Belege zur Wikingermütze?

Da frägt mich doch ein Leser nach Nadelbindung und Belegen für die Form meiner Mütze!

Nadelbindung
Stricken und Häkeln gab es in der Wikingerzeit nicht, statt dessen hat man Nadelbindung genutzt, z.B. für Socken, die man in Jorvik/York gefunden hat (Coppergate Sock). Bei Lunula ist Näheres zum Nadelbinden nachzulesen.

Nadelbindung für eine Mütze?

Mögliche Materialien für Kopfbedeckungen wären: Wollstoff/Filz, Leinenstoff, Seidenstoff, Pelz/Leder oder Nadelbindung auf Wollbasis. Nadelbindung hat den Vorteil, dass die Mütze „aus einem Stück“ anfertigbar ist und den Vorteil von Flexibilität/Dehnbarkeit hat. Das Material ist also authentisch, konkrete Mützenfunde der Wikinger aus Nadelbindung kenne ich nicht, die Mütze des Hl. Simeon ( < 1035 A.D., Domschatz Trier) stammt aber zumindest aus der Epoche. Viele Details zu Nadelbindungsfunden gibt es im Katalog des Museumsdorfs Düppel (online).

Konische bzw. konkave Form?
Hier einige Belege für konische oder konkave Kopfbedeckungen aus Haithabu, Lindby (Skane) und Island:


Oder vielleicht doch aus Metall?……

In Birka (Gräber 581 und 644) hat man Kappenschmuck gefunden, der nur bei „spitzen“ Mützen sinnvoll ist, hier die (Zipfel?-)Mützenspitzen:

Und die Fundlage in Grab 581 (beachtet die weiteren Anhängsel hinter der Spitze!):

Pelz?

Die Wikinger waren die wohl wichtigsten Pelzhändler ihrer Zeit, mit Pelzfunden sieht es allerdings sehr schlecht aus – dennoch, hier eine Rekonstruktion aus dem Museum in Ribe:

sowie ein Ausschnitt aus einem Modell in Birka:

Abschließend die Abbildung eines Bulgaren aus dem Menelogion Basileios II (976-1025), einem Volk auf das die Rus/Waräger bei Ihren Handelsfahrten oft getroffen sein werden. Kleine Gürteltaschen wie die des Bulgaren hat man auch im Baltikum und in Schweden gefunden, wie überhaupt Schmuck „steppennomadischer“ Provinienz, etwa Gürtel- oder Taschenbeschläge. Es fand ein reger Austausch zwischen Skandinavien (insbesondere Schweden/Birka) und dem baltisch/russischen Raum statt. Die Mütze könnte einen Pelzrand haben….

Wer weiß mehr?

Das Zelt – Des Dramas erster Teil.

Wie mir selbst angedroht, habe ich mit dem Zeltbau angefangen. Meine bisherigen Erfahrungen mit der Heimwerkerei haben sich ja über das Nageln schon auf das Dübeln ausgeweitet – achja und da sind noch meine windschiefen Bücherregale – aber sägen, beiteln, schleifen???

Na, und jetzt besitzte ich sechs Schalbretter (4m x 15 cm x 2,5 cm), leider ungehobelt, seufz, auch nach einer Woche sind meine Hände noch halb taub von der Schleifmaschine, sowie 3 Balken ( 5 cm x 5 cm).

So soll das Zeltgestänge werden (bei Regen auch mit Zeltplane, aber das ist eine andere Geschichte):

Eine Bauanleitung findet man z.B. auf dieser Seite hier, wenngleich mir scheint, dass sie verschwiegen haben, welche Werkzeuge sie an den schwierigeren Stellen WIRKLICH benutzt haben….

Hier mein Experimentallabor:

Die Rundung wurde mit Beitel (für das „normale“ Holz), Raspel (für die Astlöcher) und einem Bosch-Schwingschleifer (hüstel) hergestellt:

Hier das Loch dazu (via 4 cm Bohrer an Bosch), die Brettecken mit Stichsäge abgesägt, nachgeraspelt und abgeschliffen….

Dauert mangels Erfahrung ungefähr ewig, macht aber mehr Spaß als auf meinem Gesicht zu lesen.
To be continued.

Die Wikingermütze

Unser Julfest ist vorbei, zu dem Lunula die Gelegeheit ergriff, mir, leicht verspätet, mein Geburtstagsgeschenk zu überreichen: Eine Mütze aus Nadelbindung mit Fuchspelzbesatz. Hoorray!

Ab Dienstag geht’s dann mit dem Zeltbau los. Das Holz liegt schon im Keller!