Wikinger im Rheinland: Ein polemischer Nachruf

(Kein neuer Text, sorry, nur Neuformatierung. Dieser Beitrag zerlegt sonst immer den Spaltenaufbau von http://twoday.net. Warum auch immer.)

Im Vikingnet wurde sie verrissen, die vor einigen Wochen zu Ende gegangende Ausstellung „Wikinger am Rhein“ des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Unter eine historisch-archäologischen Brille ist eine solche Bewertung kaum gerechtfertigt.

Sieht man von der niederländischen Küstenzone ab, war das Rheinland für die Wikinger Ziel von Plünderungen, nicht aber Raum für längeren Aufenthalt oder Besiedelung. Es gibt nur wenige Funde aus dem Rheinland, die sich eindeutig Wikingern zuordnen lassen. Auch heute noch sind die karolingische Annalen der Hauptbeleg für die Anwesenkeit von Wikingern im Rheinland.

Umso verdienstvoller war es, diesem schwierigen Thema eine Ausstellung zu widmen, die man, das sei zugestanden, besser „Das Rheinland und die Wikinger“ genannt hätte, denn ein Schwerpunkt war die Darstellung der historischen und sozialen Verhältnisse im Rheinland, das plötzlich mit skandinavischen Plündererflotten konfrontiert wurde.

Es war eine interessante und lehrreiche Ausstellung, auf die man sich aber auch einlassen musste, wenn man eigentlich auf die Verwertbarkeit für das Reenactment fixiert war.
Tip: Den besten Schmuck und die schönsten Waffen findet man, soweit ich die Museen kenne, im Historischen Museum in Stockholm in einer ansonsten entsetzlichen „Schatzkammer“-Darstellung.

Der Katalog

„Wikinger am Rhein“ ist auch der Name des Katalogs, wie die Ausstellung mit Fokus auf das Rheinland UND die Wikinger. Die Abbildungen sind schön, bieten dem schon länger am Frühmittelalter interessierten Laien freilich wenig Neues. Bei genauerer Analyse des Museumsshops war aber leicht festzustellen, dass dem auch wissenschaftlich Interessierten eine Alternative angeboten wurde, der eigentliche „Katalog“ zum Stand der Forschung:

Vikings on the Rhine. Recent Research on Early Medieval Relations between the Rhinelands and Scandinavia, ed. by Rudolf Simek, Wien: Fassbaender 2004.
Wer sich also doch und etwas tiefer auf das Thema einlassen will…

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