Archiv der Kategorie: Notizen aus der Provinz

Der Mantel der göttlichen Isis

In seinem Werk Metamorphosen, bekannt auch unter dem Namen Der goldene Esel, der aus der zweiten Hälfte des 2 Jahrhunderts nach Christus stammt, beschreibt der Autor Apuleius eine Vision der Göttin Isis. Sie ist eine ägyptische Göttin, der Kult hatte sich zu dieser Zeit aber schon über das gesamte römische Reich verbreitet.

An der Szene ist vieles interssant – mir geht es hier umdie Textilkunde. Der Autor beschreibt nämlich die Kleidung der Göttin sehr detailliert:

Das Gewand war, vielfarbig schillernd, aus feinem Leinen gewebt, bald in blendender Weiße schimmernd, bald von Safranblüten goldgelb leuchtend, bald in Rosenröte flammend. Und was meinen Blick gar sehr verwirrte, das war der Mantel: tiefschwarz, in dunklem Glanze strahlend, lief er ringsh[]erum und kehrte unter der rechten Achsel zur linken Schulter zurück mit einem buckelförmigen Wulst, während ein Teil des Stoffes in vielfacher Fältelung herabhängend niederfiel. Und am äußersten Saum wogten an ihm zierlich die dekorierten Fransen. Über die angewebte Verbrämung und auf der Fläche des Mantels selbst verstreut funkelten Sterne, und in ihrer Mitte hauchte der Vollmond flammende Feuer. Überalljedoch, wo der Saum des herrlichen Mantels herunterlief, da war in ununterbrochener Folge ein Gewinde aus Blumen aller Art und Früchten aller Art angebracht. […] Die ambrosischen Füße deckten Sandalen, aus den Blättern der Siegespalme geflochten.

(zitiert nach: Apuleius, Metamorphosen / Der goldene Esel, lateinisch und deutsch, von Rudolf Helm, 7. Auflage Berlin 1978)

Sicher ist einiges in der Beschreibung keine Wiedergabe zeitgenössischer Kleidung, sondern Ikonographie. Ich denke, dass dies zum Beispiel bei dem ganz schwarzen Mentel der Fall ist, auf dem Mond und Sterne leuchten. Interessant finde ich aber die Erwähnung von farbigem Leinen beim Untergewand (gelb und rot) sowie die Beschreibung der angewebten Kante und der Fransen beim Mantel.

Ob Göttinnen wohl Mäntel mit verzierten Brettchenborten trugen? 😉

 

Ubierin, Beta-Version

Vergangenes Wochenende – bei den Römer- und Germanentagen im Lippischen Landesmuseum Detmold – hatte ich zum zweiten Mal Gelegenheit, meine neue Darstellung einer Bewohnerin Bonns im 2. Jh. n. Chr. (Ubierin) auszutesten. Der erste Versuch in Xanten war ja leider wegen der Blitzschläge vorzeitig abgebrochen worden.

Im Prinzip sollte es in diese Richtung gehen (Teil eines Matronenaltars aus dem Rheinischen Landesmuseum Bonn):

Und so sah es aus:

Ich bin mit dem Test recht zufrieden. Einige Kleidungsdetails muss ich noch einmal überdenken, der (auf diesem Bild nicht sichtbare) Sprang-Gürtel ist ziemlich unschön (ich bin trotzdem stolz drauf, ist immerhin mein erstes Sprang-Werk überhaupt).
Aber die Frisuren-Tests verliefen schon mal ganz interessant. Da lohnt es sich, weiter zu experimentieren!

Details dazu? Demnächst in diesem Theater….

Provinzlerklamotte – Endspurt

Nur noch wenige Stunden bis zu meinem ersten Auftritt als Provinzialrömerin *hibbel* bei der Veranstaltung „Schwerter, Brot und Spiele“ in Xanten!

Wie das halt immer so ist: Als die Entscheidung fiel, dass wir uns an eine neue Epoche wagen werden, schien bis zu dem Termin Ende Juni noch seeehr viel Zeit zu sein. Also erst mal einlesen und rausbekommen, was man so für eine Provinzlerinnen-Ausstattung braucht. Irgendwelche Lösungen der Marke „zieh das Frühmittelalter-Kleid an, den Unterschied merkt eh keiner“ kamen nicht in Frage. Abgesehen davon, dass das nicht gestimmt hätte – es war ja doch sehr reizvoll, sich mal was ganz Anderes zu bauen!

Aber natürlich wurde es zum Ende hin dann arg hektisch und ich habe lange nicht alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Heut abend müssen auch noch einige Kleinigkeiten fertig werden. Aber die Grundausstattung steht:

  • eine leinene Untertunika aus einer geraden Stoffbahn,
  • ein großes, aus zwei Bahnen zusammengenähtes Wolltuch 2,50 x 2,50 für ein Wickelkleid,
  • ein wollener Halbkreismantel, Radius 1,50,
  • zwei kleine Fibeln für die Schultern des Wickelkleides und eine große für den Mantel,
  • ein Paar Bundschuhe (carbatinae),
  • ein einfacher Gürtel, um das Unterkleid zu gürten, und ein selbstgemachter Sprang-Gürtel fürs Wickelkleid (mein allererstes Stück in Sprangtechnik, sieht grauenhaft aus, tuts aber erst mal),
  • einiges persönliches Zubehör – ein Becher und eine Schüssel in Terra Sigillata, ein Metall-Löffel, eine Knochen-Haarnadel, Stoffstreifen zum Festbinden der Frisur.
  • ein Lunula-Anhänger – die zugehörige Halskete ist bestellt, kam aber gestern nicht an. Wenn sie heute nicht kommt, muss ich mir für den Anhänger was überlegen….

Übrigens sage ich bewusst „Wickelkleid“, weil auch ich mich durch den Wirrwarr der Bezeichnungen in der Literatur (Hauptproblem: ein Wort wird für ganz verschiedene Kleidungsstücke verwendet) nicht mehr durchfinde.

Was ich nicht mehr geschafft habe:

  • vor allem die Haube, ich bin eigentlich der Meinung, dass der Kopfputz meiner „Figur“ eher eine Haube als eine Frisur ist, aber da ich keine Haube habe, werde ich jetzt mal plausible Frisuren austesten,
  • das Ganze hübsch zu dokumentieren.

Beides wird mit Sicherheit noch nachgeliefert.

Ich bin ja sooo aufgeregt!

Matronen

Ich plane ja, eine Bonnerin zur Römerzeit, so etwa im 2. Jahrhundert, darzustellen. Um diese Zeit lebte hier der Stamm der Ubier, und man nimmt an, dass die typische Tracht der Ubierinnen auf den Skulpuren dieser Zeit, vor allem auf den sogenannten Matronenaltären, dargestellt wird.

Charakteristisch ist die Art, wie die Kleidung drapiert ist, sowie ein sehr auffälliger Kopfputz, über welchen ich mir bereits denselben zerbreche….

Matronenaltäre sind Darstellungen von drei weiblichen Gottheiten, die hier im Rheinland sehr häufig (und in anderen Teilen des Römischen Reiches eher selten) vorkommen.

Ein Beispiel ist die bekannte Terrakotta des Fabricius aus Köln, von der man auf untenstehendem Foto eine Gipsreplik sehen kann – zusammen mit der Replik einer provinzialrömischen Zwiebelknopffibel sowie drei geschichtsdarstellenden Hasen in vollem Einsatz:

Fortsetzung folgt….

Familienzuwachs

Ich fass es nicht!
Kaum hab ich hier öffentlich zugegeben, dass ich an einer provinzialrömischen Darstellung arbeite, kommt hier ein Paket mit einem rätselhaften Absender an:

Und was ist drin? Naja, also man sollte eher sagen, wer ist drin…

Eine Häsin! In superschicker provinzialrömischer Kleidung!

Ich glaube, sie heißt Livia…
Sie hat sich auch schon mit den anderen hier bekanntgemacht:

Wo soll das bloß noch enden?

Provinzialrömisch

Nachdem ich Multiperiod ja immer etwas skeptisch gegenüber gestanden habe, hat es mich jetzt auch erwischt:
Ja, ich arbeite gerade an der Recherche und hoffentlich bald auch an der Klamotte 😉 für die Darstellung einer Rheinländerin aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Also eine germanische (wasauchimmerdasseinmag) Einwohnerin einer römischen Provinz.

Diese Mischung in der Sachkultur aus römischen und einheimischen Einflüssen nennt man „provinzialrömisch“.

Das Rheinland hat sich die Bezeichnung Provinz übrigens gleich zweimal eingefangen: einmal zur Römerzeit und dann, als es nach der Napoleonzeit zur preußischen Rheinprovinz wurde.
Das heißt natürlich nicht, dass es hier im Rheinland irgendwie provinziell wäre, ooooh nein. Die Bezeichnung Provinz hat sich über die letzten 2000 Jahre halt gewandelt….

Es ist schon faszinierend, wenn man sich die Unterschiede in den beiden Zeiten anschaut und die ganz andere Herangehensweise z. B. an Kleidung…. dazu bald mehr.