Eifelerbrot

Köln war nicht berühmt für sein gutes Brot. Der Brötchenjunge brachte morgens eine Tüte mit der immer gleichen einen Sorte. Diese aufgeblähten bröseligen Dinger. Später am Morgen hatte der Bäcker auch Mohnbrötchen. Die Brotsorten: Weißbrot, Teebrot, Oberländer, Eifelerbrot. Und Vollkornbrot ( = Schwarzbrot) für Leute mit Verdauungsproblemen.

Gutes Brot gab es im Süden. Z.B. am Bodensee. Da hatte man um 7.00 Uhr Morgens die Auswahl zwischen mindestens 10 Sorten Brötchen: Laugeweckle, Knauzen, Wasserwecke, Milchwecke, Einback, Brezeln, Seelen, usw. Eines der Urlaubshighlights. Und das jeden Morgen!

Später gab es dann Ökobrot im Bioladen. Schmeckte schlecht. Überzeugung und Politik trieben es rein. Zu meiner Beruhigung war der Oberöko an der Uni mein bester Freund und dem schmeckte es auch nicht. Da fühlte ich mich nicht so allein. Heute weiß ich, dass es kein leckeres Brot gibt, wenn man im Rezept einfach E405 durch Dinkel oder Vollkornmehl ersetzt.

In der Zeit der großen Ketten haben sich die Dinge nivelliert. Auch bei uns gibt jetzt  überall Laugenwecken und in Hamburg Brezeln. Sie schmecken mehr so mittelprächtig. Andererseits: Besser als damals die Brötchen vom Brötchenjungen allemal.

Brot heißt heute anders, ist dunkler gefärbt und voll körnig und kernig. „Provital Multikorn Bauernkruste“ oder „Urdinkel Sonnenlaib“. Einfallsreich. Ich zeige dann immer auf das Regal und sage: „Eins von den lecker aussehenden da links hinten.“ Oder so ähnlich. Ich kann mir diese lustigen Namen nicht merken. Teebrot, Weißbrot, Oberländer und Eifeler gibt es nicht mehr. Bei Weißbrot, gemeint ist die spezielle Brotsorte und nicht allgemein E405-Brot, ist das freilich auch kein großer Verlust. Ganz frisch und mit Erdbeeren obendrauf schmeckte es gut, aber am nächsten Tag war es völlig ungenießbar. Da half auch kein Toaster.

Vor einem Jahr entdeckte ich in Schwarzrheindorf einen Bäcker, der hatte wirklich noch Weißbrot. Voll romantisch! Ich war begeistert, kaufte aber trotzdem lieber keins. Siehe oben.

Gestern aber! Ich radelte mich fit durch Beuel und sah ein einladend aussehendes Geschäft. Die Bäckerei Schlösser. Genau das Richtige für einen Pott Kaffee und ein Brötchen vor der Brückenrampe. Ich stieg also ab und sah es: Mein Eifeler Brot. Länglicher Laib, dunkle Kruste ohne Einschnitte, in Längslinien mit dunklem Mehl bestäubt und doch noch ein bisschen glänzend. Sogar eine Piccolo-Version! Gekauft und vor dem Kaffee trocken, pur und krümelnd gefuttert. Hey, das war ein richtig gutes Brot! Nicht nur retro. Nach dem Kaffee habe ich dann noch ein großes gekauft. Schmeckt auch heute morgen mit einem zwischen den Scheiben zerquetschen Osterei sehr lecker. Und so sieht es aus:

Eiferer Brot

 

Ich weiß, optisch eigentlich ganz harmlos und normal. Aber das täuscht!

P.S.: Nein, keine Bäckerkette. Aber auch bei denen gibt es große Unterschiede. Die beste  bei uns ist Gilgens. Da kann man nicht meckern. Leckeres Brot. Aber richtiges Eifeler Brot habe ich bei denen noch nicht gesehen.

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