Birka I und III online

Früher nicht einfach  zu bekommen, bzw. nur bei höheren Wikingerweihen (Vitamin C) oder für viel  Geld antiquarisch, sind Birka I (Die Gräber; Text und Tafeln) und Birka III (Die Textilfunde) jetzt online verfügbar.

Aber nicht vergessen, der Heilige Gral der fremdsprachenschwachen Wikingerei ist sieben Jahrzehnte alt – die gezogenen Schlüsse sind nicht mehr unbedingt Stand der Dinge …  ;-).  Aber allein die Photos …. was es da nicht alles noch zu machen gibt!

Herzlichen Dank für die Arbeit, Birkaprojekt!

P.S.:  Ach, ich freue mich einfach immer noch, dass sie bei mir im Schrank stehen – und darüber, dass jeder jetzt leicht dran kommt.

 

Obsoleszenz / Möppern Teil IV

Gürtel sind so eine Sache. Sie halten fest, man macht an ihnen den ganzen Tag rum, ohne sie ist eine Hose unvollständig und außerdem sind sie für mich sowieso das Brot auf dem Salz der Suppe der Kleidung.

Eigentlich müsste so ein Gürtel, bestehend aus einem ordentlichen bischen Stahl und Leder, Jahrzehnte halten. Unkaputtbar. Nagut, er bekommt ein paar Schrammen und Kratzer, deswegen stimmt Jahrzehnte beim Business-Anzug nicht. Vielleicht will man ja auch mal ein besonders schickes Teil für die wachsende Wampe.

Aber, gerade frisch gegürtet, ich weigere mich einzusehen, warum Gürtel nur ein paar Monate halten. Ob für 5 Euronen vom fliegenden Händler (früher war er Handyschalenhökerer), ob von Kaufstadt für 40 Euronen oder von Juup für 90 Euronen. Hatte ich schon alle. Das „Chrom“ blättert schnell ab, die Löcher weiten sich unansehnlich, das Leder reißt vom Verschluss (kein Wunder bei der Billig-Klemmerei), Ziernähte zerbröslen oder der Gürtel spaltet sich in Längsrichtung in zwei „Zungen“, denn er war aus so einer Art Lederfurnier. Oder aus billigem Kunststoff mit Lederduft.

Ich find’s scheiße.

Die Mau-Mau-Siedlung

Die Mau-Mau-Sieldung lag direkt an der Xantener Straße. Eine Häuserzeile mit Außengang statt einzelner Balkons. Überall war Wäsche aufgehängt. Hinter der Mau-Mau-Siedlung lag die „Krankenhauser“, eine große Wiese mit Wegen und Hunden. Auf der anderen Seite das Kinderkrankenhaus.

Aus der Mau-Mau-Siedlung kamen im ersten und zweiten Schuljahr zwei Klassenkameraden. Sie waren ruppig, bedrohlich und fehlten oft. Die schlechtesten Schüler in der Klasse. Mit denen war nichts anzufangen. Nach der zweiten Klasse waren sie verschwunden. Asoziale nannte man das damals. Auch Gelbzahn kam aus der Mau-Mau-Siedlung. Der machte anderen Kindern auf der Krankenhauser die Drachen kaputt. Auch mir einmal. Am Besten hielt man sich in Richtung Krankenhaus. Möglichst weit weg von der Mau-Mau-Siedlung.

An die beiden Mitschüler habe ich oft denken müssen. Mit einer Art von Traurigkeit. Bis heute. Bestimmt ist etwas Großartiges aus ihnen geworden. Aber sie hatten einen verdammt beschissenen Start.

Heute tauchte beim Lesen die Mau-Mau-Siedlung wieder auf. Erstmal nur das Wort. Mau – Mau – Sied – lung. Gruselig. Wikipedia meint dazu: Mau-Mau-Siedlung wurden in Teilbereichen der Bundesrepublik Deutschland ab Anfang der 1950er bis in die 1970er Jahre hinein soziale Elendssiedlungen genannt, die am Rand kriegszerstörter deutscher Städte, häufig auch aus Trümmersteinen, oder als Baracken errichtet worden waren. Soziales Elend passt ganz gut zu meiner Erinnerung. Klingt jedenfalls besser als Asoziale. Und Mau-Mau-Siedlung war bestimmt ein Stigma. So wie es klang, damals.

Mau-Mau“ war übrigens eine Unabhängigkeitsbewegung in Kenia während der fünfziger Jahre. Hierzulande war Mau-Mau wohl ein Synonym für Chaos, „Anarchie“ und Gewalt.

Ich las weiter in Kosserts Kalter Heimat.  Mau-Mau-Siedlungen gab es, aber auch Klein-Koreas. Neupolen, Bolschewikien, Weihrauch-Siedlung, Ziegenhausen, Barackingen, Neu-Rom oder Kittlweiberdorf.

Wer in meiner Mau-Mau-Siedlung 1970 wohnte, weiß ich nicht.

Vertreibung aus dem Denken.

Natürlich wussten wir auch in den 80ies, dass mehr als 10 Millionen Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg unter zum Teil schrecklichen Umständen ihre Heimat verlassen mussten. Reden und darüber nachdenken durfte ein ordentlicher Linker an der Uni aber nicht darüber. Wer das tat, war ein übler Revanchist. Die das taten, waren es normalerweise auch. Die Ostverträge sind lange her. Schlesien gehört zu Polen seit 1945. So war es auch in den 80ies. Aber über die Vertreibung z.B. durfte man als Linker nicht reden, sonst war man ein Revanchist und Holocaustrelativierer. Stattdessen überließ man den Revanchisten und Holocaustrelativierern das Feld. Die Gralshüter der Moral, also die, die danach stanken nach der Revolution zu den Henkern zu gehören, wachten darüber, dass man die Fresse hielt. Meist hielt ich sie.

Die Vertriebenen sind nur ein Beispiel. Oder haben wir sie dazu gemacht? In den 80ies und hier in diesem Post? Was für eine Schande. Zum Beispiel auch die RAF oder die DDR. Die, die am lautesten gegen diese wetterten, waren Revanchisten und rechtes Pack. Waren sie auch. Und deswegen durfte man über die RAF und die DDR nichts Kritisches reden? Allenfalls nach 1 Uhr, wenn die Kneipe keinen mehr reinlies! Und die Henkerdenker manchmal nicht da waren.

So meine Erinnerung. Nicht mehr.

Wer bin ich und was bist Du?

Sind Leib und Seele zwei verschiedene Dinge, wie Descartes meinte, oder sind sie eins? Oder ist das Mentale völlig auf das Physikalische reduzierbar? Ist gar nichts jenseits des Verhaltens? Oder sind Leib und Seele quasi zwei Seiten derselben Medaille, zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen? Wie verbinden sich diese dann? Wenn Leib und Seele aber zwei verschiedene Dinge sind, wie kann man dann, gefangen in der eigenen Seele, etwas über den Anderen, das Fremdpsychische, aussagen?

Wer bin ich und was bist Du?

Philosophie des Geistes. Ein wenig habe ich darüber lernen dürfen, auch wenn schon soviel wieder im Orkus der Zeit verronnen ist. Ein Mensch, die sich mit der Philosophie des Geistes beschäftigt hat, war Hilary Putnam. Er starb im März. Hier ein Nachruf auf ihn. Ich erinnere mich.

ADORO TE CLIO DOMINA

In den letzten Wochen habe ich eine Untersuchung über niederländische Touristen in Westfalen während der Dreißiger Jahre geschrieben. Es war schwer und neu für mich. Sehr stark quellenbasiert. Mehr Forschung als neu Zusammenfassen von Sekundärliteratur unter einer Fragestellung. Puh. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, liest sich gut ;-). Mal sehen, was rauskommt.

Die Muse Clio.
Die Muse Clio. Trier, Neustraße, Mitte 3. Jhdt. n.Chr.