Bürgerkrieg

Es geht hier nicht um eine historische Epoche. Nein, ich möchte mal etwas loswerden, was mich schon seit mindestens anderthalb Jahren umtreibt. Im Jahr 2008 hat es zu einigen sehr unschönen Erlebnissen in meiner eigenen Hobbyausübung geführt. Das Jahr 2009 war zum Glück ruhiger. Aber das Problem bleibt.

Ich schreibe diesen Text nicht auf Grund irgendwelcher gerade aktueller Ereignisse. Irgendwas ist ja eigentlich immer….

Den Begriff „Bürgerkrieg“ wähle ich, weil ich damit eine Situation beschreibe, bei der im gleichen „Land“ mehrere Parteien erbittert gegeneinander kämpfen. Manchmal weiß man nicht einmal, wann und warum es angefangen hat. Vermutlich haben beide Parteien davon auch unterschiedliche Versionen. Jedenfalls kann es dazu führen, dass Menschen, die eigentlich etwas gemeinsam haben und manchmal auch Freunde sind, sich plötzlich auf verschiedenen Seiten der Barrikade wiederfinden. Dass einem Entscheidungen für oder gegen eine Partei aufgenötigt werden. Dass es fast unmöglich ist, sich aus allem rauszuhalten, wenn man überhaupt mit Menschen zu tun hat, die irgendwie involviert sind.

Das Gespenstische ist, im Jahre 2008 bin ich gleich zwischen mehrere solche Bürgerkriegsfronten geraten. Und diese verschiedenen Kriegsschauplätze lassen sich auch nicht auf einen einzigen Konflikt zurückführen, d. h. es laufen gleich mehrere Kriege parallel und weitgehend unabhängig voneinander.

Aber lasst uns mal versuchen, den Ablauf ein wenig zu abstrahieren:

Wir sind im Hobby Living History. Ich besuche Veranstaltungen, bekomme über irgendwen Kontakte zu Veranstaltern, mache bei Museumsbelebungen und dergleichen mit. Die anderen Mitwirkenden kenne ich unterschiedlich gut, aber alle scheinen erst mal ähnliche Vorstellungen und Ideen zu haben wie ich. Eigentlich alles prima.

Dann bekommt man anhand der einen oder anderen spitzen Bemerkung mit, dass Person A und Person B offenbar nicht besonders gut miteinander können, denkt sich aber immer noch nix Schlimmes. Ich meine, es ist ein Hobby, man muss gar nicht mit jedem gleich gut auskommen.

Meines Feindes Freund ist mein Feind

Und dann passiert es. Zum Beispiel hatte man zu einer bestimmten Frage, wie eine Veranstaltung zu konzipieren bzw. mit einem Veranstalter zu verhandeln sei, unterschiedliche Auffassungen. Person B tauschte sich auch mal ohne Person A einzubeziehen mit einzelnen oder mehreren Diskutanten per Mail aus. Das nächste was geschah, war, dass ein ganzer Schwung von Personen mit einer sehr fadenscheinigen Begründung aus einem bestimmten Forum geworfen wurde, was auch indirekt zur Folge hatte, dass ich zu der Veranstaltung, über die wir da diskutiert hatten, keinen Zugang mehr hatte.

Noch mal zusammengefasst: Person A meinte, ich gehörte zur „Kriegspartei“ von Person B und betrachtete mich daher offenbar als ihre Feindin.

Was übrigens damals in keiner Weise stimmte, und mit meiner Position in der damaligen Konzeptdiskussion hatte das auch wenig bis nichts zu tun. Der fast schon witzige Effekt ist nun natürlich der einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Mit Person B habe ich noch viel zu tun, mit Person A nicht mehr. Ich würde sie nicht als meine Feindin betrachten, aber mit jemandem, der sich mir gegenüber so unfreundlich verhält, möchte ich natürlich möglichst nicht mehr viel zu tun haben.

Eine andere Geschichte vom gleichen Kaliber, mit ganz anderen Personen, spielt sich mehr in Foren und Chats ab. Ich habe öfter mal den Eindruck, dass ich von der dortigen Person A immer mal wieder kritisiert bzw. angegriffen werde, nicht weil meine konkrete Äußerung ihren Missfallen erregt, sondern weil sie mich mit Person B in einem Boot wähnt und daher stets gewillt ist, alles was ich äußere, mit der Bürgerkriegsbrille zu betrachten.

Meines Feindes Feind ist mein Freund

Anders herum funktioniert das Ganze übrigens auch. Wenn Person B mit irgendeiner Person C verfeindet ist oder auch nur Differenzen mit C hat – z. B. mal deren Klamotten kritisiert hat -, dann scheint allein das schon ein Anlass dazu zu sein, dass Person A in Person C das Gute sucht und findet, da C als potentieller Verbündeter oder zumindest als Beweis für die Schlechtigkeit von Person B in Frage kommt.

In den vergangenen zwei Jahren hat es in der, ich nenne sie mal ganz pauschal Geschichtsvermittlerszene, mehrere hochinteressante Diskussionen gegeben, die zum Teil im Zusammenhang, zum Teil separat geführt wurden. Insbesondere ging es um Fragen der Konzeption von Museumsevents, deren Wissenschaftlichkeit bzw. überhaupt des zugrunde liegenden Wissenschaftsbegriffs sowie der Frage des Einflusses von Naziideologie auf einzelne Gruppen und die gesamte Szene. Leider war es an vielen Stellen kaum möglich, produktiv zu diskutieren, weil ganz offenbar zu viele Bürgerkriegsparteien involviert waren. Für Personen, die die ganzen Bürgerkriege nicht mitbekommen haben, ist es oftmals überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum in Foren oder Chats relativ harmlose Äußerungen mit heftigen Schimpfkanonaden beantwortet werden. Typisch ist auch, dass sich niemals offen auseinandergesetzt wird, es wird sich dann oft so ausgedrückt „wenn einige Leute meinen, jetzt mit dem Finger auf andere zeigen zu können, dann sollten sie mal….“

„There is no decent place to stand in a massacre …“ (Leonard Cohen)

Nachdem die jeweilige Person B sich klug verhält, nämlich ihre Auseinandersetzung schlicht nicht auf meinem Rücken austrägt, führt das Ganze natürlich dazu, dass ich zwangsläufig mehr mit Person B als mit Person A zu tun habe, dadurch natürlich mehr von ihrer Sicht der Dinge mitbekomme. Ganz abgesehen davon, dass es sich dabei ja auch um ein paar sehr nette Menschen handelt und man sich mit diesen gerne anfreundet.
Aber der Krieg ist nicht vorbei. Und ich merke, wie ich immer wütender werde. Ich bin eine diskussionsfreudige Frau, die gerne mal sagt, was sie denkt, und die (anders als andere in diesem Hobby, die ich durchaus verstehen kann) auch gern mal zu grundlegenden Diskussionen über konzeptionelle oder politische Aspekte unseres Hobbys meinen Senf beisteuere. Es ärgert mich maßlos, dass ich das an vielen Punkten nicht kann, um nicht noch tiefer in irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Mir kribbeln die Finger, zu einem bestimmten Thema z. B. in einem Forum einen Beitrag zu schreiben, aber ich verzichte darauf, weil jemand anderes aus meinem Umkreis schon was geschrieben hat und ich befürchte, dass die „andere Seite“ eine Verschwörung oder eine Großoffensive ihrer Feinde wahrnimmt, wenn ich jetzt auch noch etwas dazu meine. Auch wenn das, was ich zu sagen hätte, vielleicht einen ganz anderen Aspekt betrifft als den, den mein Vorgänger wichtig fand.
Und noch mehr ärgert mich natürlich, dass es sich auch noch auf mein Privatleben auswirkt. Zum Beispiel wenn ich plane, wen ich zu einer Party einladen soll…

„What’s so civil about war anyway?“ (Guns ‚N Roses)

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text veröffentlichen soll. Ich habe es nun getan, und ich weiß, dass ich damit etwas riskiere. Ich riskiere, dass dieser Text als weitere Waffe in irgendeinem Bürgerkrieg genutzt wird, und ich riskiere, einige Freundschaften zu belasten. Beides will ich nicht.

Aber das hier, verdammt, ist mein Blog. Meine Party. Und ich musste das einfach mal irgendwo loswerden.
Ich habe diesen Text, das sei auch noch gesagt, ganz allein geschrieben, mit niemandem diskutiert oder abgesprochen, und ich bitte darum, dass allfällige Reaktionen das dann bitte auch berücksichtigen und andere Leute da mal raus lassen.