Eis am Stiel

Von einem originalgroßen, seetüchtigen Wikingerschiff aus 15 Millionen Eisstielen berichtet Herr Nesges hier. So weit auf dem Foto zu erkennen, ist die schöne geschwungene Wikingerschiffform ganz gut gelungen. Wer wohl das ganze Eis gegessen hat?
Der Eisstiel scheint im Reenactorleben ja eine immer wichtigere Rolle zu spielen. Bisher kannte ich ihn allerdings mehr als Rohstoff für Nadelbindenadeln.

Nichtganzschwarzbrand

Als ich vergangenen Sonntag am späten Vormittag trübe in meinen Rechner starrte (irgendwie müssen beim Zurückbeamen ins 21. Jahrhundert ein paar Energiepartikel verschütt gegangen sein) und meine Mails der letzten drei Wochen las, weckte mich eine Terminmitteilung aus der Nadelbinde-Mailingliste jäh aus meiner Lethargie:
ARCHÄOLOGISCHES FEST DÜPPEL-BISKUPIN
WEGE IN DIE ZUKUNFT
DÜPPEL, BERLIN-ZEHLENDORF
20.-28. AUGUST 2005
IM RAHMEN DES DEUTSCH-POLNISCHES JAHRES 2005/2006

(danke, spinntantchen!)
Da musste ich natürlich hin, und so machte ich mich auf den beschwerlichen Weg nach Düppel, um mir die Polen und ihre Archäologie anzugucken.

Naja, es war der letzte Tag, und in der Nacht vorher war Lange Nacht der Museen gewesen. Ich fand also ziemlich viele, aber sehr müde polnische Reenactors sowie leider kein bisschen Infomaterial mehr über Polen und polnische Archäologie vor. Schade. Aber immerhin hatten sie einige wirklich gute Handwerker-Vorführungen (z. B. einen Seiler) und sehr schöne Schwerzbrand-Keramik, da hab ich dann gleich zugeschlagen.

Hübsch, nicht? War auch sehr günstig.

Der Belastungstest unseres Geschirrs in Eu hat nämlich gezeigt:

  • Geschirr (vor allem Schüsseln und Teller) kann man nie genug haben, irgendwo muss ja der Quark rein 😉
  • Holz ist leicht und unzerbrechlich, hat aber den enormen Nachteil, dass es bei Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen schnell Risse bekommt (also eigentlich immer). Ölen hilft nur begrenzt.
  • Außerdem nimmt Keramik Gerüche (Fisch, Knofi…) nicht so schnell an.

Schwarzbrand, also schwarze Keramik, die es auch in der Wikingerzeit und vor allem bei den Slawen im Frühmittelalter gab, entsteht durch Luftabschluss beim Brennen, entweder in einem Ofen, der nach dem Befüllen abgedichtet wird (wie in Düppel), oder in einer abgedeckten Grube im Boden (so wurden diese Töpfe gebrannt). Wenn der Luftabschluss nicht perfekt ist, wird die Ware leicht fleckig, wie auch hier – mir gefällts aber so.

Eins muss ich aber hier noch zugeben: Die gekauften Stücke sind Nachbildungen der sog. Lausitzer Keramik, die in der Lausitzer Kultur gebräuchlich war, also in einem Gebiet zwischen Elbe und Weichsel in der späten Bronze-/frühen Eisenzeit, etwa zwischen 1.500 und 500 v. Chr. *hüstel*. Die Formen und Muster der beiden Töpfe sind allerdings so „klassisch“, dass sie auch für Wikingerundslawenfrühmittelalter ganz gut passen. Und den Topf mit dem Widderkopf lass ich dann eben zu Hause…

Für alle LeserInnen, die in Ostdeutschland wohnen, hier noch ein Reisetipp: Vom 17. bis 25. September findet im Museumsdorf Biskupin/Polen ein Museumsfest statt (ich selbst hab leider keine Zeit). Das Dorf muss ganz klasse sein und soll von Frankfurt/Oder in zumutbarer Autoentfernung liegen (irgendwo bei Gnesen, ich kenn mcih da leider nicht aus).Wie gesagt, das Dorf ist eine Rekonstruktion aus dem ersten Jahrtausend vor Christus, das hindert die Leute aber nicht daran, das Fest unter das Motto „Wikinger“ zu stellen.
Wir sind überall!