Mein Max Frisch und die Kunst

Ihr Ex war ein Künstler und sie lud mich auf seine erste Vernissage ein. Naja, er war noch ganz am Anfang und auf luxuriöse Häppchen mit Schampus war nicht zu hoffen. Auch nicht auf blasierte Society. Schade. Trotzdem hin, denn ich war noch nie auf einer Vernissage gewesen. Immerhin hatte ich schon Vorurteile.

An die Kunst kann ich mich nicht mehr erinnern und auch nicht an die Mettbrötchen und Cola. Dafür aber an Max Frisch.

Mein Max Frisch ist der Homo Faber. Mein erstes „ernsthaftes“ Buch. Begleitet mich seitdem und auf einmal fängt der Jungkünstler an, von Max Frisch zu reden. Es sei das wichtigste Buch seines Lebens, sagt er. „Oh, ein Seelenfreund“, denke ich, „wie schön!“ Erkannt habe er beim Lesen, dass so eine Technikerexistenz sinnlos und leer sei und er in diesem Moment beschlossen habe, Künstler zu werden. „Meine Fresse,“ fühle ich, „was für ein Flachwichser!“ Er stank nach Kleingeistigkeit und nach abgestandenen Lachshäppchen.

Kunst? Kunst ist Schrödingers Katze. Kunst ist Mammen und ist Urnes. Kunst ist die Unité d’Habitation und ihr Scheitern. Kunst ist die Bar in den Folies Bergère, die man nicht photographieren kann, und Zirnbauers Elektrodynamik. Kunst ist nichts ohne die andern, deren Teil ich bin. Ist Kant. Und Kunst ist das Eifeler Brot.

Und mein Max Frisch?

Auf der Welt sein: im Licht sein. Irgendwo (wie der Alte neulich in Korinth) Esel treiben, unser Beruf! – aber vor allem: standhalten dem Licht, der Freude (wie unser Kind, als es sang) im Wissen, dass ich erlösche im Licht über Ginster, Asphalt und Meer, standhalten der Zeit, beziehungsweise Ewigkeit im Augenblick. Ewig sein: gewesen sein.

2 Gedanken zu „Mein Max Frisch und die Kunst“

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