Archiv der Kategorie: andere Zeiten

Kunst des Hochmittelalters

Mit der Kunst des Hochmittelalters habe ich mir immer schwer getan. Ich mochte sie gar nicht und mag sie auch heute nicht so recht. Natürlich gibt es Höhepunkte, die mir manchmal mehr als Respekt abnötigen. Sogar schön sein können. Die Manessesche Liederhandschrift gehört dazu. Wie schön, wenn man die Miniaturen als Faksimile hat – eine Dauerleihgabe meines Vaters, auf die ich besonders stolz bin.

Neuartiges Gemüse

Am Samstag fand ich auf dem Büffet-Tisch Erstaunliches:



für mich sogar *Ungeheuerliches*:



Rote Beete! Roh! Und ich dachte jahrzehntelang, es gäbe sie *nur* süßsauerbäh in Gläsern. Meine Vermutung war, es handele sich um mit Cochenille gefärbten aufgeweichten Kohlrabi….

Nein! Es ist belegt. Es gibt ihn. Hatte ich noch nie gesehen.

Und er schmeckt! 50 % Kohlrabi, 30 % milder Rettich und 20 % Blumenerdearoma.

Toll!

Ministeriale, einfache Leute und eine Fischerin

Am Sonntag war es wieder höchste Zeit, das Museumsdorf Düppel zu besuchen. Nicht nur, dass wir dringend einen zweiten Tontopf zum Kochen brauchten (im Vertrauen: nicht ganz unsere Zeit, aber Qualität geht hier vor), sondern es hatten sich auch einige nicht ganz unbekannte 😉 Living History Gruppen angesagt. Zwar handelt es sich bei Düppel um ein wieder aufgebautes Dorf des 13. Jahrhunderts und die Gruppen stellten natürlich den selben Zeitraum dar, aber man ist ja schließlich nicht panisch wikingerfixiert :-).

Wie üblich habe ich mich vor den Waffenvorführungen weitgehend gedrückt, höchst interessant war aber insbesondere die gut und kompetent moderierte Modenschau:


Ministeriale

Unterbekleidung




Gut zu erkennen ist die Bruche mit den Beinlingen. Übrigens: In Haithabu wurden auch Beinlinge aus der Wikingerzeit ausgegraben.

Die slawische Fischerin




Dass sie slawischer Herkunft ist, lässt sich am besten an den Schläfenringen (hier sehr große) erkennen.

Und nicht zu vergessen: Die Musikvorführung (keine „Mittelalter-Band“!), Fischnetzherstellung, Gespräche über das Färben, Lunulas Demonstration eines Zwirnverfahrens, Teerschwelen,…..

Römer am Niederrhein

Der Bau des Wikingerzelts hat mich doch etwas mitgenommen und – confessio – meinen Basteleifer einige Wochen lang gelähmt. Kleinere Ausflüge, wie z.B. in den Archäologischen Park in Xanten, bieten Erholung von den Härten des Reenactments. Womit ich das Frühmittelalter und Borres und Lunulas Wikingerdasein einen Beitrag lang verlasse.

Die römische Kolonie Colonia Ulpia Traiana (CUT) lag neben der heutigen Stadt Xanten am Niederrhein und wurde im Gegensatz z.B. zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA, Köln) im Mittelalter nicht überbaut. Auch heute liegt die verlassene römische Kolonie CUT auf „freiem Feld“: Im Original ist kaum etwas zu sehen, denn die römische Stadt wurde bis auf die Grasnarbe als Steinbruch genutzt.

Auf dem Gelände der CUT entstand ab 1977 der Archäologische Park Xanten, in dem, da überirdisch keine Ruinen zu sehen sind, die Rekonstruktionen sehr unvermittelt aus dem Boden wachsen, z.B. das Nordtor:


Da ich von Abbildungen „romantischer“ Ruinen geprägt war, fand ich die Atmosphäre in Xanten schon als Kind sehr seltsam. Gepflegter Rasen und dann – wupps! – der Hafentempel:


Apropos „romatische Ruinen“. So manchen Urlaub habe ich in Griechenland damit verbracht, in glühender Hitze über verfallene Tempel zu steigen und mich an der Schönheit der klassischen Architektur und der griechischen Landschaft zu freuen.

Das Frühmittelalter-Reenactment hat Urlaube in den Süden erst mal verhindert, dafür aber mein Interesse an Bekleidung, Einrichtung und Werkzeug geweckt – um so mehr als im skandinavischen Frühmittelalter Marmorsäulen etc. nur spärlich gesät sind :-))

In der wieder aufgebauten Herberge der CUT, die heute als Restaurant genutzt wird, ist römische Gebäudeeinrichtung rekonstruiert worden:

Das Schlafzimmer.


Ein kleines Badehaus, hier das Warmbad (Caldarium).


 

Die Einrichtung großer öffenlicher Bäder haben sich die Kaiser und lokale Magnaten viel Geld kosten lassen. Auch Xanten als Colonia besaß gewaltige Thermen, die auf einen Gebiet außerhalb des archäologischen Parks, der bisher nur etwa 50% der alten Stadtfläche ausmacht, ausgegraben wurden. Die empfindlichen Ausgrabungen unterhalb des Bodenniveaus wurden mit einer sehr gelungenen Stahl/Glas-Konstruktion in Form des Umrisses der römischen Thermen geschützt und sind als Museum zu besuchen:


An einem kleinen Ausschnitt eines Modells der Thermen kann man den Luxus ahnen:


Derartiges, so muss man neidlos anerkennen, hatte das Frühmittelalter nicht zu bieten!