Nachtrag Blankenburg

Vom Mittelalterfest Berlin-Blankenburg gibt es hier 101 Bilder zu gucken. (Linke Spalte auf „Blankenburg“ klicken und Diashow läuft ab). Zwar sind es etwas zu viele Bilder von den Shows (Zauberer Santini mit Tauben und Riesenschlangen sowie diverse Schaukämpfer) und zuwenig vom Lagerleben, es gibt aber einige wunderschöne Einzelporträts von DarstellerInnen und Gästen, also nicht die Geduld verlieren – oder Bilder einzeln anwählen. Wenn mich mein schwaches Augenlicht nicht täuscht, war sogar ein Promi da (ist ja auch sein Wahlkreis…). Borre und Lunula sind nicht bei den Porträts dabei, aber ein paar andere gutaussehende Menschen! 😉 Schaut es Euch an.

Kopfputz und Haartracht Teil 2

Nachdem wir im ersten Teil einfach mal festgestellt haben, dass Kopfbedeckungen zu allen Zeiten an allen Orten getragen wurden, weil sie einfach praktisch sind, kommen wir nun zu einem weit komplizierteren Thema:

Kapitel 2: Die Kopfbedekcung der Frau im Lichte von Sitte, Moral und Religion

Für Kleidung und Kopfbedeckung ist nicht nur die Witterung, sondern auch das Moralverständnis, die Überlieferung und die Religion von Bedeutung.

Gängig ist dabei folgendes Bild:
Eine unverheiratete Frau (Mädchen / Jungfrau) trägt ihr Haar offen oder in Zöpfen, manchmal mit einem Kranz, aber im Prinzip unbedeckt. Eine verheiratete Frau bedeckt ihr Haar, zu manchen Zeiten vollständig inklusive Hals, Kinn und Dekolleté, zu anderen Zeiten wenigstens symbolisch mit Häubchen oder Hut. Dieses Bild herrscht in allen Teilen Europas vor, sowohl in der ländlichen Tracht als auch in der städtischen Mode, bis tief ins 20. Jahrhundert hinein.

Ja, aber seit wann? Und wo kommt das her? Nach meinem Eindruck kann man diese Regeln für das Hoch- und Spätmittelalter wohl tatsächlich anwenden (die Kopfbedeckungen der Damen in Spätmittelalter und früher Neuzeit stehen zum Teil einem iranischen Tschador in nichts nach). Aber galt das auch im heidnischen Europa?

Auf römischen Grabsteinen werden oft Familien dargestellt, dabei sieht man häufig Ehefrauen mit einem Tuch über den Kopf. Andererseits kommen z. B. die Porträtbüsten römischer Kaiserinnen eigentlich immer ohne Kopftuch daher.
Auf den germanisch-keltisch-römischen Matronensteinen aus dem Rheinland wiederum, die die weibliche Trias Jungfrau – Mutter – alte Frau darstellen, tragen zwei der drei Figuren eine große Haube, die dritte nicht – sie wird daher immer als die Jungfrau identifiziert.

Daraus schließe ich: In der Antike war die Sitte der Kopfbedeckung für erwachsene Frauen gebräuchlich, von einer Pflicht zur Bedeckung der Haare ist mir hingegen nichts bekannt.

Kommen wir nun zur Religion. Die wichtigste Quelle für den Kopftuchzwang findet sich – nein, nicht im Koran, sondern in der Bibel:
Wenn ein Mann betet … und dabei sein Haupt bedeckt hat, entehrt er sein Haupt. Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet … und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. … Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich doch gleich die Haare abschneiden lassen. Ist es aber für eine Frau eine Schande, sich die Haare abschneiden oder sich kahlscheren zu lassen, dann soll sie sich auch verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. … Deswegen soll die Frau mit Rücksicht auf die Engel das Zeichen ihrer Vollmacht auf dem Kopf tragen.
(1. Brief des Paulus an die Korinther 11, 4-10, Einheitsübersetzung)

Nebenbei bemerkt, ist der Koran zumindest wenn man ihn wörtlich nimmt, nicht so präzise: ein Kopftuch wird nur bei den Frauen des Propheten erwähnt (Sure 33, 53), die Frauen der Gläubigen sollen lediglich ihre „Scham“ bzw. ihre Brust verhüllen (Sure 24, 31; in meiner bestimmt nicht progressiven englischsprachigen saudi-arabischen Ausgabe lautet das Wort „bosom“).

Und was lernen wir nun daraus, liebe Gemeinde? Vielleicht einiges über den interreligiösen Austausch (*bösegrins*). Für das hier eigentlich diskutierte Thema lernen wir: Wer eine christliche Frühmi-Frau darstellen will, sollte sich, um nicht der ewigen Verdammnis anheimzufallen, in der Regel das Haupt bedecken. Eine vergleichbare religiöse Pflicht ist für eine heidnische Frau des Frühmittelalters nicht bekannt.

Demnächst in diesem Theater: Teil 3: Anhaltspunkte aus den Quellen für Kopfputz und Haartracht des 10. Jahrhunderts, und Teil 4: Die Slawin und der Schläfenring!

Mittelalterfest Blankenburg

Blankenburg war schööön!
Ein kleinräumig strukturiertes ehemaliges Dörfchen, das zum Berliner Bezirk Pankow gehört. Eine Grundschule, ein bisschen zurückgesetzt von der Straße. Hinter dem Schulhof eine große Wiese, umstanden von Bäumen – die „Grundschule unter den Bäumen“ eben.

Ein hübsches Fest, sehr gemütlich. Mit netten Leuten zusammen sein und reden, kochen, spinnen, nadelbinden. Und einige meiner Berliner Freundinnen kommen mal vorbei und gucken.

Wenn man die beiden gemeinsam gebauten Wikingerzelte zusammenstellt und mit einem Vorzelt versieht, sieht das Ganze so aus:

(Nicht alle abgebildeten Küchengeräte gehören uns, so weit sind wir noch nicht…)

Und ich habe erste Tests zum Thema Schläfenringe durchgeführt, ganz erfolgreich. Näheres dazu bald unter der Rubrik Kopfputz und Haartracht

Kopfputz und Haartracht, Teil I

Dieses Thema trage ich schon länger mit mr herum und plante auch schon länger, darüber zu bloggen: Was trug die Wikingerin des 10 Jahrhunderts auf dem Kopf? Nun, auch inspiriert von Borres Hörnerhelm-Artikel, fang ich einfach mal an.

Auf Märkten sieht man viele Frauen, die ihr Haar einfach offen tragen, und viele Frauen, die Kopftuch tragen. Kopftuch?

Kapitel 1: Vom Nutzen der Kopfbedeckung

Zunächst einmal muss festgehalten werden: Kopfbedeckungen – also Kopftücher, Hüte, Hauben, Kappen und Mützen – sind praktisch. Sie wurden und werden zu allen Zeiten und an allen Orten getragen, zum Schutz gegen Regen, Kälte, Sonnenstich und Schmutz (und Hiebe, soweit es um Helme geht, die lassen wir jetzt aber bei den Frauen erst mal außen vor). Gerade bei den üblichen Arbeiten einer Haus- und Hof-Frau (also Hausarbeit, Handwerk, Ackerbau, Viehhaltung) empfiehlt es sich oft, die Haare einzupacken, damit z. B. keine Haare ins Essen fallen und andererseits die Haare nicht schmutzig werden, z. B. beim Kuhmelken.

In meiner Kindheit war eine Frau mit Kopftuch nicht mit „Muslima“ assoziiert (so was gabs bei uns in der Provinz damals noch nicht), sondern mit „Bäuerin“ und „Putzfrau“ – was oft gleichbedeutend war, denn die Nebenerwerbslandwirtfrauen im Umland meiner Heimatstadt melkten morgens die Kühe und sammelten die Eier ein, um danach in Stadthaushalte putzen zu gehen, und die Stadtfrauen kauften ihnen dann gleich die Eier ab.

Was lernen wir daraus für die heidnische Wikingerin um 950? Nicht viel. Ein in der heute üblichen Weise (unter dem Kinn oder im Nacken) geknotetes Kopftuch ist archäologisch und in alten Quellen meines Wissens nicht nachgewiesen. Ich halte es aber für so wahrscheinlich, dass ich das Tragen von Kopftüchern nicht als schlimmen Anachronismus in Borres Sinn ansehen würde.