Der anachronistische Zug II: Hörnerhelme!

„In lockerer Folge“, so steht es in meinem Betrag zu den Trinkhörnern, schreibe ich zu Anachronismen und zu Reenactment-Moden des dritten Jahrtausends. Es folgt Teil zwei:

Hörnerhelme

Hörnerhelme zählen zu den offensichtlich prägenden Attributen eines Wikingers. Nach einschlägigen Hollywoodschinken, nach Hägar und spätestens nach Wickie weiss man Bescheid. Oder nicht? Oder doch?

OK, hier ist ein Hörnerhelm aus dem Nationalmuseum von Kopenhagen, gefunden in Visko (ca. 800 – 400 v Chr):


Eine kleine Statuette, auch aus dem Museum in Kopenhagen:


Quod erat demonstrandum? Leider nicht, denn diese manchmal auch in „Wikingerbüchern“ abgebildeten Objekte stammen aus der Bronzezeit Dänemarks und dienten wohl zu zeremonialen Zwecken. Von Wikingern ist in der Bronzezeit nicht die Rede. Mist aber auch!

Na, die dänischen Museumspädagogen müßten es doch wissen – ein Besuch im Schiffsmuseum von Roskilde ergab dann auch reichlich Hörnerhelme:


Die Pädagogen hatten diese Schulklasse mit Hörnerhelmen und „Jutesäcken“ bekleidet. Aha. Das spricht doch eindeutig für Hörnerhelme? Nice try!

Was sagt denn die Archäologie? Der meines Wissens einzige Helm, der eindeutig Wikingern zugeordnet werden konnte, ist der
„Brillenhelm“ aus dem Fund von Gjermundbu, der auf der Website von Stephen Francis Wyley abgebildet ist. Es ist kein Hörnerhelm.

Auf zeitgenössischen Darstellungen, findet man öfters Nasalhelme, z.B. auf dem Teppich von Bayeux:


Und doch! Auf dem Oseberg-Teppich aus dem gleichnamigen Schiffsfund ist links oben eine Person mit Hörnerhelm abgebildet, wohl im Zusammenhang einer Prozession.

Der berühmte Anhänger aus Ribe will nicht vergessen werden. Die beiden „Vögel“ werden oft als Hugin und Munin interpretiert, die Begleiter Odins, der Anhänger ist vielleicht ein Amulett.

Also: Hörnerhelme hat es in der Wikingerzeit als Schutzbewaffnung von Kriegern nicht gegeben – um ganz exakt zu sein: sie sind nicht belegt und als Bewaffnung auch unsinnig. Im Zeremonialzusammenhang sind sie aber durchaus bekannt, um so mehr als „gehörnte Götter“ nichts ungewöhnliches sind, z.B. auf dem berühmten Kessel von Gundestrup aus Dänemark. Der ist aber nun wieder keltisch *seufz*.

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