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Glauben und Autorität

Eine alte Geschichte , die mir nicht aus dem Kopf geht und die mir spätestens dann immer einfällt, wenn ich ein Stück Terra Sigillata sehe. Erst den Text und dann die Bilder 🙂
Vor Jahren frug ich mich, ob es denn aus Sicht der Rekonstruktion richtig sei, dass man bei einem bestimmten (neuen) Terra-Sigillata Becher die dicke äußere Verzierung auch an der Innenseite, quasi als Negativ, sehe konnte, da an dieser Stelle zu wenig Ton war.
Ich ging also zu einer Person von vermutetem großen Wissen, deren Namen, da auch heute sehr geschätzt, ich natürlich nicht nenne. Sie erklärte mir, dass man Terra Sigillata so produziert habe, dass man den Ton in eine Negativform reindrückte bzw. -drehte und daher das „Negativ“ auf der Innenseite völlig OK sei.
Ich glaubte ihr, eigentlich sogar schon gegen besseres Wissen. Sie hatte unrecht mit der allgemeinen Aussage „dass man so produziert habe“, was „immer“ impliziert, und bezogen auf meinen konkreten Becher insbesondere. Ich glaubte ihrer Autorität. Und jetzt sagt mir nicht, dass das Euch noch nie passiert wäre, und zwar in beiden Rollen. Ein höchst menschlichens Problem, Reenactment und Wissenschaftsbetrieb seinen mal zwei Beispiele. Und es ist einer der Probleme des Menschen, gegen die sich zu wehren besonders lohnt.
Ich bin heute noch sauer wegen dieser Geschichte mit der Terra Sigillata, natürlich auf mich und nicht die ungenannte Person!
So, jetzt aber die Aufklärung der Geschichte. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass bei einem römischen Original diesen Typs die Verzierung mit einer Tülle aufgespritzt gewesen wäre wie bei der Weihnachtsbäckerei und dass daher ein „Negativ“ der Verzierung auf der Innenseite des Bechers nicht möglich gewesen wäre. Dies nennt man Barbotine-Verzierung und ich hatte mit meinem Unbehagen recht, aber, wie gesagt, ich glaubte ihr ….
Es gibt mehrere Verfahren der Herstellung von Terra Sigillata bzw. ihrer Verzierung, wunderbar präsentiert und erläutert im Ärchäologischen Nationalmuseum Frankreichs in Saint-Germain-en-Laye, ca. 45 Minuten mit der Regionalbahn von der Bastille. Und jetzt die Bilder dazu 🙂

Barbotine-Verzierung

Kerbschnitt-Verzierung (bzw. Exzision/Inzision)

Verzierung mit Stempelung

Oder eben in eine Form (hier aus Trier) gedrückt/gedreht…

…mit einem Ergebnis wie diesem.


Aber nicht zu schnell glauben :-)))

Fette Beute heute !!!

Wieder zurück vom Römertrip nach Trier haben wir die Beute erst einmal für ein Photoshooting auf dem Tisch drapiert:

Es gab eine auch eine schöne Replik (sogar Abguss?) des Treverermännchens, die ich aus Darstellungsgründen natürlich angehimmelt habe. Der Preis war dann aber doch nicht gerechtfertigt. Und es gab eine interessante und wesentlich günstigere Alternative: Treverix saluti. Massive Bronze und signiert (meiner ist Guss Nr. 23). Lunula behauptet, er sähe mir sehr ähnlich. Besonders nach zwei Gläschen Rotem Ruwer Spätburgunder in unserem Lieblingsweinlokal. Grmbl.

Marcellus Septimus

Zwei Tage lang waren C. und T. zu Besuch. Da auch sie sich mit den darstellenden Hobbies befassen und sie noch nie in Bonn waren, haben wir einen langen schönen Tag im Rheinischen Landesmuseum verbracht. Hauptsächlich haben wir uns die römischen und germanischen Funde angeschaut. Aufgrund der künstlerisch besonders wertvollen Präsentation führte das zwangsläufig zu einer zickzackartigen Volkswanderung und moralischen Schnitzeljagd durch das Museum. Langsam habe ich mich ja damit abgefunden (*seufz*), den eigentlich ist der Bau ja wirklich schön und die Dinge, die das Haus birgt, wundervoll.

Die beiden kleinen Provinzialrömer waren auch dabei und hatten viel Spaß:

Marcellus Septimus (genannt Marcellus oder auch Matze, manchmal Mätzchen) heißt er (links) übrigens!