Visby-Laternen und andere Anachronismen

Ich mache hier mal einen „Thread“ auf mit der Frage nach Anachronismen wie die Visby-Laterne auf. Gesucht sind Ausstattungsgegenstände, die sich im Frühmittelalter-Reenactment *breit* durchgesetzt haben (oder hatten), aber *offensichtlich* *völlige* Anachronismen sind.

Ich fange mal an:

1) Steckstühle
2.) Visby-Laterne

Was fällt Euch noch ein?

27 Gedanken zu „Visby-Laternen und andere Anachronismen“

  1. Hm,
    da Du die Steckstühle erwähnst, meinst Du sicher das, äh, ganze Spektrum des Frühmittelalter-Reenactments. Deshalb traue ich mich hier:
    3.) Trinkhornhalter am Gürtel.
    4.) Geschmiedete Trinkhornhalter, auf den Tisch zu stellen.

    Gilt übrigens auch
    5.) Feuerschale?
    (wissen alle, dass es das nicht gab, entspricht also mehr dem Wunsch der Veranstalter als dem Darstellungsinteresse der Reenactors…)

  2. Da sind ja schon die wichtigsten genannt 🙂 alles diejenigen, die mal in irgendeinem Bilderbuch drin waren und dann kritiklos übernommen wurden.

    Diese kritiklose Überhahme von Behauptungen habe ich noch erlebt bei

    7. der Küchenzwiebel

    🙂

    Auf Nachfrage konnten mir dann die betreffenden Gruppen keinen Beleg nennen; sie haben es im Endeffekt alle aus einem Touristenkochbuch übernommen…

    Hallveig

  3. Einen hab ich noch… 9.) Brettchenborte mit Widderhorn-Motiv

    Bei gewönlichen Schnurbindungs-/ 4/4-Mustern bin ich vorsichtiger, dafür gibt es zwar keinen konkreten Beleg, aber ich würde es auch nicht unter _offensichtlich_ anachronistisch fassen. Obwohl … das berühmte Motiv „vorne Thorshammer, hinten A“ … *grübel*

  4. Kopftuch etc. Kopftuch bei Frauen… oder hat jemand einen Beleg? Ich suche noch immer nach was besseren.

    Übermässig viel Stickerei, insbesondere
    natürlich „keltische Flechtmuster“

    Wo wir grad bei „keltisch“ sind: sehr beliebt sind ja auch die großen Baumwolltücher mit „keltischen“ Motiven als Tischdecke oder Shopdeko… aaarghh!

    1. wg: „Übermässig viel Stickerei, insbesondere
      natürlich „keltische Flechtmuster“ „

      Au ja! Die mit skandinavischen oder „keltischen“ Motiven reichlich besticketen Kleider und Tuniken sehen ja wirklich oft superschick aus aber leiderleider …

      Als Mann hat man es ja besonders schwer 😉 . Außer einer Ringfibel und einer Gürtelschnalle ist schmucktechnisch ja ganz wenig zu holen.

      Wenn man mal von Waffen/Rüstung absieht, die ja auch so ihre spezifischen Probleme haben :-)) , sieht Mann dann gar nicht mehr wie ein „richtiger Wikinger“ aus. Ich gebe zu, dass ich mit diesem Problem („wikingertypisch“, Eitelkeit) auch schwer zu ringen habe 🙁 .

      Das mit den Dreiflammern finde ich auch fies, wir werden ihn wohl nicht mehr mitnehmen *seufz*. Immerhin sind die Tonlampen mit einem breiten Docht auch ordentlich hell, leider kann man sie nicht nachfüllen. Hmmm … vielleicht sollte man sich eine Talgschmelzpfanne (bestimmt Mega-Un-A) anschaffen? 2-3 Tonlampen plus Talgschmelzpfanne?

  5. @ceadh wg. Feuerschalen
    (1)nur weils die Römer hatten, muss es nicht auch im MA existiert haben (gibt viele Beispiele),
    (2) ich kenn von den Römern nur Kohlebecken, die man ins Zimmer stellt, aber ist nicht meine Hauptbaustelle,
    (3) Feuerschale = neumodische Metallschale zum Lagerfeuer drin machen, oft aus alten Heizkesseln, Öltanks etc. geschweißt. Geht auch z. B. mit Grillkohle.
    (4) Feuerkorb = neumodisch aus Metallbändern zusammengeschweißter Korb, der sich nur für Brennstoff eignet, der nicht schon vor dem Anzünden durchfällt.

    Veranstalter von MA-Events „auf der Wiese“ verbieten oft das Buddeln von Gruben, ob aber die Feuerschalen für die Grasnarbe besser sind als später wieder reingesetzte ausgehobene Grassoden, ist fraglich. Wäre mal einen eigenen Blog-Eintrag wert.

  6. Visby laternen und Steckstühle Was sind denn wir für sogenannte Reenactors die nur noch grabfundgläubig sind.Die Wikinger segelten nach Amerika und bauten Topschiffe dafür und für andere Zwecke.Den Scherenstuhl kannten schon vor 3000 Jahren die Ägypter und die Römer nahmen ihn später auch für sich in Anspruch.Glaubt denn wirklich einer,das die Germanen oder die Nordmänner nur am heimischen Feuer sassen.Nein,denn Handelsfahrten nach Konstantinopel,Sizilien und sonstwo haben ihnen auch die dortige Kultur nahegebracht.Warum sollten sie nicht was von dort mitgebracht haben oder auch selbst entwickelt haben.Von den Arabern und den anderen Kulturen weiss man auch,das sie Lampen und Laternen hatten.Aber wenn man denNordmännern und-frauen in Visby natürlich nichts zutraut,dann gibt es natürlich keine A-Lampe.Dann sollten wir auch so fair sein und Kamelmist oder Rinderdung zum Heizen nehmen und mit Talg die sogenannten lampen betreiben,denn es gab bestimmt auch nicht so viele Bienen damals um Wachs für Lampen zu liefern.Oder liegt es daran,das vielleicht die Bienenstöcke noch nicht gefunden wurden.Wir sollten unsere Hoffnung in eine immer besser werdende Archäologie setzen die vielleicht eines Tages bei Römers das elektrische Licht findet.Wer weiss?
    Gruß Thorvald

    1. Eine Sache der persönlichen Grenzen… Die Einen richten sich eben eher nach Dingen, die gefunden worden sind, die Anderen nehmen noch unzählige andere Dinge vom anderen Ende der Welt und aus ganz anderen Zeiten hinein frei nach dem Motto „nur weil es nicht gefunden wurde, heisst es ja nicht, dass es das nicht gegeben hat“.

      So muss halt jeder für sich entscheiden, ob und wie er sein Hobby gestaltet.

      Es ging in diesem Thread ursprünglich um das Thema „Dinge von Anderen abgucken ohne zu hinterfragen“. Für mich persönlich hat das unter Umständen schon mit Bequemlichkeit und Kritiklosigkeit zu tun.

      Es ist eben auch Geschmackssache, ob man sich -als Beispiel- damit zufrieden gibt, oberflächlich ein Was-ist-Was-Buch zu lesen und den Rest von anderen Gruppen kritiklos abzugucken, oder den Dingen lieber auf den Grund gehen möchte, indem man auch mal in einen Fundbericht hineinschaut.

      Ich würde mich auch mit einer Zahnbürste bewaffnet in ein Erdloch in Haithabu begeben in der Hoffnung, irgendwann etwas auszugraben. Andere wollen eben am liebsten nur die Lagerfeuerromantik, weil ihnen alles weitere zu anstrengend wäre.

      Jedem das Seine 😉

      Gruß,
      Hallveig

  7. Auch wenn ich jetzt erst über Euren Blog gestolpert bin, fällt mir zu diesem „Thread“ die
    gesteppten „Sofa-Gambesons“ aus Glanzleder ein, die man bei div. Dengeleien so sieht.
    Meines Wissens gibts da auch keine Funde oder Abb., wenn Gambi dann aus dickem Filz oder gestepptem Wollstoff. (Kann man auch mal waschen…)

  8. Eitelkeit > Ich gebe zu, dass ich mit diesem Problem („wikingertypisch“, Eitelkeit) auch schwer zu ringen habe 🙁 .

    Ach, Borre, als Wikingerdarsteller mit Kontakten in den Osten darf man doch Kleidung mit „schwulen“ Farben (ich sag nur rosa) tragen und auch mal in den Schminktopf greifen. *ggg*

  9. Bernsteinbrocken Hui, das ist ja mal ein interessantes Thema.
    Hab auch meine 5Pfennig dazu:

    Grobe, ungeschliffene Bernsteinbrocken, die für Ketten oder Gehänge aufgefädelt werden.
    Muß zwar zugeben, daß ich sowas auch mal besessen habe, aber nachdem ich mich dann doch etwas ausführlicher mit meinen Büchern befasst habe, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß es ein No-Go ist.

    Aber die Dreiflammige werd ich vorerst nicht aussortieren, da sie bei mir ohnehin nur abends auf den Tisch kommt, und einfach nur praktisch ist. Da kann so schnell nix verschlabbern und gegen Wind ist sie auch recht resistent. erst wenn sich eine für mich akzeptable Alternative gefunden hat, wandert sie aus dem Fundus. Und mit akzeptabel meine ich z.B. auch platzsparender in der Materialkiste.
    Überlege grade, mir Feuerschalen aus Speckstein zu machen.

    Liebe Grüße
    Rigani

    1. Hui, die Rigani – das ist ja nett!

      Jau, diese post-stylishen Bernsteinbrocken sind wirklich sehr deplaziert.

      Aber Feuerschalen aus Speckstein – sind die nicht etwas schwer? Ich meine, wenn ich meine Alter-Heizkessel-Feuerschale für das Lagerfeuer durch eine Speckstein-Feuerschale ersetzten würde, bräche mein Auto bestimmt zusammen!

      Viele Grüße
      Borre

    2. specksteinschale hi borre,
      wollte eigentlich direkt auf deinen beitrag antworten, aber irgendwo fehlte dafür die schaltfläche. also antworte ich mir jetzt mal selbst :o)
      also, wiiiie schwer speckstein ist, habe ich heute nachmittag gemerkt, als ich meine inzwischen verstaubte tüte mit den brocken aus dem keller gezerrt habe. und weil ich manchmal gerne etwas großzügig arbeite, mußte es natürlich das größte stück aus besagter tüte sein.
      als ich es hochhob, knickte dann auch gleich mein handgelenk einfach so zur seite weg, denn das ding wiegt anscheinend tonnen.
      naja, wenn ich alles weggeraspelt und gesägt habe, dann ist es nicht mehr ganz so schwer, aber es ist immer noch ganz schön heftig.
      wenn es bei den akzeptablen alternativen auch um das thema gewicht geht, dann ist die specksteinschale sicher nicht in dieser kategorie zu finden. aber es macht mal wieder spass und ich freu mich aufs ergebnis. ansonsten ist es ja auch was schönes für den garten. mutti freut sich über alles, oder wie war das?
      na, mal schauen wie sie wird. vielleicht darf sie ja doch mit auf die märkte. (also nicht die mutti, sondern die schale)

      rigani

  10. @Rigani:
    *Kicher*, eigentlich wollte ich Dich mit der Specksteinfeuerschale ein bischen verulken, ich hatte gedacht, dass Du eigentlich eine Lampe aus Speckstein meintest, aber gut, dann wird es wohl wirklich eine Vogeltränke für den Garten. Auch was Schönes 🙂 !

    @Beate:
    Ich habe gestern die Specksteinlampe bei historiska.se gesucht und leider auch nicht gefunden. Nun ist Lund ja eine späte Gründung – nicht dass es eine Homi-Lampe ist? Um die Moesgard-Lampe scheint es ja auch tragisch zu stehen 😉 .

    Viele Grüße
    Borre

    1. Zelte, die wie Häuser eingerichtet sind. Jeder weiss, dass die aktuell bekannten zeltformen (Getelt und Wedge-Tent) aus Heerlagern stammen (Makabäer Bibel. Utrrecht Psalter), trotzdem werden sie zur Zivildarstellung genutzt. Würde ein Wiki sich ein Schwert zum Holzhacken kaufen wäre der Aufschrei gross, aber Armeeunterkunft für Zivilisten? Klar, her damit, ist doch ne Notwendigkeit!

      Aber Notwendigkeit ist ja, wenn man sich die einschlägigen Foren durchliest, kein Argument (wie die immer wiederkehrende Brillendiskussion beweist) sondern nur ein, je nach Sichtweise/Thema, verschieden bewerteter Faktor. Dass kaum einer eine transportable Hütte hat, ist (genau genommen und Erbsen zählend) kein Argument dafür in einem falschen Unterschlupf zu schlafen. Genau genommen wird so dem Besucher ein Bild von in Zelten lebenden Nomaden vermittelt, das schlicht falsch ist. Wird dieses Zelt dann auch noch mit häuslicher Keramik anstelle von Reisegeschirr gefüllt, ist das multi-kulti Chaos perfekt. Würde man konsequent sein, würden Events nur noch in Museen mit Häusern veranstaltet oder zur Unterkunft Wohncontainer, Wohnwagen und Igluzelte abseits der VA genutzt. Wäre aber schrecklich un-ambientig. Will aber keiner zugeben, denn Ambiente klingt ja so schrecklich nach Lagerfeuerromantik und LARP.

      Ich bin der Meinung, dass man sich entweder derartige Notwendigkeiten zugestehen kann (dann aber bitte auch die Füsse still hält bei der Bewertung anderer), denn schliesslich ist es ein Hobby und keine Obsession, oder ähnlich wie bei der Brillendiskussion geraten „die Zähne zusammenbeisst und durch“ (Sprich am Lagerfeuer im Mantel eingemummelt schläft) oder eben „die Rahmenbedingungen akzeptiert und fernbleibt“, was ja oft bei mannigfaltigen Diskussionen als Alternative genannt wird.

    2. Hallo Borre,
      ich bin auf deinen Blog gekommen, weil ich schon seit Wochen ein Bild der Specksteinlampe aus Lund suche, oder zumindest eine Quelle/Buch, in der das ganze abgebildet ist. Kannst du mir zufällig weiterhelfen? Gruß, Anja

    3. Foto Specksteinlampe Ich habe das Foto von der Specksteinlampe schon im Jahe 2005 gespeichert, da kannte ich historiska.se noch nicht. Und zu der Ziet habe ich als damals blutiger Anfänger auch noch nicht jedesmal die Quelle der Bilder notiert.

      Ich würde mal im Wikinger, Waräger, Normannen-Katalog gucken.

      @Anja: die Lampe sieht ähnlich aus wie die Keramiklampen, nur nicht so kelchförmig, sondern wesentlich flacher.

  11. Hallo Walter, dem ist wenig hinzuzufügen 😉 Also ich mag Ambientecamping und Lagerfeuerromatik. Und warum nicht auch mal vor der „normalen“ Welt ein bischen fliehen? Das machen die meisten Leute im Urlaub …. Ich mag auch anspruchsvollere Veranstaltungen, bei denen man in Museumshäusern schläft. Und ich mag auch streng unromantische Veranstaltungen in völlig modernem Ambiente, bei denen man abends zuhause oder bei Freunden schläft und Pizza essen geht. Unterschiedliche persönliche Ziele, unterschiedliche Ziele der VA und last but not least: Unterschiedliche Zielgruppen.

    Achja: Ich nehme mal an, dass Du Walter R. bist und nicht Walter Hase 😉

    Viele Grüße
    Borre

    1. Mein Name ist Hase … nicht… Hi,
      da gehst Du recht, ich glaub ich bin auch der einzige Wiki mit Zelt Paranoia 🙂

      Aber abgesehen davon: Ja, Lagerfeuer sind toll! Aber sowas von!

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