Viking Heritage Magazine vor dem Aus!

Das Viking Heritage Magazine, die einzige mir bekannte ernsthafte Publikation für den interessierten Laien zur Wikingerzeit im Kontext Archäologie und Living History, ist ernstaft bedroht. Eure Unterstützung ist erforderlich!

Zitat aus dem Vikingnet:

„Für alle unsere „Wikis“: Falls Ihr immer schon mal mit einem Abonnement des Gotländischen Magazins „Viking Heritage Magazine“ geliebäugelt habt, jetzt wäre die richtige Gelegenheit, eben dieses zu erwerben, oder doch zumindest seine Absichten dem Assistenz-Professor und Redakteur Dan Carlsson mitzuteilen (dan.carlsson@hgo.se). Das Magazin hat nämlich leider finanzielle Probleme und trägt sich offenbar nicht mehr selbst.

Am 8. Dezember findet eine Besprechung der verantwortlichen Redakteure und Geldgeber statt, bei der über die Zukunft des Magazins entschieden werden soll. Im Moment sind die Abbonnements -links online nicht erreichbar, emails etc an Dan Carlsson werden aber hoffentlich die nötige Überzeugungskraft haben, um das Magazin am Leben zu erhalten.

Das „Viking Heritage Magazine“ ist eines der wenigen Möglichkeiten, direkt an den Ergebnissen von Ausgrabungen etc teilzuhaben und die Leute in Gotland stehen selbst voll dahinter und sind auch super hilfsbereit. Also, wenn ihr (auch als Gruppe) etwa 20€ im Jahr über haben solltet, es wäre es wert!“

Nachtrag I zu: „Der anachronistische Zug I: Das Trinkhorn“

Die Reenactment-Saison ist vorbei, die Museumssaison beginnt. Und schon stößt man, hier im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Bärlin, wieder auf Trinkhörner:

Glas-Trinkhorn, Anfang 5. Jahrhundert n. Chr, Nordfrankreich:


Hier ein wunderschönes Exemplar aus einem Fürstengrab Typ Lübsow (Dänemark und südl. Ostseeraum; ältere röm. Kaiserzeit):


Natürliche sind beide Hörner nicht wikingerzeitlich. Offenbar ist das Trinkhorn aber, zumindest als Statussymbol der Reichen und Mächtigen (Silber, Glas!), über viele Jahrhunderte nichts Ungewöhnliches gewesen.

 



Beiträge zur Krildenforschung XVII

Krildische Trinkhörner sind gut belegt (s.u. Abb. 3). T. Flachskopf (1997 ff.) zeigt, dass als sicher angenommen werden kann, dass sie als Aufbewahrungbehältnis für Schötelwasser dienten.
Mein ursprünglicher Artikel läßt sogar die afrikanische Herkunft bestimmter krildischer Königinnen (Watussi < krildisch Wa?-Tussi! < protokrildisch *Vtsî ) wahrscheinlich werden.


 

Saisonrückblick 2005

Allerheiligen 2005


Die Reenactment-Saison ist vorbeif und meine Mittelalterallergie („Nachsaisonloch“) glücklicherweisfe auch. Allerheiligen, gerne auch Samhain, wenn ihr mögt, ist, trotz der kölner T-Shirt- Temperaturen, ein schöner Tag, die vergangene Saison Revue passieren zu lassen.

Begonnen hatte sie unter denkbar unerfreulichen Umständen. Der Mittelalterverein, mit dem wir 2004 unterwegs waren, und wir gingen auseinander. Immerhin war es ein formal freundliches Ende und wir versprachen uns gegenseitig, üble Nachrede zu vermeiden. Zwar gab es hiervon sehr unerfreuliche Ausnahmen, einen Großteil der Leute treffe ich aber auch heute noch gerne wieder. Mit dem Verein nahmen Lunula und ich 2004 an Veranstaltungen wie Herzberg und Tannenberg teil; die Kontakte, die wir dort aufgebaut haben, waren für uns 2005 von unschätzbarem Vorteil. Sagen zu können „wir waren letztes Jahr schon da“ vereinfacht eine Anmeldung sehr.

Im März 2005 standen wir ziemlich nackt da: Kein Zelt, kein Tisch, keine Bank, kein großes Auto,….
Glücklicherweise besitzen Freunde von uns – auch Abspaltungen des Ex-Vereins – einen großen Keller und eine Industrienähmaschine. Behindert durch die verspätete Lieferung des aus Indien heranzuschiffenden Zeltstoffs, aber beschleunigt durch S.s große Näherfahrung entstanden zwei Wikingerzelte (Oseberg) – nicht nur wir brauchten dringend ein eigenes Zelt!

Wie das ganze transportieren? Ein ganzes Lager mit Zelt, (noch geliehenen) Bänken und Tisch, Feuerstelle, Decken, Bekleidung usw! Ein Auto mußte gekauft werden. Mein erstes eigenes Auto, wenn man von dem dreimal-rotes-Nummernschild-Käfer von vor über 20 Jahren absieht! Jaja, auch ich habe schon einen „bunten“ Bart…. (Kannten die Wikinger eingentlich schon Haarfärbemittel?)

Groß-Pinnow war dann unser erstes eigenes Lager, leider nur mit einem Zelt, den unsere Freunde wurden krank. Es war eine wunderbare Erfahrung (das Lager, nicht die Krankheit!): Man mochte uns überall und unsere Nachbarn wollten uns möglichst bald wieder treffen. Ich meine, zu einer Trennung (Verein) gehören immer zwei und man darf und sollte auch die eigene soziale Kompetenz gelegentlich anzweifeln. Vulgo: Ich war ziemlich angeknickt und Groß-Pinnow war prima für mein Midlife-Crisis-Ego 😉
Mit Verein waren wir als Neulinge ziemlich abgeschottet, man wird zwangsläufig als „zu denen da gehörig“ eingeschubladet. Alleine unterwegs war es viel einfacher, Leute kennenzulernen.

Im zweiten Lager, Blankenburg, war niemand krank und wir waren zu fünft unterwegs. Wieder etwas neues: Ein gemeinsames Lager! Streß im Lager? Böse Blicke? Hilfst Du mir endlich beim Kochen? Wo ist der schon wieder? Schweigen? Soziale Kontrolle? Warum muß ich schon wieder abspülen? All dies nur gedacht und nie gesagt? NEIN! Es war ein wunderbar entspanntes Lager, wir vertrugen uns prima und zusammen mit Templern war kochen und zusammenleben nur Freude und gute Laune.
Eins lernten wir freilich: Wenn es nicht eine ganz besondere Veranstaltung ist, ist ein reines Wochenendevent zuviel Aufwand. Blankenburg: Packen am Vorwochendende, Anreise nach Berlin am Donnerstag, Lunula einpacken und ab nach Blankenburg Freitag, Lager Freitag abend bis Sonntag nachmittag, Abbau und Rückfahrt nach Berlin am Sonntag abend, zurück nach Köln am Montag …. ein schlechtes Verhältnis Lager/Logistik.

Zu Herzberg sage ich auch jetzt nichts, traurige persönliche Gründe haben uns die Veranstaltung verdorben.

Der Höhepunkt des Jahres war Eu. Definitiv. Elf Tage Reenactment! Vive la Normandie! Thorsaie! (Was auch immer der Schlachtruf Thorsaie eigentlich heißt. Ich muss endlich mal fragen.)
In Eu waren wir wieder zu viert und es war die allerschönste Veranstallung bisher. Meinten alle vier und dann muss es ja wohl stimmen. Mit unseren liebenswerten Nachbarn haben Lunula und ich in Tannenberg dann gemeinsam gelagert.

Tannenberg, das Szenejahresaubschlusslager, war, wie es sich gehört, sehr schlammig, aber schön. Unsere Ausrüstung hielt tapfer stand. Nächstes Jahr sind wir bestimmt wieder da. Heimbach, das Lunula und ich nur als Tagesgäste besuchten, war das „Winkewinke-bis-nächstes-Jahr“. Genau.

Bis nächstes Jahr! Guten Rutsch! God Jul! Möge „das mach ich dann im Winter“ wahr werden!

P.S.: Das Blog macht natürlich schon vorher weiter.