Blaue Wikinger

Anno dazumal, nämlich 2004, war das Thema Farben ein recht stressbelastes in meinem Umfeld. Gefärbte Gewandung war ‚eh eigentlich bäh, reichlich Metallgebimsel und Glasperlen an Brust und Gürtel freilich nicht. Es war die von den Autoritäten gesicherte Tatsache, dass blau die Farbe der Könige war. Bei der bekannten große Zahl von Wikinger-Königsgräbern ist dies ja auch leicht zu belegen 😉 .

Trotz aller Autoritätsgläubigkeit blieb die Farbe blau damals ein blauer Fleck auf meiner Wikingerseele.

Da ich ja auch gelegentlich zu einem Buch greife, hier ohne weiteren Kommentar ein Zitat aus „Viking Clothing“ (Thor Ewing, 2006):

„Among textiles from Scandinavia, there is an overwhelming preponderance of fabrics dyed with woad. …. and woad was already been grown in Denmark by the Roman Age. …. Birka-type fabrics are usually dyed a deep blue, as are the fine shortwool tabbies which are also found in high-status graves. Blue is also by far the commonest colour for clothing in the sagas.“

Jorvik Viking Festival

Vor zwei Wochen waren wir als Besucher auf dem Jorvik Viking Festival in York (England). Recht feudal haben wir uns Bead & Breakfast gegönnt – mit Himmelbett, Sherry und Tee auf dem Nachttisch und natürlich englischem Frühstück inklusive Saussage (frisch gebraten natürlich) und Black Pudding.
Das ganz reizende von einem sehr gastlichen und freundlichen Ehepaar geführte kleine Hotel hieß „The Bentley“. Wikinger hatten da wohl noch nie übernachtet und schon gar keine Wikinger aus Deutschland.

Somit wurden wir bei dem einzigen Mal, als wir in Gewandung (oder „Klamotte“, wie man heutzutage pc sagt) ausgingen, natürlich vom Landlord und seiner Frau vor dem „The Bentley“ photographiert:



York ist eine Reise wert. Mindestens einen Woche allein, um die wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten mit der gebührenden Ehrfurcht und genügend Zeit abzuklappern.

Wir waren

1.) im Münster (von außen gefällt es mir ja besser).

2.) im Yorkshire-Museum: Römer, Angelsachsen, Wikinger – sehr lohnend.

3.) im Jorvik Viking Centre: abgesehen von dieser Phantasialandbahn mit künstlichem Güllegeruch ein Muss, z.B. die Original Yorksocke ist zu sehen.

4.) im DIG: Selbst ausgraben (OK, die Erde ist aus kleinen Gummischnitzeln) und Funde sortieren – besonders für Kinder lehrreich und unterhaltsam. Die Führerin zeigte eine große Stück echte „viking poo“, das man auch anfassen durfte, und erklärte, dass dies archäologisch hochinteressant ist. Offensichtlich und klar (Ernährung, Krankheiten,…), aber etwas shocking.

5.) auf einem Spaziergang über die mittelalterliche Stadtmauer.

6.) natürlich auf diversen Veranstaltungen im Rahmen des Festivals, z.B. bei der Schlacht und auf dem 10th Century Market.

7.) leider keine Woche in York.

Als Kontinentaleuropäer fand ich es seltsam, dass es auf dem Festival kein Lager „auf der Wiese“ gab. Fast alles indoor oder in der Fußgängerzonen. Ich muss ja nicht wirklich verstehen, warum dieses zentrale Event unbedingt im Winter stattfinden muss….

Selbst wenn wir keine Museen besucht hätten (zugegeben, unvorstellbar!): Eine wunderschöne Stadt mit Parks, Klosterruinen, Festung, lauschigen Plätzchen am Ufer, vielen kleine Geschäften und freunlichen Leuten.

Der Reenactor trifft sich mit Gleichgesinnten abends im „Kings Arms“ um ordentlich ein paar Bierchen abzupumpen. Sehr britisch und mit schweizerischen Einschlag ist „Betty’s Afternoon Tea for Two“ bei Betty’s – um wieder etwas feudaler zu werden 🙂
Schwierig ist es, abend mit Kindern auszugehen. Selbst wenn sie nur ne Cola trinken, werde sie in keinen Pub reigelassen, was dazu führte, dass wir den Abend des Valentinstags bei Pi**a Hut verbracht haben. Naja, wenigstens eher billig und mit Pepsi-Free-Refill – England ist nämlich insgesamt ein teures Pflaster.

Unser Reeanctment-Budget haben wir hauptsächlich in Büchern angelegt, z.B. ein neues Buch von 2006 zur Bekleidung der Wikinger. Ein kleiner preiswerter plattengenieter Topf hat es auch noch nach Köln geschafft. Und noch eine Ringnadel, mehr als Andenken.

Unbedingt zu erwähnen sind die lieben Bekannten (von wegen Kinder und Pi**a Hut :-)) ), die uns York besonders versüßt haben.