Pantoffeltierchen

Wie ich Avhaline schon länger versprochen habe, anlässlich des Threads „Umme Ecke rum“ in der Nadelbinde-Mailingliste, kommen hier endlich meine neuen Socken.
Die Beschreibung habe ich von Shelags Sockenseite, dort ist sie zu finden unter „Heel Type E“.
Shelagh bietet dort mehrere Rekonstruktionen der historisch gefundenen Nadelbindesocken an. Die meisten der historischen Socken (soweit noch genug davon übrig ist) sehen nicht ganz so wie unsere Socken aus, sondern sind mehr wie Halbschuhe geformt – daher werden sie in englischsprachigen Quellen auch manchmal nicht „sock“ sondern „shoe liner“ (Innenschuh) genannt.
Die Bezeichnung Pantoffeltechnik stammt von mir, Ihr werdet gleich sehen, warum.

Man beginnt mit einem (spitzen) Zehenkäppchen. Wenn die gewünschte Breite zugenommen ist, maximal noch eine Reihe drübernadeln, dann an der zukünftigen Unterseite eine Reihe „Luftmaschen“ machen (beim Anprobieren muss diese Reihe in der Mitte des Fersenballens enden). Dann wenden und wieder zurück zum Käppchen:

Dann immer um die Maschenreihe und das Käppchen herumarbeiten, so dass eine Art Pantoffel entsteht. Dabei an der Ferse so viel zunehmen, dass es schön flach wird, an der Stelle, wo die Maschenkette auf das Käppchen trifft, viel (!) für eine rechtwinklige innere Ecke abnehmen (bei mir waren es pro Ecke vier Maschen!). Schwer zu beschreiben, schaut Euch die Zeichnungen bei Shelagh an. Oder das Foto:

Hier noch mal von unten, da sieht man die inneren Ecken ganz gut:

Wenn die gewünschte Länge der „Sohle“ erreicht ist – auch wenn die Breite noch nicht ganz stimmt – , an der Ferse nicht mehr zunehmen, dadurch geht das Ganze an den Seiten dann hoch. Ganz oben kann man noch mit ein paar Hin- und Rückreihen hocharbeiten und damit in der Mitte einen dekorativen Schlitz erreichen.
Und das Ganze sieht dann so aus:

Die Socke wird sehr schön und nadelt sich auch sehr angenehm. Das große Problem ist allerdings, dass sie nicht ohne ständiges Anprobieren am Zielfuß funktioniert, da die Dimensionen etwas unberechenbar sind. Meinen ersten Versuch habe ich wegen Unförmigkeit abgebrochen. Aber auf das Ergebnis hier bin ich richtig stolz.

Frühsport: Walking

In Berlin veranstalten U-Bahn und Busse heute einen Warnstreik. Bis 10 Uhr. Und so habe ich mich entschlossen, zum ersten Mal (seit ich vor fast fünf Jahren diesen Arbeitsplatz habe) auf Schusters Rappen zur Arbeit zu gehen.
Klappt ganz gut, ich habe ziemlich genau eine Dreiviertelstunde gebraucht. Da war ich zu meiner vorherigen Stelle mit dem Zug länger unterwegs – konnte allerdings dabei Zeitung lesen oder schlafen…. (heutzutage würde ich eine solche Pendlerei vermutlich mit Nadelbinden zubringen wie Frau Muse…)
Zum Glück ist es nur ein Warnstreik, und nach Hause geht es wieder mit der flinken U-Bahn. Falls sich das Ganze allerdings noch zu einem richtigen Streik ausweitet, muss ich mir noch was einfallen lassen. Vielleicht so ein kleiner Klapproller?

Die Wikinger – lebende Traditionen

Ist doch schön, dass manche Sitten bis heute überlebt haben: Ein Mann braucht ein Schwert

Ein Dreijähriger hat in Norwegen einen Mann niedergestochen. Wie die Zeitung Adresseavisen gestern berichtete, griff sich das Kleinkind bei den Feiern zum Nationalfeiertag den Dolch, den viele Norweger als Teil ihrer Tracht tragen. Offenbar gelangweilt vom Fest, stieß der Dreikäsehoch die Waffe einem Passanten in den Oberschenkel. Der Mini-Täter wurde in Handschellen abgeführt … Nein! Kleiner Scherz. Der Vorfall werde kein juristisches Nachspiel haben, berichtet Adresseavisen.

Quelle: taz.

Gross Pinnow – Nadelalarm

Nun hab ich heute schon über meine zünftig vollgelagerte Wohnung gejammert. Aber nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Groß Pinnow war prima, und den zarten Geruch nach Holzrauch, der durch meine Wohnung zieht, sollte man auf Flaschen ziehen – aaaah, ist das schön!

(Wollte nur mal mosern wegen der Handwerker und so…)

Aber es gibt auch zu berichten, dass sich in Groß Pinnow nette Menschen fanden, die das Nadelbinden gezeigt kriegen wollten und auch bekamen. Eine Hochmittelalter-Frau aus Berlin udn eine Weiß-noch-nicht-genau-welches-Mittelalter-Frau aus Hamburg. Und dann setzte sich auch noch Borre dazu und säumte seine Decke (nein, es war nicht die des Schweigens). Das Ganze sieht dann so aus:

Du weißt, dass du eine Reenactress bist, wenn…

…du nach dem Lager nur noch 20 Prozent deiner Wohnung benutzen kannst.
(Ich finde auch noch den Link zu der einschlägigen SCA-Liste ähnlichen Titels, bei der sich allerdings für mich zu viel aufs Kämpfen bezieht).

Nach Groß Pinnow sieht meine Wohnung folgendermaßen aus:

  • Flur: Säuberlich zum Trocknen aufgestapeltes Zeltgestänge
  • Küche: Kisten mit Lebensmitteln und Geschirr, Dreibein, Feuerschale, Kessel, Axt, Kaminholz…
  • Schlafzimmer und Balkon: Lüftende Wolldecken, Felle, Schlafsäcke, Kleidungsstücke
  • Wohnzimmer: Zum Trocknen ausgebreitete Zeltplane, etwa 6 x 4 m (und das sind mehr qm als mein Wohnzimmer abzüglich Möbelstellplatz an Freifläche hat).

Sehr feucht ist das alles nicht mehr, erlaubte uns doch Groß Pinnow freundlicherweise trockenes Abbauen und Einpacken. Aber ich schaff es gar nicht, auf die Schnelle für all diese Dinge feste Stauplätze zu finden. Geschweige denn, das Zelt alleine zusammenzufalten.

Wäre an sich alles nicht so schlimm, wenn meine Wohngenossenschaft sich nicht just jetzt entschlossen hätte, unsere Fensterrahmen von außen frisch kitten und streichen sowie die Balkone neu verputzen und streichen zu lassen und es wie üblich nicht für nötig hält, den Bewohnern hierfür genaue Termine mitzuteilen. Besonders ärgerlich ist das für allein wohnende Vollzeitbeschäftigte wie mich. Die Handwerker turnen schon im Haus rum, aber keiner konnte mir sagen, wann ich dran bin.
Vermutlich wird also an einem der nächsten Tage gegen 7:15 Uhr morgens ein Handwerker bei mir schellen und Zugang zu meinen Fenstern und meinem Balkon fordern. Zu meinen Fenstern! Wie soll ich da bitte derzeit hinkommen? Womöglich noch Arbeits- und Freifläche vor den Fenstern schaffen, damit bei geöffnetem Fenster gearbeitet werden kann? *inirresgelächterausbrech*

Veranstaltungskalender

Hier kommen in loser Folge Termine von Veranstaltungen rein, die entweder interessant sind oder bei denen Ihr Lunula begegnen könnt (letztere fett gesetzt – nein, nicht Lunula ist fett, sondern die Termine… ach, was solls) und, so der Veranstalter sich die Mühe gemacht hat, Links zu den Webseiten, auf denen mehr über das Begängnis zu erfahren ist:

Ritterfest Groß Pinnow (Uckermark)2005
Termin: 05.05. bis 09.05.2005
Ort: Landhof Arche

Rheinischer Wollmarkt
Termin: 05.06.2005, 11 – 17 Uhr
Ort: Rheinisches Industriemuseum Tuchfabrik Müller, Euskirchen-Kuchenheim

3. Mittelalterfest Berlin-Blankenburg
Termin: 18./19.06.2005
Ort: Grundschule unter den Bäumen, Alt-Blankenburg 26, 13129 Berlin
Veranstalter: Initiative Blankenburg

Ritterspiele Burg Herzberg
Termin: 09.-10.07.2005 (für Besucher geöffnete Zeit)
Ort: Burg Herzberg, Hessen
Veranstalter: Hessischer Ritterbund

Das Mittelalter ruft
Termin: 08. bis 17.07.2005
Ort: Wasserturm, Kopischstr. 7, 10965 Berlin-Kreuzberg
Nähere Infos und Anmeldung: 030-53657641, Website leider nicht vorhanden

Camp Viking (Wikingerlager) in Eu
Termin: 11.-21.08.2005
Ort: Eu, Normandie, Frankreich

Tannenberg: 10. Burgfest mit Ritterlager und Mittelaltermarkt
Termin: 29.09.-03.10.2005 (für Besucher nur 02.10.!)
Ort: Burg Tannenberg, Hessen*
*Achtung: Nicht verwandt oder verschwägert mit der „Schlacht von Tannenberg“ – es gibt mehrere Orte dieses Namens!

How to handle a Wikizelt

Das ist lustig: Binnen weniger Tage steigt die Anzahl der zeltwissenschaftlichen Artikel in den einschlägigen Blogs sprunghaft an!
Nachdem zunächst Borre die Fertigstellung unseres Zelts meldete (unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitstisches), beschrieb als nächstes Avhaline ihre Arbeiten an einer neuen Zeltplane fürs Gestänge aus dem letzten Jahr.
Und nun hat Herr Nesges von Trebeta noch eine detaillierte Aufbauanleitung für ein Wikingerzeltgestänge ins Netz gestellt. Mit Fotos.
Was übrigens noch fehlt, all ihr lieben Zeltwissenschaftler/innen da draußen, ist eine detaillierte Anleitung zum Nähen einer Zeltplane inklusive einer mathematischen Formel, die dazu führt, dass man die Zelttüren richtig zuschneidet. Oder eine Darstellung der verschiedenen Techniken für die Seitenabspannung und für die Türverschlüsse… nur falls Ihr noch Anregungen für Eure Blogs sucht.