Anton Glückspilz

Nach einem dramatischen Vormittag vor dem Urlaub war ich mit Paps und Anton Glückspilz auf dem Drachenfels.

Der geschmackvolle Sevienties-Betonriegel oben auf dem Berg ist immer noch da. Vielleicht sollte man ihn wegen besonderer Hybris zum Denkmal erklären?

Die Speisekarte (s.u.) im Restaurant enthält verdichtet die Top-Tourist-Menüs der Sevienties (mit schwachen Einsprengseln aus den 90ies). Ich hab‘ ja soo gelacht.

Übrigens habe ich ein Wiener Schnitzel mit Pommes (Schranke) und Salat gefuttert. Es war sehr lecker und empfehlenswert. Also: Auf zu einem Lauer-Sonntag-Retro-Ausflug auf den Drachenfels mit Zahnradbahn, Schloss Drachenburg und Nibelungenhalle – danach Wiener Schnitzel, Currywurst, Spagetti oder Fischstäbchen!

Tanköl

Also dass man in Skandinavien Leichtöl und Schweröl abpumpt, kenne ich ja schon. Hier in Norwegen schlucken sie aber sogar Fatöl und TANKÖL!

Gut, dass die Steuern so hoch sind.

Dieselöl soll ja der Tipp für den Winter sein.

Trikotagemuseum Bergen!

Nachdem wir letztens mit Freunden die erste mechanische Baumwollspinnerei außerhalb Englands in Ratingen besucht haben, ergab sich heute bei typischem Bergenwetter der interessante Besuch des Norwegischen Trikotagemuseums, einem der nationalen Industriemuseen.

Es handelt sich hierbei ursprünglich um eine ca. 1860 gegründete und ausgespochen paternalistisch geführte Trikotagenfabrik – in der aber bei gutem Verdienst und entsprechenden Sozialleistungen gerne gearbeitet wurde. Der letzte Patriarch starb 1967. In den siebziger und achziger Jahren brachte die fernöstliche Konkurrenz den Untergang – die quasi unzerstörbare Unterwäsche der Marke „Krone Mako“ war wohl auch nicht mehr zeitgemäß. Heute ist die Fabrik ein Museum. Bei der Führung werden die Maschinen erklärt und z.T. in Betrieb genommen. Hier einige Impressionen.

Eine kleine Kardiermaschine:

Eine große Kardiermaschine:

Das Vorgarn am Ende der Kardiermaschine:

Die Spinnmaschine, dutzende von Spulen werden gleichzeitig gesponnen:

Ein Detail der Zwirnmaschine:

Blick in eine Halle mit Strickmaschinen:

Eine Sockenstrickmaschine:

Detail der Sockenstrickmaschine. Die Führerin nahm sie in Betrieb: Sie strickt eine Socke pro Minute (die Maschine, nicht die Führerin)!!

Nyksund

Nyksund war ein Fischerstädtchen an der Nordwestspitze von Västeralen. Wie alte Photos zeigen: Ein betriebiger Ort noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, wurde Nyksund im Rahmen kommunaler Zusammenlegungen Anfang der siebziger Jahre aufgegeben – der Hafen war wohl auch zu klein geworden für modernere Schiffe. Der Ort verfiel, Photos aus dieser Zeit zeigen verfallende, langsam schief stehende Gebäude. Eine Geisterstadt. Nur der alte Schmied habe sich angeblich geweigert, Nyksund zu verlassen.

Anfang der achziger Jahre besuchte Karl-Heinz Nickel auf einer Lofotenrundreise den Ort. Karl-Heinz Nickel war ein deutscher Sozialpädagoge, erlag dem verfallenden Ort und entwickelte mit der QuaBS und der Uni Berlin das Projekt Nyksund. Im Rahmen von erlebnispädagogischen Maßnahmen haben hunderte von Jugendlichen daran mitgewirkt, Nyksund wieder aufzubauen.

Das Projekt Nyksund bzw. QaBS wurde 1988 der erste Träger des Europäischen Umweltpreises „Kulturelles Erbe“, den Karl-Heinz Nickel entgegenahm. Die StudentInnenschaft an der Math.-Nat. Fakultät der Uni Köln veranstaltete damals eine Ringvorläsung zu verschiedenen Themen neuer sozialer Bewegungen. Wir luden Karl-Heinz Nickel ein, über das Projekt zu berichten. Sein Vortrag war leider schlecht besucht – schade, denn er war sehr interessant und Karl-Heinz Nickel konnte den Funken seiner Begeisterung überspringen lassen. Wir, die wir als Teil der stundentischen Organisation die Ringvorläsung organisiert hatten, sind heute verstreut und z.T. schon tot. Damals träumten wir alle (ein wenig?) den Traum, eines Tages Nyksund zu besuchen. Ich weiß nicht, ob irgend jemand tatsächlich dort war. Udo nicht und der ist nicht mehr. Klaus vielleicht. Am ehesten Klaus, der so ernsthaft war. Ich habe oft an Nyksund gedacht.

Und jetzt war ich doch auf den Lofoten. Wir sind also nach Nyksund gefahren. Als ganz normale Besucher mit Mietwagen. Einige gemütliche schöne Stunden. So hat sich das Hobby „Living History“, das die Idee zu einer Lofotenreise entzündete, mit der alten Geschichte berührt.

Das Projekt Nyksund schlief nach ca. 10 Jahren ein. Karl-Heinz Nickel blieb und half, dass Nyksund nicht wieder verschwand. Er starb 2001 bei einem Erdrutsch.

Heute ist Nyksund ein kleiner Ort am Rande des großen Ozeans, der wohl hauptsächlich vom Tourismus lebt. Es scheint zu gelingen, dass die wiederaufgebauten Hafenhäuser erhalten bleiben und nicht durch hässliche „Fischerhaus-Ferienhäuser“ ersetzt werden. Vielleicht wäre der Preis „Cultural Heritage“ auch heute noch berechtigt.

Es gibt auch ein lohnendes Museum, das vom alten Nyksund bis 1972 berichtet. Von der neuen Geschichte und Karl-Heinz Nickel berichtet es nicht. Diese ist wohl noch zu neu, obwohl auch schon wieder in Gefahr vergessen zu werden.

Essen gehen und gemütlich sein muss man unbedingt in der Holmvik Brygge. Kein Latte-Macciato-Schnullibulli, sondern Bodenständigeres serviert vom Düsseldorfer Wirt, der wunderbar erzählen kann und so freundlich ist.


Übrigens war Nyksund der nördlichste Ort auf unserer Reise auf genau 69 Grad Nord und Konstantin Rotmütze bestimmt der nördlichste Klopfer von allen:

P.S.: Heute bin ich sentimental. Ja. Genau.

Den Polarkreis überfahren….

Heute morgen um etwa 11:00 Uhr haben wir den Polarkreis von Norden kommend überquert. Der Herr Kaleu der MS Midnatsol sagte es netterweise durch und unsere GPS bestätigten es. Genau auf dem Polarkreis befindet sich ein kleines Inselchen, auf dem sich zur Markierung eine Weltkugel befindet:

Auf dem Nachbarinselchen befindet sich ein hübscher Hof. Bestimmt wohnt dort der Polarkreiswächter.