Archeon Pfingsten 2007

Statt vieler Worte hier einfach ein paar Impressionen von unserem Aufenthalt im Archeon über die Pfingsttage.

Hier die bei Teilnehmern wie Besuchern sehr beliebte Seilfähre:

Ein Wikingerschiff wird getauft:

…und die Jungfernfahrt

Verkaufsgespräch an einem Händlerzelt:

Unser Lager – übers Wasser gesehen:

Der Fotograf und die Silberknoterin kurz vor dem mörderischen Duell:

Und die singenden Mönche vor dem Hochmittelalter-Kloster:

Schön wars!

Ich und das Jakobsschaf

Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr fuhr die ReEnActress nach Wittmund, um Schafe zu kitzeln und beim Scheren dabeizusein.
Dabei nahm ich mir ein Vlies von einem Jakobsschaf mit – also einen Sack Wolle genau von einem Schaf.
Bei Jakobsschafen sind nicht nur die Hörner faszinierend, sondern auch das hübsche lange, schwarzweiß gescheckte Fell:

– und ich dachte mir, es könnte reizvoll sein, mal mit solcher Wolle zu arbeiten. Und außerdem hatte ich, die ich bisher nur fertig kardierte Wolle gekauft hatte, den Ehrgeiz, einmal den gesamten Aufbereitungsprozess „ab Schaf“ mitzumachen.

Da das Frühjahr 2006 – man kann sich kaum noch dran erinnern – eher kalt und feucht war und meine Gastgeberin daher im Mai, als ich dort war, erst mit dem Scheren begann, gehe ich davon aus, dass „mein“ Vilies schon vom Vorjahr stammt. Es dürfte also jetzt, da ich es mit einem Jahr Verspätung ausgepackt habe, schon knapp zwei Jahre auf dem Buckel haben… naja, irgendwie ergab sich vorher keine Gelegenheit. Oh Wunder: Von Motten und so was ist es verschont geblieben, und es machte auch sonst noch einen guten Eindruck. Also frisch ans Werk. Schließlich haben wir den Tag der Arbeit.

Erster Schritt: Sortieren

Zunächst sollte das Vlies von allem befreit werden, was sich nachher nicht mehr verarbeiten lässt, also manuell herauszupfbare Verunreinigungen und Wollfasern, die so kurz oder so verdreckt sind, dass sie die Mühe nicht lohnen. Besser man entfernt sie vorher, denn spätestens beim Kardieren müsste man den Kram eh wegwerfen, daher sollte man das Zeug lieber früh loswerden.
Einiges ist einfach, z. B. große Dreckklumpen (von denen es zum Glück kaum welche gab) und diese typischen kleinen 1 – 2 cm langen Nachschnittflümmchen (von denen ziemlich viel dabei war). Aber wie erkennt man, welche Verunreinigungen (z. B. die hart zusammengeklebten Faserspitzen) sich noch rauswasschen? Und ab welcher Faserlänge lohnt es sich, die Flocken zu behalten?
Learning by doing: in der ersten Fuhre war noch einiges drin, was ich ab dem zweiten Mal schon aussortierte. Ich habe schlauerweise nämlich nur so lange sortiert, bis ich genug für den ersten Waschgang zusammen hatte und dann weitersortiert, so lange die erste Ladung schon einweichte.

Zweiter Schritt: Waschen

Einen Wäschekorb voll sortierter Wollflocken warf ich also in eine Babybadewanne mit heißem Wasser und Waschsoda. Entgegen einiger Vorurteile kann man Wolle heiß waschen, man darf sie nur nicht „erschrecken“, also z. B. nicht heiß waschen und dann kalt spülen, sonst filzt sie. Und mein Durchlauferhitzer schafft eh nicht mehr als 40°. Diese Temperatur ist aber auch sinnvoll und man sollte die Wolle rausholen, so lange das Wasser noch warm ist, damit das gelöste Fett sich nicht gleich wieder an der Wolle absetzt. Übrigens wirkt die Soda sehr entfettend, wer also das Lanolin in der Wolle behalten möchte, sollte ein anderes Waschmittel nehmen.

Dritter Schritt: Nachspülen

Meine Sorge, wie ich die Fasern ohne Sieb wieder aus dem Wasser kriege, erwies sich als unbegründet: die langen Fasern ließen sich in einem dicken Kloß aus dem Wasser ziehen, so dass ich das Wasser abgießen konnte, ohne Wolle zu verlieren.
Vorne im Bild die nasse Wolle, hinten die Badewanne mit dem Waschwasser. Dessen Farbe zeigt, dass noch mindestens zwei Gänge (warm) Nachspülen notwendig waren…

Vierter Schritt: Zupfen und Trocknen

Ich habe erwogen, die Wolle in der Waschmaschine im Schongang zu schleudern (ohne Spülen), habe aber drauf verzichtet, da ich die Wolle nicht lose in die Machine geben wollte und andererseits befürchtete, dass es, wenn ich sie in einen Bettbezug o. ä. packe, zu viel Unwucht gibt. Also nur locker ausgedrückt, dann die Locken ein bisschen auseinandergezupft , damit es besser trocknet. Ich habe dabei schon versucht, die weißen und die dunklen Locken zu trennen. Ganz ist es mir nicht gelungen, wahrscheinlich geht das besser, wenn die Wolle wieder trocken ist. Und ganz perfekt schaff ich es vermutlich nicht.
Das Verhältnis schwarz zu weiß ist etwa 1:3.

Fünfter Schritt: Warten…

Jetzt muss ich nur noch warten, bis die Wolle trocken ist, und sie dabei ab und zu in den Faltkisten wenden, da sie im Moment halt noch recht nass ist. Die Faltkisten habe ich gewählt, weil sie seitlich gelocht sind und so die Luft zirkulieren kann. Lieber wären mir Kisten gewesen, die auch am Boden (kleine) Löcher haben, aber so was habe ich nicht auftreiben können.
Ich habe mich dagegen entschieden, die Wolle auf dem Balkon zu trocknen. Nicht dass noch eine vermehrungsfreudige Motte ihre Eier reinlegt…. Zum Glück ist die Luft in meiner Wohnung trocken genug, dass ich es auch hier drin machen kann.

Ergebnis eines arbeitsamen Tages

Ich habe heute das gesamte Vlies sortiert, etwa 40% gewaschen, alles Unschöne weggeworfen und den Rest wieder gut verpackt. Eine ziemliche Plackerei. Das Sortieren dürfte allerdings mit der Zeit deutlich schneller gehen, wenn man weiß, was man brauchen kann und was nicht.
Mir scheint allerdings, dass der Arbeitsaufwand des Sortierens und Waschens von Wolle beträchtlich ist. Dazu kommt ja dann auch noch das Kämmen oder Kardieren. Es dauert also ganz schön lange, bis die nicht von Maschinen unterstützte Textilherstellerin überhaupt erst zur Spindel greifen kann.