Nähen in feinem Zwirn

Geschlechterrollen
Wer hätte gedacht, dass ich in diesem Leben noch anfangen würde zu nähen, obwohl es freilich eine echte Schande ist, nicht einmal einen Knopf annähen zu können. Die Maderl hatten in der Schule beim „Werken“ ja nützliche Dinge aus Haushalt und Wirtschaft gelernt, aber die Jungens… Zeit, das zu ändern!

Eine Grundanforderung
Reenactment verschärft mein Problem beträchtlich, denn handgenähte Gewandung zählt per Konvention zu den Grundanforderungen, zumindest dürfen keine Maschinennähte sichtbar sein. Ach ja, und ich, der ich zweifelsfrei kein Single bin, habe zuhause kein Mausi sitzen, dass wäscht, putzt und – Gott sei Dank – jetzt auch meine Gewandung näht.

Das Säumen
Säumen ist das Allererste, was man lernen muss, denn die Saumnähte sind ja gerade die, die gut sichtbar sind. Das Web lieferte mir mit Dark Age Stitch Types die Informationen, wie’s gemacht wird. Mittlerweile habe ich verstanden, dass man vor den Schneidern ohne Nähmaschine aus dem Märchen Respekt haben muss und Kleidung etwas wertvolles ist…..

Die Tunika
Das Kleidungsstück, an dem ich nähte, ist übrigens eine Birka-Tunika, für alle nicht Anglophonen: Das dritte und vierte Bild von oben im Link.

Maulaffen feilhalten
Letztens im ICE von D. nach K.: Borre saß in feinem Zwirn im „Alle-Unternehmensberater-wollen-nach-Hause-Zug“, packte sein Nähzeug aus, säumte tapfer vor sich hin und lachte sich innerlich halb tot, weil alle so komisch guckten….

Untertunika und Obertunika
Die Untertunika, sozusagen das Unterhemd, ist heute Nacht fertig geworden, mit der Obertunika habe ich angefangen, indem ich den Halsausschnitt mit brettchengewebter Borte verziert habe. Zwei Nächte habe ich noch Zeit…..

Linz liegt nicht nur an der Donau

sondern Linz liegt auch am Rhein, etwas südlich des Siebengebirges. Die Schiffe der Weissen Flotte halten hier, man trinkt ein Käffchen oder auch ein Glas Wein und verträumt einen dröseligen Samstagnachmittag. Ausser, man bleibt wie FA erstmal ordentlich im Stau stecken.

Zur Sache.
Das Ze*ghaus Wiking ist vor einigen Monaten von Köln in die Burg Linz umgezogen, na, ein Angebot mit „Burg“ und viel Laufkundschaft kann man wohl auch nicht ausschlagen, vermute ich mal völlig unwissenderweise. Im Ze*ghaus Wiking gibt es schöne und nützliche Dinge fürs Reenactment zu kaufen und noch mehr können die Besitzer beschaffen oder anfertigen lassen, denn sie haben gute Beziehungen. Ihr Laden, im ersten Stock der Burg, lohnt immer einen Besuch, z.B. auch für den Mann gestern, der Kettenhemdem und anderes aus diesem Material für erotische Fotographie suchte, was ich übrigens absolut klasse finde.

Für das richtige Burgambiente sorgte der schottenberockte Dudelsackspieler vor dem Burgtor, der Pippi Langstrumpf und Amazing Grace spielen konnte. Na toll. Manchmal hat glücklicherweise die Musik aus dem Musikautomatenmuseum (unbedingt reinschauen) gewonnen.

In der nächsten Woche werde ich jede freie Minute mit Nähen verbringen. Nähen?? Genau. Und zwar ohne Nähmaschine meine Gewandung zuende säumen. Das gibt einen Spass!

Satzvey II – Herr und Frau Gromi

Nach dem Kaufrausch in Satzvey haben F. und ich uns nicht geschämt (nö, wieso denn auch!) in Bad Münstereifel (das schöne Städtchen mit Heinos Cafe) noch zu abend zu essen, das Ganze natürlich im Fummel. Man ahnte es: „Ihr kommt doch bestimmt von Satzvey?“

Frühmis, Homis, Spämis, und Gromis

Völlig unbedarft, aber überzeugt, ein bißchen Ahnung zu haben, merkten F. und ich recht schnell, dass es Unterschiede gab. OK, sortieren wir Hawaiihemden, Gruftis, Elfen, freie Amazonen, Zauberer und Larpies mal aus, die ich alle respektiere, die mir ansonsten alle verzeihen mögen und die ich KEINESFALLS herabstufen möchte, aber das Blogg heißt nun mal „becoming a reenactor“: Es blieben, z.T. angelehnt an die einschlägig bekannte zeitliche Untergliederung des Mittelalters, übrig:

Frühmis (Frühmittelalter): offenbar meist Wikinger in ungefärbten „dreieckigen“ Zelten, auch reichlich Weibsleute vorhanden.

Homis (Hochmittelalter): meist Kreuzritter in bunten „vieleckigen“ Zelten, wenig Weibsleut, gelegentliche Burgfräuleins.

Spämis (Spätmittelalter): Eher die Raubritterfraktion – kulturell, verglichen mit den Homis, leicht vor den Hund gekommen. Frauenmangel.

Gromis (Grobmittelalter): Was noch so bleibt: Rüschenhemden mit Schwert und Lederhose, Hörnerhelme, Kreuzritter mit Thorshämmern, die Nietenfraktion und fast alle Händler – bei denen u.A. der Spruch geht: „Mittelalter ist, wenn man trotzdem lacht“.

So und jetzt ahnt Ihr es? Da ich ja zu Beginn fast alle Leute ausgeschlossen habe und der Rest auf den meisten Veranstaltungen zum größten Teil aus Gromis besteht, ergibt sich:

Mittelaltermärkte haben sehr wenig mit Mittelalter zu tun. Naja, fast nichts und es gibt auch Ausnahmen, sonst wäre dies ja der letzte Blog-Eintrag. Der Satz gilt besonders für die großen „Spektakel“ und die „mittelalterlichen Stadtfeste“. Seid Euch dessen bewusst, gebt Euch keinen Illusionen hin und habt trotzdem Euren Spass. Satzvey zähle ich durchaus zu den besseren Veranstaltungen, auf den man einen herrlichen Tag verbringen kann!

OK, ich habe ein bisschen geschummelt. Auf Satzvey habe ich keinen Hörnerhelm gesehen und auch sonst noch nie. Ich will das Wort „Hörnerhelm“ nie wieder verwenden (nienienie). Ich habe nie einen gehabt, keinen gewollt und das ist wahr.

F.s und Borres Ausrüstung nach dem Kaufrausch

F.:langes (übrigens ganz hinreißendes ) grünes Baumwollkleid; schwarzer Gürtel mit Gürteltasche.

Borre: braune Wildledertunika; brauner breiter Gürtel mit Tasche, keine Hose aber ein gefährlicher Dolch (nichtrostend).

Na? Na? Groschen gefallen?

WIR WAREN JETZT GROMIS! JUBEL! JUCHZ!

Stilfragen

Ich möchte, dass Ihr die Texte in diesem Weblog mit Vergnügen lest, und, so hoffe ich, manchmal etwas Bedenkenswertes und Interessantes darin findet. Und – last but not least – auch ich selbst mag in den Texten stöbern.

Sprache ist etwas wundervolles und man sollte sie pflegen und geniessen. Also: Groß- und Kleinschreibung, Orthographie und Zeichensetzung sind keine Schande. Für mich nicht und auch nicht für Kommentatoren.

Ein Mann und sein Schwert

Der Herr kauft auf einem Mittelaltermarkt erst einmal ein Schwert und fühlt sich endlich als richtiger Mann. Schwerter werden auch gerne in Wummenshops (Gaspistolen beulen ordentlich in der Hose) erstanden und es gibt verschiedene Kategorien:

1) Königs- oder Barbarenschwerter

Z.B. das Originalschwert von Richard Löwenherz, das Schwert von Conan Schwarzenegger oder die Säge von Gutgolf, dem Zauberer.
Meist sind diese Mordwaffen aus bestem „Chromstahl“, haben jede Menge (für den Besitzer) gefährliche Zacken, schöne Juweleneinlagen aus Glas oder Plaste und zerbrechen glücklicherweise gleich, wenn sie hinfallen. An der Wand aufgehängt, macht sich das Schwert von Richard Löwenherz ebenso gut wie das rosa gehäkelte Klopaversteck in Vatis Auto.

2) Das Scharfe Schwert

Ein scharfes Schwert ist natürlich wichtig, leider aber heute nur schwer zu bekommen, da das Waffengesetz wegen der gefährlichen Al-Quaida-Terroristen, zu deren Standardausrüstung ja auch Schwerter gehören, geändert wurde. Aber man kennt ja vielleicht einen Messerschleifer oder probierts mal mit Gemütlichkeit auf der eigenen Werkbank. Problem ist nur, was soll man mit dem Riesenkäsehobel jetzt machen?

3) Das falsche Schwert

Eigentlich völlig unvermeidlich. So ein Bidenhänder ist ja ein Megateil und passt prima zu einem Kreuzritter, oder nicht? Wobei mir (Churchill-Typ) einfällt, dass ich endlich Sport treiben wollte, um so ein Teil wenigstens hochzuheben! Ein Gladius ist ideal für einen Waräger, der ihn über 15 matrilineare Generationen von der keltischen Dana geerbt hat. Genau.

4) Das stumpfe Schwert

Ein Schwert mit stumpfer Oberfläche, in der man sich nicht spiegeln kann. Die Kante, von Schneide gar nicht zu reden, ist mehrere Millimeter breit. Es biegt durch und federt zurück. Hmmmm, wasn das nun?

5) MEIN Schwert

Confessio: Ich besitze schon seit Jahren ein Schwert. Nein, nicht auf Satzvey 2003 erstanden, sondern vor einigen Jahren auf einem Wikingerlager in der Eifel, auf einem Schlosshof in oder bei Kommern. Leider habe ich vergessen, wie die Gruppe hiess, die u.A. eine interessante „Modenschau“ mit frühmittelalerlicher Kleidung darbot, sehr schade. Der Händler war vom Ze*ghaus Wiking.
Ach ja, und was für ein Schwert, ist es nun, das ich zuhause freundlich anlächele, gelegentlich putze, damit es nicht rostet und das ansonsten dieses Jahr wohl nicht getragen werden wird: Es ist ein „stumpfes Schwert“ und es ist mit einem tea cosy pommel montiert, was Teekannenwärmerknauf heisst. Und wer von Euch schon mal in England war, weiss jetzt, auch ohne auf den Link zu klicken, wie der Knauf aussieht….

6.) Der Nix-Wie-Hinweis: Zornhau

Auch auf den schrecklichsten Märkten findet man manchmal ein Sahnetörtchen (mjam). So kamen FA. (mein Lieblingsspezi) und ich auf dem GRAUENVOLLEN Mittelaltermarkt in L., nein, ich wages es nicht, den Namen zu nennen, mit den Leuten von Zornhau, einem Verein für historische Fechtkunst, ins Gespräch, deren Vorführung wir später in Braunfels besuchten. Wundervoll!

P.S.: Damit wir uns recht verstehen: All die oben beschriebenen grossartigen Peinlichkeiten sind natürlich auch die meinen…seufz und ach und fröhlich lach! gnihihihih.

Die Mittelaltermärkte – ach ja

Wenn Ihr das echte Mittelalter erleben wollt, besucht einfach Mittelaltermärkte, danach wißt Ihr Bescheid.

Gar lustig geht es da her! Man spricht mittelalterlich „Seyed gegrüßet und zahlet drey Silbelinge“, es werden Waren gehandelt wie indische Halstücher aus dem Mittelalter, mittelalterliche Gruftikleider aus Nicki-Samt oder gerne auch das glänzende Schwert von Karl dem Großen mit diesen spitzen Zacken…………

F.

Wer F. ist, muss ich wohl erklären. F. ist die Frau, die ich sehr liebe. Reenactment ist unser beider Interesse und Hobby, also kann ich öfters „wir“ schreiben.

Satzvey I

F. und ich sind oft an Pfingsten zum Flachsmarkt auf Burg Linn gefahren. Leider ist es immer höllisch überlaufen dort – nein, 2003 lieber nicht.
Da F. und ich die Eifel sehr mögen, sind wir kurz entschlosssen zu den Ritterspielen auf der Burg Satzvey gefahren. Es war ein wunderschöner Tag und ein herrlich gemischtes Publikum, sofern man nicht an galoppierender A-Psychose litt.

Und dann packte uns der Kaufrausch. Herrliche Gewandungen aus Wildleder, Baumwolle und ähnlich schöne Dinge! Aber warum jammern? Es war ein toller Tag mit Folgen….

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