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Abenteuer Mittelalter

Und wieder ein neuer Versuch einer historischen Doku-Soap, diesmal über das Leben im Jahre 1417. Arte zeigt diese Woche – vom 21. bis 25. November – täglich um 20:15 das Leben auf einer Burg in Thüringen. Infos gibt es hier.

Nachdem ich heute reingeschaut habe, denke ich, man kann das Ganze schon empfehlen. Es wird tatsächlich versucht, ein realistisches Bild zu zeichnen, zum Beispiel hat nicht nur das Gesinde, sondern auch der Herr so seine Pflichten und Mühen, und die Leute reden auch alle kein Blech. Die Sendung ist um Klassen besser als das unsägliche Zeug, das damals in einem Privatsender lief, und meines Erachtens auch besser als z. B. die Olympia-Soap auf Arte im letzten Jahr.

Nun aber auch zu den negativen Aspekten. Ist es lustig, Leute in Situationen zu bringen, in denen sie nur verlieren können, und ihnen dann beim Scheitern zuzusehen? Offenbar ja, jedenfalls besteht ein großer Teil aktueller Fernsehshows aus so was (Marke Frauentausch, versteckte Kamera….). Das hat aber nix mit dem Alltag im Mittelalter zu tun. Warum werden bei so was grundsätzlich Leute gecastet, die zwar motiviert und sympathisch sind, aber z. B. noch nie in ihrem Leben, auch nicht mit moderner Technik, ein Brot gebacken haben? Dass führt dann nur zu peinlichen Situationen. Mit dem realen Leben im Mittelalter hat es rein gar nichts zu tun. Denn die Leute lernten diese Fertigkeiten von klein auf und konnten sie dann auch wieder jüngeren Leuten beibringen.

Für eine realistische Darstellung des Lebens im Mittelalter wäre es sicher nicht schlecht, die Darsteller vorher eine Weile üben zu lassen oder Leute zu casten, die zumindest schon mal Brot gebacken, eine Kuh gemolken, einen Baum gefällt etc. haben. Es wird dann schon schwierig genug, das alles auch mit einfachen Mitteln zu machen.

Ich hoffe, man erhält auch noch die Gelegenheit, die Freude und den Stolz in den Augen der Magd zu sehen, wenn sie es dann schafft, ein gutes Brot zu backen… schließlich wollen wir doch nicht, dass alle glauben, das Leben im Mittelalter wäre nur grauenhaft gewesen, nicht wahr, Frau Muse?

Trotzdem: Es lohnt sich durchaus, die Sendung anzuschauen. Von allen bisherigen Geschichte-Doku-Soaps gefällt mir diese jedenfalls am besten.

Eis am Stiel

Von einem originalgroßen, seetüchtigen Wikingerschiff aus 15 Millionen Eisstielen berichtet Herr Nesges hier. So weit auf dem Foto zu erkennen, ist die schöne geschwungene Wikingerschiffform ganz gut gelungen. Wer wohl das ganze Eis gegessen hat?
Der Eisstiel scheint im Reenactorleben ja eine immer wichtigere Rolle zu spielen. Bisher kannte ich ihn allerdings mehr als Rohstoff für Nadelbindenadeln.

Nichtganzschwarzbrand

Als ich vergangenen Sonntag am späten Vormittag trübe in meinen Rechner starrte (irgendwie müssen beim Zurückbeamen ins 21. Jahrhundert ein paar Energiepartikel verschütt gegangen sein) und meine Mails der letzten drei Wochen las, weckte mich eine Terminmitteilung aus der Nadelbinde-Mailingliste jäh aus meiner Lethargie:
ARCHÄOLOGISCHES FEST DÜPPEL-BISKUPIN
WEGE IN DIE ZUKUNFT
DÜPPEL, BERLIN-ZEHLENDORF
20.-28. AUGUST 2005
IM RAHMEN DES DEUTSCH-POLNISCHES JAHRES 2005/2006

(danke, spinntantchen!)
Da musste ich natürlich hin, und so machte ich mich auf den beschwerlichen Weg nach Düppel, um mir die Polen und ihre Archäologie anzugucken.

Naja, es war der letzte Tag, und in der Nacht vorher war Lange Nacht der Museen gewesen. Ich fand also ziemlich viele, aber sehr müde polnische Reenactors sowie leider kein bisschen Infomaterial mehr über Polen und polnische Archäologie vor. Schade. Aber immerhin hatten sie einige wirklich gute Handwerker-Vorführungen (z. B. einen Seiler) und sehr schöne Schwerzbrand-Keramik, da hab ich dann gleich zugeschlagen.

Hübsch, nicht? War auch sehr günstig.

Der Belastungstest unseres Geschirrs in Eu hat nämlich gezeigt:

  • Geschirr (vor allem Schüsseln und Teller) kann man nie genug haben, irgendwo muss ja der Quark rein 😉
  • Holz ist leicht und unzerbrechlich, hat aber den enormen Nachteil, dass es bei Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen schnell Risse bekommt (also eigentlich immer). Ölen hilft nur begrenzt.
  • Außerdem nimmt Keramik Gerüche (Fisch, Knofi…) nicht so schnell an.

Schwarzbrand, also schwarze Keramik, die es auch in der Wikingerzeit und vor allem bei den Slawen im Frühmittelalter gab, entsteht durch Luftabschluss beim Brennen, entweder in einem Ofen, der nach dem Befüllen abgedichtet wird (wie in Düppel), oder in einer abgedeckten Grube im Boden (so wurden diese Töpfe gebrannt). Wenn der Luftabschluss nicht perfekt ist, wird die Ware leicht fleckig, wie auch hier – mir gefällts aber so.

Eins muss ich aber hier noch zugeben: Die gekauften Stücke sind Nachbildungen der sog. Lausitzer Keramik, die in der Lausitzer Kultur gebräuchlich war, also in einem Gebiet zwischen Elbe und Weichsel in der späten Bronze-/frühen Eisenzeit, etwa zwischen 1.500 und 500 v. Chr. *hüstel*. Die Formen und Muster der beiden Töpfe sind allerdings so „klassisch“, dass sie auch für Wikingerundslawenfrühmittelalter ganz gut passen. Und den Topf mit dem Widderkopf lass ich dann eben zu Hause…

Für alle LeserInnen, die in Ostdeutschland wohnen, hier noch ein Reisetipp: Vom 17. bis 25. September findet im Museumsdorf Biskupin/Polen ein Museumsfest statt (ich selbst hab leider keine Zeit). Das Dorf muss ganz klasse sein und soll von Frankfurt/Oder in zumutbarer Autoentfernung liegen (irgendwo bei Gnesen, ich kenn mcih da leider nicht aus).Wie gesagt, das Dorf ist eine Rekonstruktion aus dem ersten Jahrtausend vor Christus, das hindert die Leute aber nicht daran, das Fest unter das Motto „Wikinger“ zu stellen.
Wir sind überall!

Die Wikinger – lebende Traditionen

Ist doch schön, dass manche Sitten bis heute überlebt haben: Ein Mann braucht ein Schwert

Ein Dreijähriger hat in Norwegen einen Mann niedergestochen. Wie die Zeitung Adresseavisen gestern berichtete, griff sich das Kleinkind bei den Feiern zum Nationalfeiertag den Dolch, den viele Norweger als Teil ihrer Tracht tragen. Offenbar gelangweilt vom Fest, stieß der Dreikäsehoch die Waffe einem Passanten in den Oberschenkel. Der Mini-Täter wurde in Handschellen abgeführt … Nein! Kleiner Scherz. Der Vorfall werde kein juristisches Nachspiel haben, berichtet Adresseavisen.

Quelle: taz.

König Etzel is back!

Hey, es gibt noch Hunnen!

Die Hunnen kommen wieder

BUDAPEST dpa Das ungarische Parlament muss demnächst entscheiden, ob es Nachfahren der Hunnen in Europa gibt. Nachdem 2.381 Ungarn in einer Unterschriftensammlung verlangt haben, dass die hunnische Minderheit mit entsprechenden Rechten anerkannt wird, ist das Parlament nach Angaben des Zentralen Wahlbüros in Budapest nun zu einer Entscheidung verpflichtet, berichtete gestern die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Initiator der Unterschriftensammlung ist Josua Imre Novák, der sich als „Boten“ und Pfarrer der „Heiligen Hunnischen Kirche“ bezeichnet. Novák sagte, es stehe Ungarn als EU-Mitglied schlecht zu Gesicht, eine Minderheit zu unterdrücken. Sollte das Parlament negativ entscheiden, wolle er sich an EU-Gremien wenden. Bei der letzten Volkszählung 2001 hatten sich 620 Ungarn als Hunnen bezeichnet.

taz Nr. 7557 vom 6.1.2005, Seite 5, 29 Zeilen (Agentur)