Codex Argentus

Uppsala, 12.6.04, McDonalds

Nicht Wikinger, aber ein Heiligtum der Kulturgeschichte, der Codex Argentus, auch Silver Bible oder Wulfilabibel genannt.
Der Codex Argentus, ein Neues Testament in silberner und goldener Schrift auf purpurnem Papier stammt aus dem sechsten Jahrhundert und ist in gotischer Sprache abgefasst. Entstanden ist das Buch vermutlich am Hof Theoderichs des Grossen in Ravenna; es befindet sich heute in der Bibliothek von Uppsala, wo ich es heute bewundern konnte.

Hier das Vaterunser auf gotisch:

Atta unsar thu in himinam,
weihnai namo thein.
qimai thiudinassus theins.
wairthai wilja theins,
swe in himina jah ana airthai.
hlaif unsarana thana sinteinan gif uns himma daga.
jah aflet uns thatei skulans sijaima,
swaswe jah weis afletam thaim skulam unsaraim.
jah ni briggais uns in fraistubnjai,
ak lausei uns af thamma ubilin;
unte theina ist thiudangardi
jah mahts jah wulthus in aiwins.
amen.

Uppsala, 8.6.2004 18:05, McDonalds

Hallo Leute,

ich sitze gerade im McDonalds in Uppsala und habe im Web nach den Dark Age Stitch Types gesucht, damit ich mit meiner neuen Hose anfangen kann. Plan: Komplett handgenäht.

Lunula und ich haben heute Gamla Uppsala besucht, den alten Königssitz der Svear mit den grossen Grabhuegeln aus der Vendel-Zeit (ca. 550-800 A.D., der mittelalterlichen Kirche und dem Historischen Zentrum, in dem insbesondere die vendelzeitlichen Grabbeigaben aus Välsgarde bedeutend sind. Dem Gräberfeld Välsgarde haben Lunula und ich noch einen sonnigen Abstecher gewidmet.

Bisherige Wikinger-Shoppingergebnisse:
2 Buecher
1 Thorshammerring (Replik Birka Grab 188)
1 Glasperle
1 Schnittmuster Hängerock

In der „Odinsborg“ in Gamla Uppsala gabs lecker Kuchen mit Birnenlimo – empfehlenswert.

Uppland sieht wirklich oft so aus, wie ich es mir nach „Michel“, „Pippi“ und „Saltkrokan“ vorgestellt habe.

Unser Ferienhaus ist absolut spitze. Finnischer Stil, will sagen Riesenblockhaus mit allem Komfort. Der Besitzer ist Jäger, was bedeutet, dass ueberall Elch- und Hirschgeweihe rumhängen. Sind aber supernette Leute.

Kuss und Gruss – Dein Krummelus.

The Lewis Chessmen

Und dan gab es in Satzvey Pfingsten 2004 noch den Händler, der eine ca. 30 cm hohe Nachbildung eines Lewis Chessman aus Holz verkaufen wollte. Er druckste und knödelte auf „mittelalterlich“ rum, hatte aber null Plan, was er da im Angebot hatte, bis ein gebildeter Wikinger 😉 es ihm erklärte. Seufz.

Die Lewis Chessmen sind Schachfiguren aus Walross- bzw. Walelfenbein aus dem 12. Jahrhundert. Die insgesamt 93 Figuren – große Kunst! – wurden 1831 auf der Insel Lewis in den Äußeren Hebriden unter mysteriösen Umständen am Strand gefunden. Stilistisch weisen sie in die Gegend von Trondheim in Norwegen, wo sie wahrscheinlich hergestellt wurden. Obwohl ca. 100 Jahre nach Ende der Wikingerzeit entstanden, werden die Lewis Chessmen gerne in einschlägiger Literaur abgebildet.

Die Figuren befinden sich heute im britischen Museum. Hier z.B. gibt es noch mehr Bilder und zur Lektüre empfehle ich (erhältlich z.B. bei einschlägigen Internet-Buchhändlern):

Neil Stratford: The Lewis Chessmen: The Enigma of the Hoard, British Museum Pubns Ltd, 1999

Nette Bekannte können das Buch natürlich bei mir zuhause persönlich einsehen 🙂

Bei Furor Normannicus gibt es Wallpaper mit schönen Nachbildungen der Lewis Chessmen.

So, jetzt mache ich eine Weile Pause, da ich gleich zu einem Trip nach Skandinavien aufbreche.

Bis dann, gehabt Euch wohl.

Die Schlacht von Worringen 2004

In der Schlacht von Worringen im Jahre A.D. 1288 befreite sich, wie man sich erzählt, das tapfere Bürgertum von Cölln vom Joche des Erzbischofs. Nebeneffekt war allerdings, dass auch Düsseldorf die Stadtrechte erhielt.

Im Jahr A.D. 2004 fand die Schlacht von Worringen endlich von Neuem statt, in Form eines „Turniers“ bei den diesjährigen Ritterspielen auf Burg Satzvey an Pfingsten. Wie letztes Jahr wollten Lunula und ich natürlich hin, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Lunula konnte leider gut entschuldigt nicht, dafür war Railee mit ’ner netten Kollegin dabei, noch zwei Erwachsene, 1 Sohn à 10 Jahren und zwei hinreißende kleine Rabrülls im Zwillingsbabykinderwagen. Und jetzt diese 7 Leute unter einen Hut bringen. Mannomann! Wir kamen ca. 1 Meter pro Stunde vorwärts. Aber schließlich war ein wunderschöner Samstagnachmittag, kein Grund für Streß und kleine Rabrülls haben nunmal ganz andere Bedürfnisse als z.B. der Wikinger namens Borre.

Das Schöne an Satzvey ist immer wieder, dass sehr viele Besucher gewandet sind. Manche Leute auch wirklich grossartig, z.B. gab es da eine völlig faszinierend durchgestylte etwas rubenesque Grufti-Frau…..

Meine Erfahrung des letzten Jahres läßt es jetzt zu, dass Aussehen des mittelalterlichen Mannes genau zu bestimmen:

1. stark gefältetes weißes Baumwollhemd, ggf. mit Rüschen
2. schwarze (Leder-)Hose
3. Trinkhörnchen am Gürtel, ca. 0,1 l
4. blankes Schwert ohne Scheide
🙁

Dagegen konnte ich natürlich absolut nicht anstinken. Allerdings befürchte ich, dass ich (fast) der einzige Besucher war, der ein klitzekleines Bisschen Wert auf Authentizität legte….

Ja, und dann gab es auch noch die in Satzvey lagernden Wikinger. Die eine der beiden Gruppen war offenbar eine etwas barbarisierte Großfamilie. Hatte was von Kölner Hunnencamping. Ihr Nachwuchs hatte von Maschinengewehren und Heckler und Koch Katalogen völlig geschlechtsunspezifisch jedenfalls reichlich Ahnung.

Die Schlacht habe ich natürlich wie immer verpasst :-)) Elektronisch verstärkte Turniershows mit Geschichtenerzähler sind doof.