Archiv der Kategorie: This Life

Die Mau-Mau-Siedlung

Die Mau-Mau-Sieldung lag direkt an der Xantener Straße. Eine Häuserzeile mit Außengang statt einzelner Balkons. Überall war Wäsche aufgehängt. Hinter der Mau-Mau-Siedlung lag die „Krankenhauser“, eine große Wiese mit Wegen und Hunden. Auf der anderen Seite das Kinderkrankenhaus.

Aus der Mau-Mau-Siedlung kamen im ersten und zweiten Schuljahr zwei Klassenkameraden. Sie waren ruppig, bedrohlich und fehlten oft. Die schlechtesten Schüler in der Klasse. Mit denen war nichts anzufangen. Nach der zweiten Klasse waren sie verschwunden. Asoziale nannte man das damals. Auch Gelbzahn kam aus der Mau-Mau-Siedlung. Der machte anderen Kindern auf der Krankenhauser die Drachen kaputt. Auch mir einmal. Am Besten hielt man sich in Richtung Krankenhaus. Möglichst weit weg von der Mau-Mau-Siedlung.

An die beiden Mitschüler habe ich oft denken müssen. Mit einer Art von Traurigkeit. Bis heute. Bestimmt ist etwas Großartiges aus ihnen geworden. Aber sie hatten einen verdammt beschissenen Start.

Heute tauchte beim Lesen die Mau-Mau-Siedlung wieder auf. Erstmal nur das Wort. Mau – Mau – Sied – lung. Gruselig. Wikipedia meint dazu: Mau-Mau-Siedlung wurden in Teilbereichen der Bundesrepublik Deutschland ab Anfang der 1950er bis in die 1970er Jahre hinein soziale Elendssiedlungen genannt, die am Rand kriegszerstörter deutscher Städte, häufig auch aus Trümmersteinen, oder als Baracken errichtet worden waren. Soziales Elend passt ganz gut zu meiner Erinnerung. Klingt jedenfalls besser als Asoziale. Und Mau-Mau-Siedlung war bestimmt ein Stigma. So wie es klang, damals.

Mau-Mau“ war übrigens eine Unabhängigkeitsbewegung in Kenia während der fünfziger Jahre. Hierzulande war Mau-Mau wohl ein Synonym für Chaos, „Anarchie“ und Gewalt.

Ich las weiter in Kosserts Kalter Heimat.  Mau-Mau-Siedlungen gab es, aber auch Klein-Koreas. Neupolen, Bolschewikien, Weihrauch-Siedlung, Ziegenhausen, Barackingen, Neu-Rom oder Kittlweiberdorf.

Wer in meiner Mau-Mau-Siedlung 1970 wohnte, weiß ich nicht.

ADORO TE CLIO DOMINA

In den letzten Wochen habe ich eine Untersuchung über niederländische Touristen in Westfalen während der Dreißiger Jahre geschrieben. Es war schwer und neu für mich. Sehr stark quellenbasiert. Mehr Forschung als neu Zusammenfassen von Sekundärliteratur unter einer Fragestellung. Puh. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, liest sich gut ;-). Mal sehen, was rauskommt.

Die Muse Clio.
Die Muse Clio. Trier, Neustraße, Mitte 3. Jhdt. n.Chr.

Schnüffelkram

Hübsch, so ein Application Level Firewall, der einem zeigt, wohin sich eine Website so verbindet. Entweder aufgeben oder verzweifeln *seufz*? Selbst eine WordPress-Installation mit einem Standard-Theme verbindet sich direkt mit Google. Diese hier. Wegen zu ladender Fonts *doppelseufz*. Ich möchte mir sebst und den Besuchern doch nur eine verfolgungsfreie Site gönnen. Na gut, ich habe die PHP-Zeile mittels

for i in `find . -name „*“`; do grep -H googleapis $i; done

gefunden und gelöscht. Vielleicht sollte man einfach aufgeben *tripleseufz*.

Gestern auf der Bank

Nagut, Banken machen heutzutage erst um 9:00 Uhr auf. Hätte ich ja im Internet nachgucken können. Wenn’s denn stimmt. Letztens bei der Post nicht. Nagut. Halt noch einen Kaffee beim Backshop. Sonst hat man ja nichts zu tun.
Wollte ich also einen etwas größeren Betrag überweisen und stehe um 09:00 wieder vor dem Rolltor. Wunsch: Bitte überweisen und morgen früh soll das Geld bitte da sein. Nä, meint Tresenperson, das können wir nicht garantieren. Dicker Punkt am Ende des Satzes der Tresenperson. Gut, dann nicht, sage, ich rufe meinen Sachbearbeiter an, und zücke cool Klapphandy. Hätte wahrscheinlich auch genützt. Dicker Schlag auf Hinterkopf von Tresenperson half auch etwas. Ja da gibt es die Schnellüberweisung, kostet 20 EUR. Ich hasse also kurz halbwegs leise in den Ärmel und gewinne mühsam meine Konntennanz wieder. War ja eilig für mich. Eine Überweisung, innerhalb des gleichen Bankenverbundes kostet also 20 EUR, wenn das Geld in 24 Stunden da sein soll. Geier, sorry.

Unterschreiben

Ich komme aus einer Zeit, in der der Umgang mit Unterschriften irgendwie mehr Bedeutung hatte. Derzeit ist das …. seltsam. Beispielsweise:

1) Ich leistete bei der Bank eine Unterschrift und bat um mein Exemplar. Der Bankangestellte druckte etwas aus und gab es mir. Dies war noch nicht einmal der gleiche Text (sondern irgendeine „Kundeninfo“), geschweige denn eine Kopie des Dokuments mit meiner Unterschrift. Als ich um eine „echte“ Kopie bat, wurde er pampig. Naja, ich dann wohl auch.

2) Paketboten wollen immer eine elektronische Unterschrift auf einem LCD-Pad. Soweit OK. Ganz megaklitzeklein steht da auch eine Nummer, die mit dem Paket in Verbindung zu bringen ist. De facto leistet man die Unterschrift blind. Wenn man den Pakeitboten bittet, er möge einem auch die Nummer auf dem Paket zeigen, wird er pampig, denn er muss weiter. Nun, der Mann bekommt wenig Geld und steht mächtig unter Zeitdruck. Persönlich kann ich ihm da kaum böse sein.

Heute galt es eine Versicherungspolice zu unterzeichnen. 5 Unterschriften. Alle auf so ein LCD-Pad. Auf diesem gab es keinerlei Bezug zu Vorgang und Vertrag. 5 Blankunterschriften. Klar, man hat 2 Wochen Widerpruchsrecht und der Bundesgerichtshof hat entschieden blablabla. 5 Blankounterschriften. Auf meine stirnrunzelnde Bitte wurde der Vertrag ausgedruckt. Papierwerschwendung, denn ich bekäme ja soweiso alles mit der Post. Außerdem wollen die Kunden das sowieso nicht. Dann habe ich alles zweimal. Er käme auch noch aus der Zeit mit riesigen Schwarzweißfernsehern mit dicken Drehknöpfen.

Ich möchte bei wichtigen Verträgen sehen, was ich unterschreibe. Und eine Kopie des Originals. Besser noch ein Original. Mit Unterschriften beider Seiten.

Aber ich bin wohl megaout.

Genealogie Wilhelm, Pip, Schönewald, Lindauer, Stier Teil II

Vieles hat sich seit Genealogie Wilhelm, Pip, Schönewald, Lindauer, Stier getan, auch trauriges.

Für „Liell“ und „Schönewald“ fand ich vertrauenswürdige Genealogien bis ca. 1600. „Wilhelm“ sieht ebenso sehr erfolgsversprechend aus … da muss ich noch Kontakt aufnehmen. Für „Stier“ half die Datenbank der Mrmnen bis zum Beginn der Aufzeichnungen. Zu „Pip“ habe ich Ansprechpartner und das belgische Staatsarchiv betätigt vieles – leider sind die spannendsten Jahrgänge noch nicht online. „Lindauer“ bleibt bisher dünn, aber ich habe noch ein Eisen im Feuer …..

Margalit. Oneg Schabbat.

„Ich möchte, dass man sich an meine Frau erinnert, Gela Sekstein. Sie hat in den Kriegsjahren als Erzieherin und Lehrerin mit Kindern gearbeitet, hat für das Kindertheater Bühnenbilder, Kostüme gemacht … beide bereiten wir uns darauf vor, zusammenzukommen und den Tod zu empfangen.
Ich möchte, dass man sich meiner kleinen Tochter erinnert. Margalit ist heute 20 Monate alt. Sie beherrscht die jiddische Sprache vollkommen und spricht sie perfekt. Mit neun Monaten begann sie verständliches Jiddisch zu sprechen. Ihre Intelligenz entspricht derjenigen von drei- oder vierjährigen Kindern. Ich prahle nicht. Leute, die es erlebt und mir davon berichtet haben, sind die Lehrer in der Schule in der Nowolipki-Straße 68 – Dr. Pollmann, Frau Blit Herzlich, Frau Zagan und andere. Mein eigenes Leben oder das meiner Frau beklage ich nicht. Ich bedauere nur dieses nette und begabte Mädchen. Auch sie verdient es, in Erinnerung zu bleiben.“
Israel Lichtenstein

Oneg Shabbat oder Oyneg Shab(b)es war der Tarnname für das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos, das während der deutschen Besatzung unter der Leitung des Historikers Emanuel Ringelblum aufgebaut wurde.
Emanuel Ringelblum und auch die Familie Lichtensztajn wurden Opfer der deutschen Mörder.
Nach dem Krieg begannen überlebende Mitarbeiter Ringelblums mit der Suche nach dem verborgenen Untergrund-Archiv. Im September 1946 wurden die zehn Blechkisten mit 1208 Archivalien tief unter den Trümmern des Hauses wiedergefunden. Im Dezember 1950 wurden bei einer weiteren Suchaktion zwei große Milchkannen mit 484 Archivalien geborgen. Von der dritten Abteilung des Archivs fanden sich an anderer Stelle nur eine Anzahl halbzerstörter Blätter. Der vierte und letzte Teil mit Ringelblums letzten Arbeiten aus den Jahren 1943 und 1944 war noch während des Kriegs bei polnischen Freunden versteckt worden und wurde später an das Museum der Ghettokämpfer im Kibbuz Lochamej haGeta’ot (Israel) abgegeben. (Wikipedia)

Oneg Schabbat ist Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Lesen Sie ……
Samuel D. Kassow: Ringelblums Vermächtnis. Das geheime Archiv des Warschauer Ghettos, Reinbek bei Hamburg 2010

Und wenn Sie im Internet nach Gela Seksztajn suchen, werden Sie ihre wundervollen Bilder finden. Und wenn Sie genau schauen, auch Margalit.