Messer- und Zeltbau

Lang ist meine ToDo-Liste:
Heute habe ich mit dem Messerbau angefangen (nein, leider nicht selbst geschmiedet) und den Griff für die „kleine“ Sax geraspelt und vorgeschliffen. Der Buchsbaum hat aber zuviele kleine und häßliche Astlöcher. Wahrscheinlich brauche ich neues Holz…:

Die Klinge wird in den Griff eingeklebt, alternativ mit Epoxyd-Harz (Pfui!) oder Birkenpech – aber nicht mehr heute 🙂

Mit dem Zelt geht es auch langsam weiter:

Händler – Shop til you drop!

Als wir – ich und Lunula natürlich – mit der Reenacterei anfangen wollten, kannten wir niemand aus der „Szene“ und Ahnung hatten wir auch nicht gerade (viel), dafür aber Shoppinglaune.

Ich stellte aber schnell fest, dass es auf den meisten Mittelaltermärkten wenig von dem zu kaufen gab, was mich interessierte. Seufz, und das Geld saß doch gerade locker! Die allermeisten Waren hatten mit Mittelalter einfach gar nichts zu tun. Mit Wikingern schon gar nicht. Aber vielleicht sieht es ja im World Wide Web besser aus?

Nein. Nicht wirklich. Ich stänkere jetzt einfach mal nicht weiter rum.

Es gibt ja auch Händler, die überzeugen – meistens jedenfalls -, z.B.:

  1. Udalrich, der Schmuckhändler
  2. Reenactors, Waren aus vielen Epochen
  3. Torben, der Glasperlenmacher

Wo auch immer man kauft sollte man sich darüber klar sein, wozu man den Gegenstand der Begierde eigentlich haben will. Für eine ganz konkrete Darstellung? Aha! Wetten, dass Du gerade nicht weißt, ob der Gegenstand dazu paßt!

Besonders witzig sind Internet-Angebote wie „Brosche in typischem Wikingerstil“ (so Schlimmes gibt es glücklicherweise bei den oben gelinkten Händliern nicht).
Soso! Typische Wikingerstile gibt es viele: Oseberg-, Borre-, Jellinge-, Mammen-, Ringerike-, Terslev-, Urnes-Stil…… Wat denn nu?
Ist es angeblich eine Replik? Super! Und woher stammt das Original? Wikinger haben sich zwischen Island und Byzanz, zwischen Kanada und Russland getummelt.
Und von wann? Die Wikingerzeit war ca 250 Jahre lang!
Und – gehört die Brosche zur Männer- oder Frauentracht? Das könnte peinlich werden!

Man kann sich freilich auch verrückt machen. Das ganze soll ja auch Spaß machen. ODER? Genauer! Ausgrabungsbericht! Zeichnung der Fundlage! Oui! Donne moi! Gib mir Tiernamen!

Teil II: Seelenqualen eines hysterisch gewordenen Viking-Shoppers – demnächst in diesem Programm.

Eh‘ ichs völlig vergesse: Drei der Hauptfreuden des Reenactens sind übrigens das Lesen, Selbermachen und Recherchieren.

Der anachronistische Zug I: Das Trinkhorn

„In lockerer Folge“, wie es in selbstgeschwelltem Bloggerstil heißen könnte, schreibe ich zu Anachronismen beim Reenactment und zu Reenactment-Moden des dritten Jahrtausends. Manches ist lustig, schrullig oder peinlich, aber vielleicht am Ende doch nicht so einfach, wie z.B. der Satz „Wikinger hatten keine Hörnerhelme“, so absolut formuliert, nicht stehen bleiben kann….

Los gehts mit:

Das Trinkhorn

Gegeben hat es sie natürlich, wie z.B. Funde aus den Gräbern 523/544 in Birka belegen:

und hier die Rekonstruktion im Museum:

Bei Reenactors sind Trinkhörner nicht angesagt, auch nicht (mehr?) als Dauer-Gürtelzierde, denn sie sind, da man sie nicht unausgetrunken hinstellen kann, als Trinkgefäß während eines mehrtägigen Lagers alles andere als praktisch. Anfänger bekommen übrigens beim Ende eines Schlucks das Getränk immer ins Gesicht, da sie das Horn falsch halten.

Umso beliebter sind Hörner bei Marktbesuchern, derzeit besonders in der 0,1 Liter Mickervariante, in die kaum ein Schlücksken passt. Die Schwarzhemdfraktion scheint da besonders affin zu sein.

Letztlich darf man den Masseneinsatz von Trinkhörnern wohl auf das „wagnerianische“ Germanenbild mit Hörnerhelm und Trinkhorn zurückführen, das zum Trinkhorn als pseudoheidnischem Symbol geführt hat.

Praktisch zum Trinken sind die Hörner, wie gesagt, ja erstmal nicht und „Trinkhornständer“ sind leider auch unbelegte Fantasy:

(Jaja, iss meiner….)

Gegen eine weite Verbreitung von Trunkhörnern spricht, so meine Meinung, auch, dass Horn ein viel zu wertvolles Material ist, um daraus ausgerechnet Trinkgeräte zu machen, die ja auch aus Holz, Ton oder Speckstein herstellbar sind.
Andererseits waren „nicht hinstellbare“ Trinkgläser zumindest von Spätantike bis in das frühe Mittelalter durchaus üblich. Spitz zulaufende Gläser fand man in Birka, Gläser mit „rundem“ Boden (Sturzbecher) z.B. in Köln (merowingische Zeit), einem Zentrum der Glasherstellung……

Ja, und dann gibt es noch die mehrlitrigen Monsterhörner, die wohl von nicht so ganz authentischen Watussi-Rindern stammen. Graus.

Dennoch: Ein richtig guter Met, möglichst aus Polen, schmeckt aus einem Horn am allerbesten. Soviel Ehrlichkeit muss sein. Hicks. Hickshickshicks.

Online Petition: Rettet Viking Waterford!

Save Viking Settlement at Woodstown (Waterford)!
Sign the Online Petition!

Rettet die Wikingersiedlung bei Woodstown (Waterford)!
Unterzeichnet die Online Petition!

In Woodstown bei Waterford (Irland) wurde bei den Vorbereitungen zum Bau einer Umgehungsstraße die nicht überbaute Lokation der wikingerzeitlichen Stadt Waterford gefunden, eine archäologische Entdeckung ersten Ranges, schlagzeilenträchtig mit Pompeji verglichen.

Gegründet und befestigt im 5. Jahrhundert (die einzige bekannte Befestigungsanlage im Irland dieser Zeit), wurde der Ort als eine der Hauptsiedlungen der Wikinger im Irland des 9. Jahrhunderts neu besiedelt. Die Siedlung ist in ihrer dichten Bebauung und Größe einzigartig in Westeuropa.

Von einer gründlichen und vollständigen archäologischen Ausgrabung werden wesentliche Beiträge zur Entwicklung der Stadt in Nordeuropa und zu den Beziehungen der frühen Wikinger zur keltisch-irischen Bevölkerung erwartet.

Viking Waterford ist immer noch vom Bau der Umgehungsstraße bedroht!

Ich bitte Euch daher, die Petition zu unterzeichnen, die die Regierung Irlands bittet, eine vollständige, öffentlich finanzierte Ausgrabung und Veröffentlichung zu veranlassen, nebst Bau eines Museums („interpretative centre/education facility“).