Schere im Kopf

Letztes Jahr. Ich erzählte einem alten Herrn von mir und er erzählte mir von seinem Nachbarn. Einsatzgruppen. Todesurteil.

Die Person war mir  bekannt. Und dennoch kam es aus heiterem Himmel. Wer erwartet heut noch solche Geschichten beim Kaffeetrinken.

Es treibt mich um. Ein Jahr lang fragte ich mich, was mich eigentlich umtreibt. Es ist das nicht Reden können. Bis zu seinem Tod erfuhr das Berufsumfeld des Mörders nichts. Die Wenigen schwiegen. Der alte Herr sagte mir, dass die Familie vielleicht bis heute nichts wisse.  Im Ort wurde geschwiegen. Ich überlegte gerade 10 Minuten, bis ich auf „Berufsumfeld“ kam. Damit man ihn nicht identifizieren kann. Wegen des alten Herrn. Wegen dessen Familie. Wegen achscheiße. Wegen mir? Ich schweige selbst. Das ist es.

Also werde ich über das Schweigen bis ins siebte Glied schreiben.

Und über die Abspaltung. Man kann nicht Goethe, Kant, die Schönheit der Eifel, Currywurst und Döner für sich in Anspruch nehmen, die Shoah aber nicht. Wenn, dann das Ganze. Auch die  Schuld.

 

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