Zeltbau III: Experimentelle Gegenwart

Ich bin tief davon beeindruckt, wass modernes Werkzeug beim Zeltbau leistet, besonders wenn Lunula und ich gemeinsam am Wikingerzelt arbeiten. Bisher haben sich nützlich erwiesen:

  1. Schwingschleifer
  2. Elektrobohrmaschine
  3. 8 mm Bohrer
  4. 40 mm Boher
  5. Bohrständer
  6. Stichsäge
  7. 130 mm und 110 mm Sägeblätter
  8. Beitel
  9. Handraspel
  10. Raspelvorsatz für den Elektrobohrer
  11. Handfeile

Vieles konnte ich mir leihen und so manches habe ich gekauft……

Bei Ravensgard und auf der Seite von Frojel könnt Ihr über die Originalfunde aus Oseberg und Gokstad nachlesen (in englisch).

Was mir völlig fehlt: „Authentisches“ Werkzeug. Hab ‚ ich nicht und für mein erstes Zelt will ich auch nicht, am Ende dieses Artikels gibt es aber noch ein paar Literaturtips. Experimentelle Archäologie beim Zeltbau scheint mir außerdem wenig originell.

Mit der Stichsäge kann man gut Ecken von Brettern absägen:

Die Löcher für die Seitenstangen bohren sich mit einem 40 mm Bohrer leicht:

Ein Schwingschleifer ist wunderbar beim Rundschleifen und Kanten glätten:

Bei den runden Enden der Längsstangen, die in die 4 cm Löcher der Bretter passen müssen und dann verkeilt werden, haben wir verschiedenes getestet:

Den Beitel,

die Handraspel,

und eine Raspel am Elektrobohrer.

In der Kombination aller drei Werkzeuge geht es wohl am Besten -eine Oberfräse (?) will ich mir dann doch nicht zulegen 🙂

In die Runden Enden der Längsstangen müssen Schlitze für die Keile geschnitten werden. Die beiden Enden der Schlitze haben wir mit einem 8 mm Bohrer vorgebohrt –

den Schlitz dann mit der Stichsäge ausgeschnitten –

und mit der Handfeile nachgearbeitet.

Tips ’n tricks welcome!


Zeltstoff haben wir übrigens bestellt und glücklicherweise haben liebe Bekannte eine Industrienähmaschine…….


Werkzeug aus der Wikingerzeit wurde nicht wenig ausgegraben. Der bekannteste Fund ist wohl die Werkzeugkiste aus Mästermyr, die mit vielen Zeichungen und Abbildungen dokumentiert ist:

Greta Arwidsson and Gösta Berg, The Mästermyr Find, A Viking Age Tool Chest from Gotland, Larson Publishing Company, Stockholm 1999, ISBN 0-9650755-1-6.

Schon alt (Original von 1966), aber wegen der vielen Zeichnungen von Gerätschaften aller Art immer noch begeisternd:

Die Wikinger, 3. Aufl. 1992, Burkhard-Verlag Ernst Heyer, ISBN 3-87117-000-3.

6 Gedanken zu „Zeltbau III: Experimentelle Gegenwart“

  1. Zum Kantenbrechen kannst du statt Schwingschleifer auch einen Flex mit 80er oder 120er Schruppscheibe benutzen, geht fixer und wird nicht so industriell gleichmässig. Die Zapfen mit den Längsschlitzen reissen leicht aus. Du kannst sie vollkommen unauthentisch mit versenkten Schrauben vor und hinter dem Schlitz verstärken. Die Senklöcher kannst du dann nachher mit Kit aus Schleifstaub (vom gleichen Holz) und Leim verdecken, sie fallen dann kaum noch auf. Und großzügig lasieren nicht vergessen! 😉

    1. „Die Zapfen mit den Längsschlitzen reissen leicht aus.“ Verstehe ich recht, Du meinst, dass sich dass Holz des Zapfens (durch den Keil) leicht spaltet, der Schlitz sozusagen „länger“ wird?

      Die Schrauben (pfui 😉 wären dann vor und hinter dem Schlitz und zwar senkrecht zum Keil bzw. Schlitz einzudrehen.

      Eine gute Idee mit der Verstärkung, zumal es doch ein ziemliches Billigholz ist (Fichte). Die wikingerzeitlichen Originale waren wohl nicht umsonst aus Esche bzw. Eiche. Gut ist auch, was meine persönliche Lagererfahrung betrifft, Lärche.

      (Ein weiteres Randthema bei Hartholz wären dann wohl die total überladene Dachepäckträger.)

  2. Wo wir schon dabei sind… …um Tipps und Tricks von erfahrenen ZeltbauerInnen zu bitten:
    Hat jemand einen Hinweis, wo es gutes Holz für Keile zu kaufen gibt? Anforderungen: Massivholz, stabile Sorte (also keine Fichte), ziemlich dünn, so um 10mm (Massivholzplatten und -bretter sind meistens mindestens 20mm dick, alles was dünner ist z. B. für Möbeleinlegeböden ist Preßspan)
    Danke!

    1. Ich weiß nicht, ob dieser Eintrag noch aktuell ist, aber: Schau doch mal beim Parkettleger vorbei.
      Eichenparkett gibt’s ab 8 mm Dicke. Ging bei meinem Zelt ganz gut.

  3. @borre: Sorry für die späte Antwort, aber genau so war’s gemeint! 😉 Die Zapfen „platzen“ leicht auf.

    Für die Keile haben wir neben Fichte auch Kiefer und Buche probiert. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Buchenkeile relativ schnell gebrochen sind und die Kieferteile am besten gehalten haben. Bin mir da jetzt aber selbst grade nicht ganz sicher.. Theoretisch sollte Eiche dafür am besten sein weil kurzfaserig und hart.

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