Ubierin, Beta-Version

Vergangenes Wochenende – bei den Römer- und Germanentagen im Lippischen Landesmuseum Detmold – hatte ich zum zweiten Mal Gelegenheit, meine neue Darstellung einer Bewohnerin Bonns im 2. Jh. n. Chr. (Ubierin) auszutesten. Der erste Versuch in Xanten war ja leider wegen der Blitzschläge vorzeitig abgebrochen worden.

Im Prinzip sollte es in diese Richtung gehen (Teil eines Matronenaltars aus dem Rheinischen Landesmuseum Bonn):

Und so sah es aus:

Ich bin mit dem Test recht zufrieden. Einige Kleidungsdetails muss ich noch einmal überdenken, der (auf diesem Bild nicht sichtbare) Sprang-Gürtel ist ziemlich unschön (ich bin trotzdem stolz drauf, ist immerhin mein erstes Sprang-Werk überhaupt).
Aber die Frisuren-Tests verliefen schon mal ganz interessant. Da lohnt es sich, weiter zu experimentieren!

Details dazu? Demnächst in diesem Theater….

Frisuren

Warum eigentlich kümmern sich so wenig Menschen in der Darstellerszene um Frisuren? Ich meine, es ist doch erstaunlich: jede Menge Schneiderinnen versuchen sich mehr oder weniger erfolgreich als Gewandschneyderinnen, bei der Kleidung wird liebevoll auf jedes einzelne Detail gesehen, und es gibt immer jemanden, der es geschafft hat, die Ausstattung nicht nur irgendwie hinzukloppen, sondern tatsächlich etwas nach bestem Wissen, Fundlage und handwerklichen Kenntnissen so nah wie möglich am Original, stimmig und funktioierend, herzustellen.

Bei Frisuren ist das ganz anders. Ich spreche jetzt vor allem von Frauenfrisuren, bei Männern enthalte ich mich erst mal aller Kommentare. Keine wissenschaftlichen Publikationen über die genaue Konstruktion einer Frisur (oder? was ich kenne, sind nur Randbemerkungen in allgemeinen Tracht-der-soundso-Zeit-Artikeln…), keine ausgebildete Friseurin, die sich mal Gedanken gemacht hat, nur sehr selten trifft man Gruppen an, die wenigstens ansatzweise mal Dinge überdenken und ausprobieren (eher übrigens in der Römer-/Germanen-Szene als im Mittelalter).

Statt dessen allenthalben wallende Barbarinnenmähnen, Fantasy-Prinzesschenfrisuren, Kopftuch-drum-passt-scho oder – im allerbesten Fall – ein „sieht ungefähr aus wie auf der Abbildung“…. letzteres ist natürlich legitim, würde aber im Fall Bekleidung schon einige kritische Fragen nach sich ziehen….

Um so schöner, wenn sich mal jemand richtig Gedanken macht und dann eine plausible Rekonstruktion einer hochmittelalterlichen Frisur aus Köln zaubert:


(klick für größeres Bild)

Die Zöpfe werden übrigens, ja, festgenäht!

(Ich hab nur den Kopf hingehalten, die Künstlerin ist Sonja von Tempora Nostra)