Wikinger werden.

Letztes fragte an einschlägigem Ort jemand, der sich für die „Wikingerzeit“ interessierte und sich als völligen Frischling bezeichnete, nach Wissen zu „authentischer“ Kleidung, Tracht und Aussehen, sowie nach Schnittmustern, Quellen für Stoff usw.

Was soll man antworten? Viele der bisherige Antworten waren Links auf Wikinger-Webseiten.

Ich blende mal in meinem Kopf die Fragen, die da so rumschwirren, aus:  Die nach dem Verständnis von „Wikingerzeit“, Rezeptionsgeschichte, historischen Narrativen, Politik, Szenemythen, usw. Der Frager will vermutlich damit nicht zugepflastert werden. Hilft ihm bestimmt nicht weiter. Wenn ich aber antworte, verdient er eine ernsthafte Antwort und nicht nur (auf allen Ebenen 😉 ) unreflektierte Schnittmuster. Ich versuche also:

Ich würde nicht gleich irgendwelche Webseiten als „Vorlage“ nehmen. Warum solltest Du ihnen glauben/vertrauen, gerade wenn Du anfängst? Die meisten Webseiten – auch Wikingerwebseiten – sind voller Stuss und tun wichtig, aber am Anfang kannst Du das ja kaum beurteilen.

IMHO kaufe oder leihe Dir „Spurensuche Haithabu“ (Link s.u.). Vorteile:

  1. Das Buch ist ziemlich neu.
  2. Es hat viele Abbildungen für den ersten Eindruck.
  3. Du kannst ziemlich leicht ergoogeln, dass der Autor nicht irgendwer ist. Er schreibt sogar, woher er sein Wissen hat, was nicht gerade jeder Poster, Webseitenbesitzer oder Buchautor tut. Du findest so auch raus, dass sein Wissen vermutlich aktuell ist, und nicht nur aus 70 Jahre alten Klassikern stammt! Schon mal gut.
  4. Es geht nur teilweise um Klamotten und Schmuck, aber auch um Lebensweise und Geschichte. Macht Spaß dieses Buch!

Wenn Du von der Spurensuche genug hast, nimm Dir vielleicht mal „Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig“. Jetzt bist Du direkt bei den Textilien und auch hier kannst Du abchecken, WER das eigentlich schreibt, und wie sie eigentlich zu ihrer Interpretation der paar Fetzen kommt. Und dass es hauptsächlich solche sind.

Du merkst, dass es da keine schicken Schnittmuster gibt? Blöd! Aber Du kannst jetzt weitermachen und entscheiden – tiefer in Bücher einsteigen, Dir mit deren Hilfe selbst etwas überlegen oder Schnittmuster von anderen nehmen. Ob sie „gut“ sind?

Und dann (naja, in Wirklichkeit natürlich parallel 😉 ) geh‘ auf Wikingerwebseiten, denn Du hast ja jetzt schon etwas Ahnung und eine Chance zu merken, was sie so verzapfen. Es gibt auch gute Seiten! Die meisten sind es nicht und die Aura der Autorität wahnsinniger Ahnung ist kein Argument für irgendwas. Und vielleicht weißt Du jetzt auch genauer, wohin Du Lust hast, auf Deiner Reise zu fahren? Mehr Partywikinger oder mit mehr Anspruch? Irgendwo dazwischen oder beides, je nach Veranstaltung? Alles davon ist gut, solange Du Dich nicht zu sehr selbst bescheißt bei der Frage, was Du bist 😀.

Viel Spaß!

http://www.wachholtz-verlag.de/spurensuche-haithabu.html
http://www.wachholtz-verlag.de/textilien-und-tracht-in-haithabu-und-schleswig.html

P.S.: Ich hätte noch sagen sollen: „Überlege Dir: Was ist ein Wikinger?“ Richtig. Hätte ich. Aber es hätte niemandem geholfen. IMHO.

P.P.S: Zum Nachtisch noch ’n Buch – Das Mittelalter hört nicht auf. Über historisches Erzählen. Schmeckt auch als Vorspeise. 😉

 

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