Reenactment in Schweden: Gunnes gård friluftsmuseet

Das Freilichtmuseum Gunnes gård war einer der Höhepunktes des Trips von Lunula und Borre in die Wikingerzeit Schwedens. Eingebettet in äußerst unromantische Neubauviertel und Commercial Zones von Upplands Väsby liegt Gunnes gård mitten in einem Park:



Gunnes gård ist die Rekonstruktion eines Bauernhofs aus dem elften Jahrhundert; das Ensemble besteht aus Wohnhaus, einem Küchenhaus, einem Viehstall, einem Vorratsgebäude und einem Grubenhaus. Ziegen, Hühner und Schweine bevölkern den Stall:




Die Fütterung. OK, leichte Abzüge in der B-Note (Plastikeimer!).

Hier das zum Wohnen eingerichtete Grubenhaus, dessen „Seitenwände“ sich unterhalb der Erde befinden:



Spezialtät von Gunnes gård ist der Küchengarten, in dem frühmittelalterliche Gemüse und Kräuter gezogen werden. In der Wikingerzeit (ca. 800 – 1050 A.D.) eingeführte Pflanzen sind z.B. Kohl, Zichorie, Schnittlauch, Pastinake und Baldrian.
Im Viking Heritage Magazine 2/04 hat Margareta Nilsson übrigens einen sehr lesenswerten Artikel über den Küchengarten von Gunnes gård veröffentlicht. Wir haben uns mit Ihr und den anderen Frauen angeregt unterhalten und Brot gebacken.Tack för maten!



Wikinger im Rheinland: Ein polemischer Nachruf

(Kein neuer Text, sorry, nur Neuformatierung. Dieser Beitrag zerlegt sonst immer den Spaltenaufbau von http://twoday.net. Warum auch immer.)

Im Vikingnet wurde sie verrissen, die vor einigen Wochen zu Ende gegangende Ausstellung „Wikinger am Rhein“ des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Unter eine historisch-archäologischen Brille ist eine solche Bewertung kaum gerechtfertigt.

Sieht man von der niederländischen Küstenzone ab, war das Rheinland für die Wikinger Ziel von Plünderungen, nicht aber Raum für längeren Aufenthalt oder Besiedelung. Es gibt nur wenige Funde aus dem Rheinland, die sich eindeutig Wikingern zuordnen lassen. Auch heute noch sind die karolingische Annalen der Hauptbeleg für die Anwesenkeit von Wikingern im Rheinland.

Umso verdienstvoller war es, diesem schwierigen Thema eine Ausstellung zu widmen, die man, das sei zugestanden, besser „Das Rheinland und die Wikinger“ genannt hätte, denn ein Schwerpunkt war die Darstellung der historischen und sozialen Verhältnisse im Rheinland, das plötzlich mit skandinavischen Plündererflotten konfrontiert wurde.

Es war eine interessante und lehrreiche Ausstellung, auf die man sich aber auch einlassen musste, wenn man eigentlich auf die Verwertbarkeit für das Reenactment fixiert war.
Tip: Den besten Schmuck und die schönsten Waffen findet man, soweit ich die Museen kenne, im Historischen Museum in Stockholm in einer ansonsten entsetzlichen „Schatzkammer“-Darstellung.

Der Katalog

„Wikinger am Rhein“ ist auch der Name des Katalogs, wie die Ausstellung mit Fokus auf das Rheinland UND die Wikinger. Die Abbildungen sind schön, bieten dem schon länger am Frühmittelalter interessierten Laien freilich wenig Neues. Bei genauerer Analyse des Museumsshops war aber leicht festzustellen, dass dem auch wissenschaftlich Interessierten eine Alternative angeboten wurde, der eigentliche „Katalog“ zum Stand der Forschung:

Vikings on the Rhine. Recent Research on Early Medieval Relations between the Rhinelands and Scandinavia, ed. by Rudolf Simek, Wien: Fassbaender 2004.
Wer sich also doch und etwas tiefer auf das Thema einlassen will…

Die Verwendung des Wortes „Wikinger“

Das Wort Wikinger ist ein hochdeutsches Wort im 21. Jahrhundert. Ich verwende es in der Bedeutung

Völkerschaften skandinavischer Kultur in der Zeit von ca. 800 – 1100.

Die Wikipedia meint zum Begriff Kultur

Kultur (lat. cultura, Pflege (des Körpers und Geistes), Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, (ursprünglich etwa) emsig beschäftigt sein) ist die Gesamtheit des vom Menschen Geschaffenen. Dies schließt einerseits physische Dinge, wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur ist insofern eng mit dem Begriff der Zivilisation verwandt. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (beispielsweise die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (zum Beispiel die minoische Kultur.