseldorfer Wirt, der wunderbar erzählen kann und so freundlich ist.


Übrigens war Nyksund der nördlichste Ort auf unserer Reise auf genau 69 Grad Nord und Konstantin Rotmütze bestimmt der nördlichste Klopfer von allen:

P.S.: Heute bin ich sentimental. Ja. Genau.

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