Mit einer Freya-Priesterin am Feuer

Letztens tief in der Nacht saß ich mit einer Freya-Priesterin am Feuer. Es war Vollmond, der Regen war vorbei und es war unvergeßlich schön.

Sie ist ein sehr liebenswerter Mensch, schon viele Jahre in der Mittelalter-Szene unterwegs und sie hat mir viele Fragen zur Historie verschiedener Personen und Gruppen beantwortet.

Eines wollte ich nicht anbrennen lassen: Die Frage nach Verbindungen „völkischer“ rechter Heiden zur Reenactment-Szene. In dem Moment, als ich ihr diese Frage stellte, graute es mich freilich sehr, da es nicht wenig wahrscheinlich war, dass ich schaudernd das Feuer verlassen würde. Es war nicht die Nacht zum Kämpfen, umso mehr, als auch einiges an Met geopfert worden war.
Sie nannte mir viele Namen und heidnische Gruppen, so u.a. auch den Rabenclan, den ich als einzigen hier erwähne. Selbst Heiden, steht der Rabenclan, so wie ich es persönlich verstehe, in aktiver politscher Gegnerschaft zu „völkischen“ rechten Heiden und befaßt sich in vielen interessanten Artikeln besonders auch mit der Rezeptionsgeschichte des Heidentums. Sehr spannend.

Was das Wikinger-Reenactment betrifft: Die meisten Leute sind keine Heiden – meiner Ansicht nach schließt sich historische Darstellung und Heidentum meist aus. Insbesondere „völkische“ rechte Heiden haben rezeptionsgeschichtlich ihre Wurzeln eher in abstrusen und rassistischen „Theorien“ des 19. und 20. Jahrhunderts, und nicht im Frühmittelalter……..

Hovgården und der Runenstein-Test

So, hier erstmal die Umfrage (nur für angemeldete Benutzer sichtbar!):

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Aber lest erst mal weiter, vielleicht wird die Antwort dann einfacher. Hier das Bild eines besonders schönen Runensteins in Hovgården:





Hovgården liegt im Mälar-See auf der Insel Adelsö, der größeren Nachbarinsel von Birka. Auf Birka befand sich im Frühmittelalter die erste Stadt Schwedens, ein bedeutender und reicher Fernhandelsplatz, wohingegen sich im Früh- und Hochmittelalter in Hovgården ein königlicher Hof befand. Birka und Hovgården sind Unesco Weltkulturerbe.

Und hier ist Kalle Runristare , Runenritzer und begnadeter Führer durch Hovgården:



Lunula und ich hatten Anfang Juni das Glück, zufällig dazu zu stoßen, als Kalle einige Australier durch Hovgården führte. Auf dem Photo hat er eine bemalte Decke über den oben abgebildeten Runenstein gelegt. Die Bemalung zeigt, wie man sich die ursprünglichen Farben vieler Steine vorstellen muß. Die moderne rote „Nachzeichnung“ der Linien ist also nicht authentisch, sie macht die Zeichung aber für den Bewunderer sichtbar und schützt den Stein vor unbeabsichtigter Beschädigung, denn die Linien im Stein sind nicht tief und leicht zu übersehen.

Abgebildet ist auf dem Stein ein Drachen im Urnes-Stil (auf Kalles Decke in rot), der von zwei Schlangen (gelb und blau) im Stein festgehalten wird. Der Drache beißt sich selbst in den schlangenähnlichen Rumpf:



Der Urnes-Stil, in dem die meisten Steine verziert sind, wurde übrigens im 11. Jahrhundert verwendet 😉

Direkt neben Hovgården befindet sich das Café Uppgården, in dem man leckeren Kaffee und Kuchen bekommt, diverse Leckereien aus lokaler ländlicher Produktion erhältlich sind und man im Shop auch so manches Nützliches für den Reenactor findet. Unbedingt vorbeischauen!

Hier muss auch ein König zu Fuß hingehen

Ja, ja die Hygiene beim Reenactment.

Fangen wir erst mal bei den schönen Dingen an. Auf gut ausgerüsteten Mittelalterveranstaltungen findet sich der Badezuber, in denen man zu sechst bis zehnt splitterfasernacktes Wohlfühlen erfährt. Rufus der Badeknecht oder die Wölfin reichen dann ein Metchen und kneten einen ordenlich durch. Stöhn.

Schlecht ist es mit der Keramikabteilung bestellt. Das Loblied singe ich über Groß-Pinnow, wo es wirklich Keramik war und piekfein geputzt.

Der Hygienestandard sind freilich Dixi-Klos wie diese:


Dixi ist das namensgebende Original der transportablen Sch…häuser, z.B. gibt es hier TOI CLASSIC, DIE DESIGNERKABINE FÜR HÖCHSTE ANSPRÜCHE. *grusel* *stink* *überflut*

Die Alternative „im Wald“ ist leider auch nicht so toll, denn wenn das jede/r macht….

„Hier muss auch ein König zu Fuß hingehen“. Ja, wenn man die Grenze zum Mittelalter überschreitet, will man ja so aufklärerisches Zeug wie Freiheit und Democracy hiner sich lassen. Endlich wieder klare Verhältnisse und mach mir bloss nicht meinen Vorgartenzaun kaputt!

Es gibt mittlerweile auch Rekonstruktionen authentischer Dixis, die dem Rechung tragen, denn der König geht zwar zu Fuß, benutzt aber eine Leiter:


Noch ein Tip für das Weibsvolk, was das „im Stehen“ betrifft: Die Urinelle!

Das Eisenzeithaus – Järnåldershuset

Hier ist das erste Kapitel einer lockeren Folge zu „Freilichtmuseen“ zum Frühmittelalter in der Gegend von Stockholm.

Das Järnåldershuset liegt am Rande unglaublich vieler Golfplätze und an einem wunderschönen kleinen See bei Körunda, nördlich von Nynäshamn. (Golfplätze im Hirn ausblenden, immer in Richtung See gucken).



Das Langhaus; links daneben liegt eine Schmiede:





Lunula und ich waren anfang Juni an einem „Handwerkertag“ da, folgendes wurde gezeigt:

  • Schmieden
  • Färben
  • Schiffbau
  • Naalbinding
  • Runensteinmeißeln

Besonders lange und interessant haben wir und mit der Färberin unterhalten, die hier gerade Wolle gelb färbt:



Wie an ihren Farbbeispielen zu sehen, waren die Stoffe in der Wikingerzeit sehr bunt, sofern man sich denn bunte Stoffe leisten konnte. Für Gelb- und Brauntöne gibt es viele Färbemöglichkeiten, Rot ist oft mit Krapp gefärbt und Blau mit Färberwaid:



Als echtes Schmankerl sind wir mit einem Wikingerboot über den See gefahren, eine echte Premiere. Leider fiel dann das Segel runter und wir mußten zurückrudern….



Die Leute vom Järnåldershuset waren kurz vor der Fertigstellung ihres ersten großen Schiffs. Ich finde zwar, dass der Steven nicht gerade wikingisch ist (später mal mehr dazu) aber ihr nächstes Schiff sei schon in Planung!



Bezüglich der (unregelmäßigen!) Öffnungszeiten des Järnåldershuset empfehle ich gründliche Recherche bzw. Telefonate, zumal die Website des Järnåldershuset derzeit „tot“ ist….

Uppståndelseägget – Das Auferstehungsei der Rus

Im Kiewer Raum des 11. Jahrhunderts begann man mit der Herstellung glasierter Toneier, die vermutlich christliche Symbole der Auferstehung darstellen. Wikinger waren an der Gründung des Reichs der Rus in Kiew beteiligt und im 11. Jahrhundert zumeist schon Christen.

Hier das Photo eines zerbrochenen Eis aus dem Museum von Sigtuna. Am runden Ende führt ein kleines Loch zu einem Hohlraum, in dem eine kleine lose Kugel sich beim Schütteln hören lässt:





Hier (auf Seite 6) ist noch ein weiteres schönes Ei in Braun und Gelb abgebildet.

Mein eigenes Ei wurde von Christina Larsson hergestellt, das charakteristische Muster ist gut zu erkennen:



Wie man mir sagte, weiß jeder, der Backen kann, wie dieses Muster erzeugt wird!

Die Drachen fliegen tief – Ribes Wikinger

Hej,



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ist abgeschlossen, einer von sieben Tips war richtig, die richtige Antwort lautet Ribe, gegründet um 700 als Handelsplatz an der südlichen Nordseeküste Dänemarks. Lunula und ich waren 2003 dort- das Wetter auf dem Weg nach Ribe war schön und die Drachen flogen tief:


Hier ist das Langhaus mit Umgebung, es steht im Ribes Viking Center:


Hier im Modell kann man gut erkennen, dass Seitenwände und Dachfirst ganz typisch „krumm“ sind (Dieses Modell steht allerdings im Museum von Gamla Uppsala in Schweden):


Das Langhaus in Ribe war voll eigerichtet, z.B. mit einsernen Kochkesseln, die genietet waren und mit Milch oder Haferschleim (BÄH!) ausgekocht werden mussten, damit sie dicht wurden:


Birkenrindendosen sind wunderschön und der Reenactor braucht sie dringend, um Erdbeermarmeladengläser oder den Käse in Plastikfolie vor den Besuchern und Mitwikingern zu verstecken:


Ja, die reichen Wikinger hatten sogar Betten wie dieses! Reenactors in höherem Alter ;-)) finden sowas auch in einem Wikingerzelt unverzichtbar:


Und Stühle haben sie auch, bloß meist ohne Lehne …. stöhn … Trapperstühle haben Lehnen, sind aber völlig unauthentisch … mistohmistohmist …..


Das Vikingnet

Puh!

Der Urlaub und Herzberg sind vorbei und die Lust zum Bloggen steigt ÄHNDLICH wieder. Zum Start erst mal eine Link auf das Vikingnet, das eine Unerschöpfliche Fundgrube für ernsthafte Informationen zum Frühmittelalter ist:

Falls Ihr selber dort posten wollt: Keine dummen Fragen stellen, immer schön wissenschaftlich und ein bisschen devot *winsel* bleiben! Ansonsten aber ein großartiges Forum.

P.S.: Dank Dir, Zucker, für den Tip für Bilder-Storage, den ich hiermit teste.